Gedrucktes Buch noch lange kein Auslaufmodell

E-Books: Digitaler Lesestoff spielt nur Nebenrolle

E-Books: Digitaler Lesestoff spielt nur Nebenrolle Neben den Büchern der diesjährigen Nobelpreisträgerin Herta Müller und dem Partnerland China sind E-Books das große Thema der diesjähriger Frankfurter Buchmesse. Rechtzeitig zur Ausstellung in der Main-Metropole machen die Hersteller von Lesegeräten für elektronische Bücher auf sich aufmerksam. Doch Handys und Tablet-Computer machen den E-Book-Readern ernsthaft Konkurrenz - und das gedruckte Buch ist auch noch kein Fall für den Altpapier-Container.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Bücher für fast zehn Milliarden Euro verkauft
  2. 2Lesegeräte und Literatur-Angebot
  3. 3Microsoft verkauft Lesegerät, Apple setzt auf Alleskönner

In Deutschland sind Bücher in elektronischer Form noch nicht sehr weit verbreitet, auch um ihre Bekanntheit ist es nicht gut bestellt. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Pricewaterhousecoopers zeigt, dass erst ein knappes Viertel der Deutschen E-Books und passende Lesegeräte kennen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte, dass im ersten Halbjahr 2009 rund 65.000 E-Books in Deutschland verkauft wurden - zu einem Durchschnittspreis von 10 Euro.

Werbung

Mit etwa 650.000 Euro tragen sie bisher nur im Promillebereich zum Gesamtumsatz des Buchmarktes bei. Aber die ersten reinen Lesegeräte für E-Books - wie der Sony PRS-505 - stehen auch erst seit dem ersten Halbjahr des Jahres 2009 in Deutschland zum Verkauf.

Bücher für fast zehn Milliarden Euro verkauft

Der Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels betrug nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Jahr 2008 über 9,6 Milliarden Euro. Mehr als eine Milliarde davon entfiel auf Online-Buchhändler. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sei der Umsatz mit gedrucktem Lesestoff um weitere 2,8 Prozent angestiegen, heißt es beim Branchenverband.

In den USA sorgt das Internetkaufhaus Amazon mit dem Lesegerät Kindle schon seit dem Jahr 2007 für eine gesteigerte E-Book-Nachfrage. Entsprechend entwickeln sich die Verkaufszahlen des amerikanischen Buchhandels im ersten Halbjahr 2009: Der Umsatz für E-Books beträgt bereits 63,4 Millionen Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem die Einnahmen bei 22,8 Millionen Dollar lagen, fast eine Verdreifachung. Beide Zahlen ermittelte der Branchenverband International Digital Publishing Forum.

Trotz des enormen Zuwachses ist auch in Nordamerika der Anteil von digitalen Büchern am Gesamtmarkt noch verschwindend gering. Bei den Verkäufen von Dan Browns neuem Roman "Das verlorene Symbol" etwa, der sich in den USA in den ersten 48 Stunden über zwei Millionen Mal verkaufte, liegt der E-Book-Anteil bei etwa fünf Prozent - und damit schon vergleichsweise hoch.

Lesegeräte und Literatur-Angebot

Deutschlands Buchmarkt bietet also noch Wachstumspotenzial für E-Book-Verkäufe. Die weitere Entwicklung des digitalen Lesestoffs hängt entscheidend von zwei Faktoren ab: Wie schnell und zu welchen Konditionen es Verlagen und Handel gelingt, digitalisierte Bücher anzubieten. Ebenfalls sehr wichtig ist das Angebot an Lesegeräten, bei denen es sich nicht zwangsläufig um reine E-Book-Reader handeln muss. Auch Netbooks, Handys und Tablet-Computer zeigen inzwischen elektronischen Bücher an.

Die Meinungen darüber, welches Gerät am besten zum Lesen von digitalen Büchern geeignet ist, gehen weit auseinander. Während Amazon-Vizepräsident Ian Freed wegen des "Lese-Gefühls" und der langen Akku-Laufzeit reine E-Book-Reader mit E-Ink-Bildschirm bevorzugt, sind Microsoft-Chef Steve Ballmer und Apple-CEO Steve Jobs ganz anderer Meinung.

Microsoft verkauft Lesegerät, Apple setzt auf Alleskönner

Ballmer äußerte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vor nicht einmal einer Woche folgendermaßen: "Wir haben schon ein Lesegerät. Es ist das populärste Gerät der Welt: der PC". Ballmer würde nach eigenen Angaben zwar gerne mit Amazon zusammenarbeiten, um mehr E-Books auf die heimischen Rechner zu bringen, aber einen E-Book-Reader werde es von Microsoft nicht geben.

Bereits Anfang September sprach Apple-Chef Steve Jobs im Interview mit dem Technik-Kolumnisten David Pogue von der New York Times über E-Books. Jobs erwartet, dass es auch weiterhin reine Lesegeräte für digitale Bücher geben werde, da sie für ihre spezielle Aufgabe am besten geeignet seien. Jobs Prognose zu den langfristigen Marktchancen der E-Book-Reader fällt aber eher negativ aus: "Eines Tages werden die Mehrzweckgeräte gewinnen, weil niemand mehr Geld für ein Gerät mit nur einer Funktion ausgeben wird."

Forum

Eigenen Kommentar schreiben