Nokia N900: Das Maemo-Smartphone im Kurztest
Surfen im Netz: Mit Flash und Kreiselbewegungen
Selbst bei über zehn im Hintergrund geöffneten Anwendungen merkt der Nutzer nichts von einem Leistungsabfall. Leider verleitet dies in der Praxis dazu Anwendungen nicht zu schließen sondern einfach im Hintergrund weiterlaufen zu lassen - was auf Kosten des Akkus geht. Die offiziellen Angaben von Nokia zur Akkulaufzeit lesen sich noch ganz vielversprechend. Der Energiespender mit einer Kapazität von 1.320 Milliamperstunden soll für eine Gesprächszeit im GSM-Netz von neun Stunden gut sein.
Bei permanenter Internetverbindung spricht Nokia von einer zwei- bis viertägigen Nutzungsdauer. Im praxisnahen Mix aus Telefonie und Internet-Nutzung dürfte der Nokia-Brocken aber spätestens am Ende eines Arbeitstages nach einer Steckdose verlangen. Beim Öffnen oder Wechsel von Programmen und beim Durchblättern der Foto- oder Musikbibliothek genehmigt sich das Linux-Smartphone kaum spürbare Bedenkzeiten. Der Grafikbeschleuniger OpenGL ES 2.0 sorgt für beeindruckend schnelle Bildwechsel.
Die beiden Gehäusehälften gleiten geräuschlos auseinander und rasten sicher ein.
Dank UMTS mit HSPA-Unterstützung surft das Nokia N900 auch unterwegs flott durch die Weiten des Internets. Daten wandern im Download mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Mbit/s aus dem Netz auf das Smartphone. Beim Hochladen von Inhalten wie Fotos oder Videos steht dem Nutzer eine Upload-Geschwindigkeit von bis zu 2 Mbit/s zur Verfügung.
Der Unterbau des Maemo-Browsers beruht auf Mozilla-Technologie. Webseiten öffneten sich im Test recht langsam, was aber an der verfügbaren Bandbreite im Konferenzraum begründet lag. Der Browser unterstützt Flash und Ajax - Webseiten stellt das N900 daher fast in der gleichen Form dar, wie vom heimischen PC her gewohnt.
Gewöhnungsbedürftig ist das Vergrößern oder Verkleinern von Webseiteninhalten. Da das N900 in der aktuellen Version kein Multitouch unterstützt, vergrößert der Nutzer Inhalte mit Hilfe einer Kreiselbewegung. Dazu setzt man einen Finger auf die zu vergrößernden Stelle und lässt ihn langsam kreisen. Fast so, als ob man einen Kaffee ohne Löffel umrühren würde.
Der Ring um die 5-Megapixel-Kamera lässt sich ausklappen und als Stütze für das Smartphone nutzen.
Diese Lösung ist sicherlich besser als das Vergrößern und Verkleinern mittels einer Zoomleiste. So intuitiv wie die Bildvergrößerung mittles Auseinanderziehen zweier Finger, zu sehen beim Apple iPhone und einigen HTC-Modellen, ist es aber nicht.
Fazit
Mit dem N900 hat Nokia ein echtes Ass im Ärmel. Es bricht in vielen Punkten mit bisherigen Konventionen des Herstellers, etwa beim offenen Betriebssystem. Die Entwickler haben es glücklicherweise verstanden, die geballte Technik und den Linux-Unterbau des Smartphones auch durchschnittlich interessierten Handy-Nutzern zugänglich zu machen. Daher ist das N900 nicht nur etwas für technikbegeisterte Power-Nutzer, sondern auch für den Gelegenheits-Surfer und Musikliebhaber, der ein leistungsfähiges Smartphone mit guter Erweiterbarkeit und großem Speicher sucht.
Das Nokia N900 erscheint Ende November im Handel. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt bei 599 Euro.
