Prototyp bietet Erkennungsrate von 90 Prozent

Forschung: Software erkennt Musik-Plagiate

Forschung: Software erkennt Musik-Plagiate Daniel Müllensiefen vom Institut für Psychologie der Goldsmiths University of London hat gemeinsam mit dem Hamburger Musikwissenschaftler Marc Pendzich eine Software entwickelt, die Musik-Plagiate erkennen kann. Das Programm verwendet eine Reihe von Algorithmen, die das Song-Material auf Ähnlichkeiten durchsuchen.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Software erkennt Ähnlichkeiten zuverlässig
  2. 2Finalversion erscheint kostenlos
  3. 3Plagiatsprozesse vor Gericht
  4. 4Auch bekannte Künstler "kupfern ab"
  5. 5Immer wieder Plagiats-Vorwürfe

Software erkennt Ähnlichkeiten zuverlässig

Dazu muss eine Notentranskription zweier Musikstücke im MIDI-Format vorliegen. Diese Daten wertet das Programm mit verschiedenen mathematischen Methoden aus, um Parallelen zwischen den Melodien zu finden. Anschließend gibt die Software einen Wert zwischen null und eins aus. Wenn die ausgegebene Zahl einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, liegt ein Plagiat-Verdacht vor. Beim Wert eins sind die beiden verglichenen Titel vollkommen identisch.

Anhand des Datenmaterials aus 20 amerikanischen Plagiatsprozessen konnten die Forscher zeigen, dass ihre elektronische Suche nach Musikkopien bereits vergleichsweise zuverlässig arbeitet. Die Forscher gaben dazu sowohl die Noten des Originaltitels als auch den transkribierten Inhalt der angeblichen Fälschung ein. Die Ergebnisse der Prüfung durch die Software stimmte in 90 Prozent der Fälle mit dem Urteil der Richter überein. Um bei Popmusik Plagiate automatisch aufspüren zu können, ist allerdings eine große Datenbank an Musikwerken nötig. An der Goldsmiths University of London sind deshalb bereits etwa 14.000 Songs als Vergleichsbasis gespeichert.

Finalversion erscheint kostenlos

Nach Angaben des Mitentwicklers Daniel Müllensiefen liegt derzeit nur ein Prototyp der Plagiaterkennungs-Software vor. In Zukunft soll die Anwendung Teil des von ihm entwickelten Open-Source-Pakets "Fantastic" werden, das die Goldsmiths University bereits kostenlos zum Herunterladen anbietet. "Fantastic besteht aus einer Sammlung von Musikanalyse-Funktionen," erläutert Müllensiefen. "Sie ist zur Forschung geeignet und wendet sich nicht primär an ein Massenpublikum, weshalb sie auch auf eine grafische Oberfläche verzichtet."

Plagiatsprozesse vor Gericht

Möchte ein Komponist einen Teil eines anderen Werkes im eigenen Song verwenden, ist ein Einverständnis des ursprünglichen Rechteinhabers erforderlich. Erfolgt dies nicht, verletzt der Komponist möglicherweise das bestehende Urheberrecht und wird somit zum Plagiateur. Dabei muss die Melodie nicht exakt dem Original entsprechen. Dennoch ist es für die Gerichte nicht immer einfach zu entscheiden, ob ein Plagiat vorliegt.

"Zur Feststellung eines Melodieplagiats gehört mehr als die Feststellung einer hohen melodischen Ähnlichkeit", sagt der Forscher dazu. "Es muss sich um musikalisches Material handeln, welches durch das deutsche Urheberrecht geschützt ist und es muss erwiesen sein, dass der vermeintliche Plagiateur Zugang zum vorbestehenden Werk hatte, um so genannte Doppelschöpfungen auszuschließen." Denn es sei durchaus möglich, dass die Idee des angeblichen Plagiateurs eine Ähnlichkeit mit einem veröffentlichten Lied hat, ohne dass dies bewusst geschieht.

Auch bekannte Künstler "kupfern ab"

Im Musikbusiness kommt es immer wieder zu Plagiats-Vorwürfen und entsprechenden Klagen gegen einzelne Musiker. Dabei ist nicht entscheidend, ob der Musiker oder Komponist einen großen Bekanntheitsgrad erlangt hat. So durfte beispielsweise Madonna ihren Hit "Frozen" als Folge eines Gerichtsbeschlusses im November 2005 nicht mehr in belgischen Radios spielen. Hier klagte der belgische Komponist Salvatore Acquaviva wegen der Nachahmung einer seiner Songs.

Auch Gary Moore, Prince, Michael Jackson, Rihanna und viele weitere Künstler wurde bereits das unerlaubte Verwenden fremden Song-Materials vorgeworfen, die allerdings nicht immer begründet waren. Erst im Mai 2009 entdeckte Yusuf Islam Teile seines Songs "Foreigner Suite" (1973) im Titel "Viva La Vida" von Coldplay wieder. Zuvor hatte Gitarrist Joe Satriani bereits im gleichen Coldplay-Song eines seiner Werke erkannt.

Immer wieder Plagiats-Vorwürfe

Dass Vorwürfe und richterliche Beschlüsse zu Plagiaten in der Musik sehr häufig auftreten, zeigt eine Liste von Mike Wilhelm. Der Student der Universität Karlsruhe ist selbst Musiker und beschäftigt sich privat bereits lange Zeit mit den Ähnlichkeiten von Songs. Eine aktuelle Liste stellt er auf einer eigenen Webseite bereit. Den Link dazu finden Sie in den Links zum Artikel.

Forum

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 1 Beitrag

Ganz ehrlich. Mir geht dieser Plagiat, Urheberrecht, Patentkram in letzter Zeit sowas auf die Nerven, dass ich es schon gar nicht mehr hören mag. Im Musikbusiness kommt es auf ganz andere Sachen an als auf die Musik ;)

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