Amazon Kindle im Kurztest: E-Book-Reader spricht nur Englisch (Update)
Teurer Lesestoff
Bei aktiviertem UMTS-Modul zeigt der Kindle nach wenigen Sekunden den Online-Buchladen von Amazon an. Das Angebot umfasst derzeit über 250.000 Bücher - die nur in englischer Sprache vorliegen. Amazon verhandelt derzeit aber auch mit deutschen Verlagen: "Unser Ziel ist es, jedes jemals in jeder Sprach gedruckte Buch über den Kindle in 60 Sekunden verfügbar zu machen", erläutert Freed. Drei deutsche Zeitungen können bereits auf dem Lesegerät abonniert werden: "Wirtschaftswoche", "Handelsblatt" und "Frankfurter Allgemeine Zeitung".
Die Bezahlung der online gekauften Bücher wickelt Amazon in US-Dollar ab. In Deutschland kosten die meisten Bücher umgerechnet zwischen acht und zehn Euro nach heutigem Wechselkurs. "Der Preis ist etwas höher als für E-Books in den USA", gibt Freed zu. Als Grund für die Preispolitik gibt Freed den anfallenden Bearbeitungsaufwand, die Kosten für Datenübertragung und die Mehrwertsteuer-Regelungen an.
Dateiumwandlung per E-Mail
Per USB-Kabel lassen sich auch Dateien und E-Books aus andere Quellen als Amazons Kindle Store auf das Gerät übertragen. Allerdings müssen viele Formate zuvor umständlich konvertiert werden. Dazu muss der Anwender eine einzelne Datei per E-Mail an Amazon schicken, die Antwort-Mail enthält den Inhalt dann im Kindle-Format. Auf Wunsch schickt Amazon umgewandelte Datensätze auch direkt auf das Lesegerät - für 99 US-Cent pro Datei.
Bei der internationalen Version des Kindle verzichtet Amazon auf die Integration von Blogs und Web-Browser, der in Deutschland erhältliche Kindle gestattet lediglich den Zugriff auf Wikipedia. Der E-Ink-Bildschirm zeigt ohnehin nur textbasierte Internetseiten optimal an.
Kein Kundendienst in Deutschland
Service bietet Amazon für den Kindle derzeit nur in englischer Sprache an. Die Kundenbetreuung steht per E-Mail rund um die Uhr zur Verfügung, heißt es bei Amazon. Defekte Geräte müssen auf eigene Kosten in die USA geschickt werden. Wenigstens können gekaufte Bücher - einschließlich aller Notizen - bei Datenverlust erneut bei Amazon heruntergeladen werden. Eine Datensicherung auf dem eigenen Rechner ist ebenfalls möglich.
Ian Freed ist zuversichtlich, dass E-Book-Reader trotz Konkurrenz durch Smartphones und Tablet PCs nicht überflüssig werden. "Fast jedes Handy nimmt heute mit einer Kamera Bilder auf, trotzdem greifen viele Leute zum Fotografieren immer noch lieber zu einer richtigen Digitalkamera", begründet der Amazon-Manager seine Meinung, "Kein anderes Gerät wird je eine Lesegefühl so nah am Buch vermitteln wie E-Book-Reader."
Fazit: Nicht schlecht, aber noch lange nicht perfekt
Von anderen derzeit in Deutschland erhältlichen E-Book-Readern hebt sich der Kindle vor allem durch den drahtlosen Zugriff auf den Online-Buchladen von Amazon ab. Zudem gestatten nur wenige der aktuell erhältlichen Geräte dem Anwender, Notizen zu verfassen - die im Falle des Kindle allerdings automatisch auch auf den Servern des Online-Kaufhauses landen. Die Anzeige per E-Ink überzeugt.
Gegen den Kindle spricht vor allem die fehlende Anpassung für deutsche Anwender: Gerät und Bücher liegen nur in englischer Sprache vor, Versand und Wartung aus den USA kosten Zeit, Geld und Nerven. Weiteren Anlass zur Kritik geben die nicht optimal gelöste Bedienung und das umständliche Konvertieren von Dateien per E-Mail.
Amazon verkauft den Kindle für 279 US-Dollar. Mit Versandkosten und Steuern erhöht sich der Preis für deutsche Käufer auf bis zu 360 Dollar, das entspricht etwa 240 Euro.
Update vom 25. November: Neue Firmware öffnet auch PDF-Dateien
Amazon hat die neue Firmware für den Kindle veröffentlicht. Nach dem Update öffnet der E-Book-Reader auch PDF-Dateien ohne vorheriges Umwandeln. Außerdem soll das Software-Update die Akkulaufzeit des Geräts bei aktiver UMTS-Funktion um bis zu 85 Prozent erhöhen.
Nach Herstellerangaben erhöht sich so die Laufzeit mit einer Akkuladung von vier auf sieben Tage. Amazon hat nach eigenen Aussagen sechs Monate an der neuen Firmware gearbeitet haben. Vor allem die Stromsparfunktion soll viel Entwicklungszeit beansprucht haben. Das Update kommt automatisch per Mobilfunknetz auf den E-Book-Reader. Neugeräte liefert Amazon bereits mit der neuen Firmware aus.
Links zum Thema
- Amazon Kindle: E-Book-Lesegerät kommt nach Deutschland
- Amazon Kindle DX: Lesegerät für elektronische Zeitungen
- Ratgeber: Technikimport aus den USA
- Amazon Kindle 2: Neuauflage des E-Book-Lesegeräts
