Metalle aus Funkchips verunreinigen wiederverwendete Rohstoffe

Umweltbundesamt: RFID-Tags gefährden Recycling

Umweltbundesamt: RFID-Tags gefährden Recycling Die wachsende Verbreitung von RFID-Funkchips könnte in einigen Jahren zu Problemen beim Recycling führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts. Die Qualität des Recyclingmaterials drohe sich zu verschlechtern. Dies sei nur zu verhindern, wenn die so genannten RFID-Tags von Glas, Kunststoff und Papier getrennt werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Metalle für 40 Millionen Euro vernichtet
  2. 2Mikrochips ohne Metall als Lösung
  3. 3RFID im Dienst der Logistik
  4. 4Standard in zahlreichen Bibliotheken

Datenschützer betrachten die Technologie mit dem Namen Radio Frequency Identificatoion (RFID) von Anfang an mit großen Bedenken. Jetzt zeigt sich, dass die Technik, die elektromagnetische Wellen zur Identifizierung von Objekten nutzt, auch der Umwelt schaden könnte. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) sind derzeit deutschlandweit 86 Millionen RFID-Tags im Einsatz. Das Umweltbundesamt erwartet einen deutlichen Anstieg der Verbreitung auf rund 23 Milliarden Funkchips im Jahr 2020.

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Bisher landen die RFID-Tags nach Angaben der Behörde überwiegend im Hausmüll. Da sich die Funketiketten beispielsweise auch auf wieder verwertbaren Verpackungen finden, dringen sie immer weiter in den Recyclingkreislauf ein. Das Problem: Die Etiketten enthalten Kupfer, Aluminium und Silber. Die Metalle, deren jährliche Menge nach Berechnungen der Verfasser der Studie von derzeit rund sieben auf 770 Tonnen steigen würde, könnten die Qualität der wiederverwendeten Rohstoffe stark beeinträchtigen. Neben Veränderungen der Farbe drohe zum Beispiel Recycling-Glas zerbrechlicher zu werden.

Metalle für 40 Millionen Euro vernichtet

Das Umweltbundesamt rechnet schon für Mitte des nächsten Jahrzehnts mit einer Menge an Fremdstoffe durch RFID-Chips, die für das Recycling kritisch ist. Neben den negativen Auswirkungen auf die Recycling-Rohstoffe fürchtet das UBA auch den Verlust von Metallen im Wert von 40 Millionen Euro. Diese Zahl hält Karsten Hintzmann vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft für sehr hoch gegriffen. Der Wirtschaftssprecher weist darauf hin, dass die Recycling-Industrie derzeit den Import von Metallen im Wert von sechs Milliarden Euro überflüssig mache.

Ansonsten stimmt Hintzmann der Einschätzung des Umweltbundesamt weitgehend zu. "Derzeit stellen RFID-Etiketten noch kein Problem dar. Sie könnten aber eins werden, wenn sich ihre Zahl deutlich erhöht", sagt Hintzmann. Er sieht vor allem Hersteller und Handel, die so genannten "Inverkehrbringer", in der Pflicht. Hintzmann fordert die Unternehmen auf, zusammen mit der Recyclingbranche praktikable und umweltfreundliche Lösungen für die Entsorgung von RFID-Chips zu entwickeln.

Mikrochips ohne Metall als Lösung

In die gleiche Richtung geht auch die Empfehlung des Umweltbundesamtes. Dessen Experten haben auch schon erste Vorschläge parat. Sie regen unter anderem die Entwicklung metallfreier Polymer-Mikrochips an und setzen sich für eine bessere Ablösbarkeit der RFID-Tags ein. Neben der Entwicklung geeigneter Klebstoffe könnte nach ihren Angaben schon die Platzierung der Etiketten - zum Beispiel auf der Banderole und nicht auf dem Glas - vorteilhaft sein.

RFID im Dienst der Logistik

Nach Angaben des Heppenheimer Sicherheitsunternehmens Checkpoint Systems setzt der Einzelhandel Radiofrequenz-Etiketten derzeit vor allem zur Diebstahlsicherung ein. Die entsprechenden Etiketten dienen dazu, bei Diebstählen ein Alarmsignal auszulösen. Der Hersteller aus der Bergstraße bietet inzwischen aber auch erste umfassende RFID-Lösungen, die zusätzlich zur Identifizierung von Waren dienen, für den Einzelhandel an.

Im größeren Rahmen findet entsprechende RFID-Technologie bereits in der Logistik Verwendung, wie Dirk Endlich, Deutschland-Chef von Checkpoint Systems berichtet. Die Textilbranche sei hier federführend und versuche mit den Funkchips vor allem, Lieferprozesse zu optimieren und den Händlern einen Überblick über den Warenfluss zu geben.

Standard in zahlreichen Bibliotheken

Noch im Versuchsstadium befinden sich RFID-Anwendungen im Verkaufsbereich, wo Unternehmen vor allem Vorteile bei der Inventur und Kundenbedienung erwarten. Im täglichen Gebrauch findet sich fortgeschrittene RFID-Technologie bereits in Bibliotheken oder in Ausweisen, die Sicherheitssysteme ohne direkten Kontakt auslesen können.

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