Neue Ausgabe des Lerncomputers für Kinder
100-Dollar-Laptop: Letzte Chance
Um den XO-Laptop, gedacht als Lerncomputer für Kinder, war es in den letzten Monaten still geworden. Unstimmigkeiten und hohe Kosten hemmten das Projekt. Jetzt haben die Organisatoren eine neue, leistungsfähigere Version des 100-Dollar-Rechners vorgestellt.
Branchenbeobachter hatten schon über das baldige Ende des ehrgeizigen One Laptop per Child-Projekts (OLPC) spekuliert. Doch damit haben sie offenbar die Hartnäckigkeit der OLPC-Verantwortlichen unterschätzt, die jetzt nach Meldungen des OLPC Learning Club sowie des Nachrichtendienstes "Pressetext" eine neue Version des Lerncomputers vorgestellt haben.
Die neue Version 1.5 des Kinder-Laptops soll vor allem bei der Leistung deutlich zugelegt haben: Das Gerät arbeitet jetzt mit dem VIA-Prozessor C7-M, der eine Taktrate von maximal ein Gigahertz bietet. Der Laptop ist besonders robust gebaut, das Kunststoffgehäuse ist statt der üblichen 1,3 Millimeter zwei Millimeter dick. Drei USB-Anschlüsse, ein SD-Karten-Slot und eine Videokamera sind ebenfalls an Bord.

100-Dollar-Laptop: Bis jetzt wurden nach Angaben des OLPC weltweit ungefähr eine Million der Lerncomputer ausgeliefert. (Bild: OLPC)
Bereits im November 2005 stellten die Organisatoren des Projekts die ersten Prototypen vor. Seitdem ist das Projekt aber nicht so recht vom Fleck gekommen. Die Produktion war zu teuer. Zudem gab es Unstimmigkeiten über die Strategie, als die Initiatoren statt eines Linux-Betriebssystems Microsoft Windows eingesetzt hatten. Der Schritt wurde inzwischen wieder zu Gunsten von Linux zurückgenommen. Daneben macht sich Konkurrenz für das Projekt breit - etwa durch Intels Classmate PC .
Eine Million XO-Laptops
Doch das von MIT-Guru Nicholas Negroponte ins Leben gerufene Projekt kann auch auf erste Erfolge zurück blicken. Bis jetzt wurden nach Angaben des OLPC weltweit ungefähr eine Million der Lerncomputer ausgeliefert. Im Juni 2009 hatte OLPC außerdem angekündigt, gemeinsam mit der Regierung von Ruanda in Kigali ein Lernzentrum zu eröffnen, in dem die Schüler mit XO-Laptops arbeiten. Insgesamt 30 Schülergruppen werden mit jeweils 100 XO-Geräten ausgestattet. Bis zum Jahr 2012 will die Regierung von Ruanda 2,2 Millionen Lerncomputer an den Grundschulen verteilen.
Der neben der Hardware wichtigste Bestandteil der Geräte ist die Software-Plattform "Sugar", die aus einfachen Programmen und Lernsoftware für Kinder besteht. Die Software ist nach Aussagen ihres Herstellers Sugarlabs derzeit auf etwa einer Million Laptops in mehr als 40 Ländern installiert.
Lernpaket statt Computer-Hardware
Sollten die XO-Mobilrechner langfristig keinen Erfolg haben oder die Produktion zu kostspielig sein, wäre daher auch eine Abkehr des OLPC von dem Hardware-Konzept vorstellbar. Die Organisatoren haben mehrfach betont, dass es ihnen nicht darum gehe, Laptops zu verteilen, sondern Bildungsinhalte und Lerntechniken im Digitalzeitalter zu vermitteln.
Und dafür ist die Open-Source-Software Sugar ein geeignetes Werkzeug. Diese könnte auch auf handelsüblichen Netbooks oder Notebooks laufen. Angesichts des drastischen Preisverfalls bei Mobilrechnern könnte dies in Zukunft die einzige Chance sein, das ambitionierte Projekt am Leben zu erhalten.

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