Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt

Youtube-Anzeige: "Versteckte Form des Filesharings"

Youtube-Anzeige: "Versteckte Form des Filesharings" Der Hamburger Rechtsanwalt Jens Schippmann erhebt schwere Vorwürfe gegen Googles Videoplattform Youtube: Nach seinen Aussagen dulden die Seitenbetreiber Urheberrechts-Verletzungen im großen Maßstab. In Namen von rund 25 Musikern, Produzenten, Independent-Labels und Musikverlagen stellte er Strafanzeige gegen die Chefs von Google. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingeleitet.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1"Kriminelle Energie der Youtube-Verantwortlichen"
  2. 2Youtube weist Vorwürfe zurück
  3. 3Löschverfahren angeblich mangelhaft
  4. 4Rechtshilfeersuchen in den USA

Schippmann wirft dem Youtube-Betreiber Google vor, eine "versteckte Form des Filesharings" zu betreiben und gleichzeitig die Urheber unter Druck zu setzen. So seien nach dem Auslaufen der Vereinbarung zwischen Youtube und GEMA die offiziellen Nutzerkonten von Musikern und Labels aus Deutschland nicht mehr zu erreichen.

"Gleichzeitig lässt Google von Nutzern eingestellte Inhalte mit Verweis auf deren Urheberrechte größtenteils unangetastet", sagt der Anwalt. Dabei handele es sich vielfach um Bilder mit einer Tonspur, die urheberrechtlich geschütztes Material von Künstlern enthält. Hinweise im Titel wie "Album Quality" stellen nach Aussagen von Schippmann eine unverhohlene Aufforderung zum illegalen Download der Songs dar.

"Kriminelle Energie der Youtube-Verantwortlichen"

Ähnliche Vorwürfe erheben bereits Medienunternehmen aus den USA: Anwälte des Medienkonzerns Viacom behaupten Einblick in E-Mails zu haben, aus denen hervorgeht, dass Google-Mitarbeiter geschützte Inhalte als so genannten "User-generated Content", den das Videoportal nur eingeschränkt löscht, veröffentlicht hätten.

Für Schippmann übersteigt "das Maß der kriminellen Energie der Youtube-Verantwortlichen im Google-Konzern die bisherigen Erkenntnisse aus dem Betrieb von Filesharing-Börsen wie Rapidshare, Bearshare und anderen bei weitem." Das Ausmaß der Rechtsverletzungen und der Schaden für die deutsche Musikwirtschaft seien verheerend.

Youtube weist Vorwürfe zurück

Google reagiert empört. Henning Dorstewitz, Pressesprecher von Youtube Deutschland, weist die Anschuldigungen, dass sich Mitarbeiter von Youtube oder Google strafbar gemacht hätten, entschieden zurück: "Im Gegenteil, wir arbeiten mit vielen Tausend Rechteinhabern auf der ganzen Welt eng zusammen, um zu gewährleisten, dass diese ihre Urheberrechte auf unserer Videoplattform durchsetzen können."

Dazu hat Youtube nach Dorstewitz' Angaben Software entwickelt, die weit über das hinausgeht, was rechtlich erforderlich ist: "Mit unserer ContentID-Technologie können Rechteinhaber schnell und einfach Videos mit ihren Inhalten auf Youtube finden, blockieren oder für unser Werbeprogramm freischalten lassen", erklärt der Youtube-Sprecher.

Löschverfahren angeblich mangelhaft

Rechtsanwalt Schippmann berichtet von anderen Erfahrungen: Für Mandanten wie die Sängerin Sarah Brightman oder ihren Produzenten Frank Peterson habe er bereits mehrfach erfolglos versucht, Inhalte von Youtube löschen zu lassen. Entweder habe er auf seine Aufforderungen gar keine Antwort erhalten oder sei von Youtube darauf verwiesen worden, dass jedes Video per Mausklick zum Löschen gemeldet werden könne.

"Wenn man sämtliche der inzwischen rund 9.000 Videos der Künstlerin Sarah Brightman manuell zur Löschung bringen wollte, und pro Video zehn Minuten benötigte, wäre der Betroffene fast 200 Arbeitstage im Jahr damit beschäftigt", rechnet der Produzent Frank Peterson vor.

Verstöße gegen das Urheberrecht können in Deutschland mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Ob die Hamburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Youtube-Verantwortlichen erhebt, ist derzeit noch offen.

Rechtshilfeersuchen in den USA

Allerdings plant die Staatsanwaltschaft nach Aussagen Schippmanns, ein Rechtshilfeersuchen in den USA zu stellen. Die US-Behörden sollen die Up- und Download-Daten der Youtube-Plattform für 500 exemplarische Fälle ermitteln. Schippmann betont, dass er und seine Mandanten lediglich gegen Googles Videoplattform vorgehen und nicht gegen einzelne Youtube-Nutzer .

Forum

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 8 Beiträge

Ich mach mir mehr sorgen um all die Videos, die ohne Einwilligung der Darsteller heraufgeladen werden um sie zu verspotten. Youtube/Google scheint das löschen dieser Videos und die Sicherheit von Privatpersonen...

Zitat: erhebt schwere Vorwürfe So schwer finde ich die Vorwürfe gar nicht ;) Wenn Ihr geistiges Eigentum wollt, dann behaltet euren Käse in Euren Köpfen!

Butter bei die Fische - die Namen der erfolglosen "Künstler" nennen die auf diesem fragwürdigen Weg versuchen noch ein paar Euro zu generieren. Würde mich nicht wundern wenn das solche Mark Medlocks und...

die ganze Musikindustrie und jene von denen sie rechtlich vertreten wird. sind einfach nur peinlich. Die kapieren gar nix und wollen auch gar nix kapieren. Warum, mit Abmahnen kann man ja viel leichter...

Was der Rechtsanwalt Jens Schippmann fordert, ist totaler Blödsinn. Sinngemäß müssen dann auch Internetportale von Fernsehsendern (z.B. RTL "Das Supertalent") dicht gemacht werden weil man ebenso argumentieren...

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