Erster Prototyp in Bremen vorgestellt
Elektroauto "E3": Grüne Hoffnung von EWE und Karmann
Der angeschlagene Autozulieferer Karmann und der Oldenburger Stromkonzern EWE haben am Dienstag das Elektroauto "E3" präsentiert. Mit dem Projekt will EWE die Versorgung von Batteriefahrzeugen über das Stromnetz erforschen, Karmann hofft auf neue Geschäftsfelder.

Inhaltsverzeichnis
- 1Elektroauto mit Internetverbindung
- 2Flexibler Batterie-Einsatz
- 3Weltpremiere für EWE
- 4Bundesregierung fördert Elektroautos
Anfang des Jahres verkündeten EWE und Karmann den Start eines ungewöhnlichen Projekts: Im Auftrag des Stromkonzerns aus Oldenburg sollte der insolvente Autozulieferer ein Elektroauto entwickeln. Bereits knapp zehn Monate später stellten die beiden Unternehmen in Bremen den ersten Prototypen des "E3" vor. Sechs bis acht weitere Vorversionen sollen folgen, bevor die Serienproduktion des Elektroautos im Jahr 2012 startet.
Auf den ersten Blick ist der alternative Antrieb des "E3" nicht zu erkennen. Die Batterie, die den Wagen mit Strom versorgt, versteckt sich im im Unterboden und wiegt 330 Kilogramm. An eine 400 Volt starke Stromsäule angeschlossen lädt sich der Akku in knapp vier Stunden voll auf. Damit soll das Auto eine Fahrstrecke von 170 Kilometern bewältigen.
Elektroauto mit Internetverbindung
Der sportliche blaue Kleinwagen wiegt insgesamt 1.500 Kilogramm und hat je nach Modell 50 und 79 PS unter der Haube. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 140 Kilometern pro Stunde. Hoch ist auch der Preis: Der vier Meter lange Wagen soll zwischen 35.000 und 40.000 Euro kosten, wenn er in Serie geht.
Ausreichend Platz für Fahrer und drei Passagiere bieten die vier Einzelsitze der Steilhecklimousine. Da sich die Batterie im Unterboden des Viertürers befindet, bleibt im Kofferraum Platz für Gepäck. Per GSM-Mobilfunk steht das Fahrzeug mit dem Internet in Verbidung, was neben der Fernwartung auch der Standortbestimmung zu Gute kommen soll.
Flexibler Batterie-Einsatz
Dem Oldenburger Stromkonzern EWE bietet der "E3" die Möglichkeit, die Einbindung von Batteriefahrzeugen in das Stromnetz zu erforschen. "Die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien spielt eine ganz zentrale Rolle, wenn es darum geht, die Herausforderungen der zukünftigen Energieversorgung zu bewältigen", sagt EWE-Vorstandsvorsitzender Werner Brinker.
Die Vision des Unternehmens: Elektroautos fahren nachts an die Zapfsäule, wenn das Angebot an Strom groß, die Nachfrage aber gering ausfällt. Tagsüber hingegen sollen geparkte "E3"-Modelle überschüssige Energie ins Netz einspeisen.
Weltpremiere für EWE
Der Cabrio-Spezialist Karmann dagegen will mit dem Ökomobil neue Geschäftsfelder erschließen. Karmann hat eigens dazu das Tochterunternehmen Karmann E-Mobil GmbH gegründet. In der Vergangenheit stellte das Unternehmen Cabrio-Varianten von beliebten VW-Modellen wie "Käfer" und "Golf" her, musste in diesem Jahr aber Insolvenz anmelden.
EWE spricht im Zusammenhang mit dem "E3" selbstbewusst von einer "Weltpremiere": Das Elektroauto stellt nach Angaben des Unternehmens das erste Elektroauto dar, das im Auftrag eines Energiedienstleisters gebaut wurde. Das erste Batteriefahrzeug, das in Zusammenarbeit mit einem Stromkonzern betrieben wird, ist es aber nicht.
Bundesregierung fördert Elektroautos
So testet BMW bereits in Berlin den Einsatz der Elektroversion seines Kleinwagens "Mini", die Lithium-Ionen-Akkus des Wagens füllt Strom aus dem Netz von Vattenfall. Auch Daimler und der Energieversorger RWE haben in der Hauptstadt ein entsprechendes Pilotprojekt aufgebaut. Dabei versorgen RWE-Stromtankstellen den Kleinwagen "Smart Fortwo Electric Drive".
Berlin gehört - ebenso wie die Region Bremen-Oldenburg - zu den acht Modellregionen, in denen Elektromobilität von der Bundesregierung unterstützt wird. Die Regierung hofft darauf, dass die neuen Prototypen den Grundstein für einen Wachstumsmarkt legen. Im Rahmen des Konjunkturprogramms II stehen daher 500 Millionen Euro zur Förderung von Elektrofahrzeugen zur Verfügung. Nach den Plänen aus Berlin sollen im Jahr 2020 eine Million stromgetriebene Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein.
