Spieletest: Divinity 2 - Ego Draconis
Mit Schwert und Feuer auf Beutejagd
Dass die Antworten des Spielers unterschiedlich - und oftmals humorvoll - ausfallen können, eröffnet neue Wege. Und sollte sich der Held einmal um Kopf und Kragen geredet haben und sein Gegenüber daraufhin auf stur schalten, winkt meist dennoch eine Belohnung, indem beispielsweise die Heimstatt der betreffenden Person zu einem späteren Zeitpunkt ausgehoben werden kann. Langfinger finden indes keine Herausforderung; Diebstähle bleiben in Rivellon generell ungeahndet.
Die verlässlichste Methode, Beute zu machen, bleibt jedoch genretypisch die Erkundung der mittelalterlichen Fantasywelt. Auf weitem Terrain, in verzweigten Höhlen oder schummrigen Verliesen darf sich der Spieler durch Horden von Goblins, Untoten und ähnlichem Geschmeiß kämpfen. Mit welchen Waffen und wie das geschieht, bestimmen der bevorzugte Kampfstil sowie die zuvor festgelegten Attribute und Charakterfertigkeiten.
Robuste Krieger stürzen sich mit Äxten, Schwertern und Schild oder beidhändig bewaffnet ins Getümmel, während Waldläufer gewandt Giftpfeile verschießen oder Magier ihre Intelligenz auf das Wirken von Zaubersprüchen verwenden. In der Haut des Drachen beschränkt sich die Taktik indes auf Fernkämpfe. Beistand im Bodengefecht leisten so genannte "Kreaturen", die mithilfe von Totenbeschwörern aus erbeuteten Leichenteilen zusammengeflickt werden. Nekromanten sind ebenso wie die für das Brauen von Tränken zuständigen Alchimisten Bestandteil des eigenen kleinen Hofstaates. Voraussetzung hierfür ist das Beziehen eines eigenen Domizils.

Unfreiwillige Stöberpausen
Die Bedienung gestaltet sich teilweise umständlich. Nach dem Wälzen von Büchern schließt sich mit den Buchdeckeln gleichzeitig das komplette Menü und Fundsachen wie Kräuter, Leichenteile oder Schriftrollen sorgen mangels Sortierfunktion für ein Durcheinander im Inventar. Dem Betreten und Verlassen von Gebäuden oder Höhlen geht stets eine Ladesequenz voraus, und die schwächelnde Kollisionsabfrage macht insbesondere auf engem Raum selbst kleine Gegenstände zu unnötigen Hindernissen.
Obwohl beide Spiele dieselbe 3D-Technologie nutzen, versprüht "Divinity II" weniger Grafikglamour als beispielsweise das betagte "Oblivion". Die Texturen wirken unschärfer, die Bewegungen holpriger, die Effekte weniger spektakulär. Das bedeutet aber nicht, dass in der Welt von Rivellon keine standesgemäße Stimmung aufkommen will. Für Fantasy-Atmosphäre sorgt nicht zuletzt eine ebenso professionelle wie unterhaltsame deutsche Sprachausgabe. Auch die zahlreichen Musikthemen stimmen, mal verträumt, mal kriegerisch oder bedrohlich, mit den jeweiligen Spielsituationen stets überein.
Fazit: Gelungenes Spielgeschehen mit unspektakulärer Grafik
Larian-Studioboss Sven Vincke kann Spielen, in denen immer das Gleiche getan werden muss, nach eigenem Bekunden nichts abgewinnen. Diese Haltung scheint er seinem Team hinlänglich vermittelt zu haben. Denn mit solider Technik und kreativem Spieldesign richtet sich "Divinty II: Ego Draconis" an PC- und Xbox 360-Spieler, die ein abwechslungsreiches Rollenspiel suchen und trotz kämpferischer Grundausrichtung nicht vor gelegentlichen Rätsel- und Klettereinlagen zurückschrecken.
Die Möglichkeit, die 3D-Welt auch in Drachengestalt aufmischen zu können, ist eine nette Dreingabe. Die nur bedingt zeitgemäße Optik hat zumindest den Vorteil, dass sich die Entwickler nicht hinter einer Grafikfassade verstecken können. Doch dazu würde aufgrund des überwiegend gelungenen Inhalts, der kleinere Mängel in den Hintergrund treten lässt, ohnehin kein Grund bestehen.
