Kontodaten von Hunderttausenden Kunden ins Ausland gelangt

Deutsche Telekom: Erneut schwere Datenpanne entdeckt

Deutsche Telekom: Erneut schwere Datenpanne entdeckt Der Deutschen Telekom wurden erneut Kundendaten gestohlen. Im Gegensatz zur letzten Datenpanne im Jahr 2008 wechselten diesmal auch Informationen zu Kontoverbindungen den Besitzer. Ausländische Callcenter-Betreiber setzen die Daten ein, um deutschen Kunden Telekom-Verträge zu verkaufen.

Deutsche Kundendaten in der Türkei

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Nach Recherchen des Magazins "Spiegel online" sollen im Februar 2009 Datensätze von Hunderttausenden Telekom-Kunden über unbekannte Kanäle ins Ausland gelangt sein. In den meisten Fällen sollen türkische Callcenter von dem Datendiebstahl profitiert haben. Nach Angaben des Online-Magazins nutzten deutschsprachige Mitarbeiter der ausländischen Callcenter die Datensätze, um deutschen Telekom-Kunden neue Verträge zu verkaufen.

Die abgeschlossenen Verträge reichten die Firmen anschließend bei offiziellen Subunternehmen der deutschen Telekom ein, die die Tarif-Abonnements wiederum an den Telekom-Konzern weitergaben. Die Telekom zahlte angeblich hohe Provisionen für die abgeschlossenen Verträge. "Spiegel online" vermutet, dass es sich bei dem Callcenter-Ring um ein organisiertes System handelt, das von Deutschland aus gesteuert wird.

Spiegel-Informationen zufolge stammen die entwendeten Daten aus dem Umfeld offizieller Telekom-Vertriebspartner und von Callcenterbetreibern, die ebenfalls im Auftrag des Konzerns arbeiten. Telekom-Pressesprecher Andreas Middel sagte gegenüber netzwelt, dass dem Unternehmen noch keine Informationen vorliegen, ob und in welchem Umfang Daten der Deutschen Telekom für unerlaubte Werbeanrufe genutzt wurden.

Schaden im Millionenbereich

Die Telekom geht von "kriminogenen Strukturen" aus und erstattete im Februar dieses Jahres Strafanzeige gegen mehrere Beschuldigte: Wegen "Betrugs als Mitglied einer Bande". Der durch die unbefugten Zugriffe entstandene Schaden wird nach Spiegel-Informationen pro Tag auf mehr als 100.000 Euro geschätzt. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt unter dem Aktenzeichen 430JS67/09, inzwischen haben Beamte die Wohnungen mehrerer Beschuldigter durchsucht. In einigen Fällen wurde Haftbefehl erlassen.

Am 5. Oktober teilte die Deutsche Telekom dann einer Pressemitteilung mit, ihre Vertriebspartner stärker kontrollieren zu wollen. "Wir haben uns gegenüber unseren Kunden verpflichtet, gegen unseriöse Vertriebsmethoden hart durchzugreifen und das tun wir auch", betont Manfred Balz, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Deutschen Telekom.

Die Datenpanne stellt nicht den ersten Fall in der Telekom-Geschichte dar: Bei der sogenannten "Spitzelaffäre" kam es bereits im Jahr 2008 zu missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten. Ebenfalls im letzten Jahr musste das Telekommunikationsunternehmen einräumen, dass Daten von Millionen T-Mobile-Kunden in fremde Hände gelangt waren.

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