Afrikanischer Botenvogel revolutioniert Datenübertragung

Verkehrte Netzwelt: Breitband-Taube Winston

Ein Mitarbeiter einer südafrikanischen IT-Firma ärgerte sich so sehr über die langsame Datenübertragung der "Telekom South Africa"-ADSL-Leitung, dass er zu ungewöhnlichen Mitteln griff: Brieftaube "Winston" bekam einen Vier-Gigabyte-USB-Stick an den Fuß geschnallt und wurde zum 100 Kilometer entfernten Ziel geschickt. Die Datenübertragung per Breitband-Taube war trotz schwieriger Witterungsbedingungen schneller als die ADSL-Leitung.

Verkehrte Netzwelt: Breitband-Taube Winston
Winston bei seinen Arbeitsvorbereitungen (Quelle: Facebook-Gruppe von Winston)

Winston hat jetzt eine Festanstellung bei der besagte IT-Firma und genießt seinen Ruhm: Über 4.000 Tauben-Fans huldigen Winston in einer Facebook-Gruppe. Einige verlangen sogar, dass Winston anfangen soll zu twittern. Dabei weiß jedes Kind, dass nur Kanarienvögel zwitschern und Tauben bekanntermaßen gurren.

Werbung

Winston könnte allerdings viel mehr Daten transportieren. Denn schon Anfang des 20. Jahrhunderts kam der Apotheker Julius Neubronner auf die Idee, Brieftauben Fotoapparate für Luftaufnahmen umzuhängen. Die Geräte wogen 75 Gramm, der Versuch beweist: Winston hätte auch eine - deutlich leichtere - SSD-Festplatte auf der Brust mitnehmen können. Damit wäre der Transport von 512 Gigabyte per Tauben-Express kein Problem. Auf diese Art könnte sich Winston vielleicht auch mit einer schnellen VDSL-Leitung der Deutschen Telekom anlegen.

Prinzipiell ebnet die Super-Taube Winston die Bahn für neue Geschäftsmodelle. Der Daten-Transfer via fest angestellter Taube böte Unternehmen bessere Sicherheitsstandards: Der Daten-Diebstahl unter Tauben hält sich noch in Grenzen, was die Gefahr von Datenverlust durch "unachtsame" Mitarbeiter enorm mindert. Die englische Regierung könnte nach den vielen Datenpannen im letzten Jahr einer der ersten Arbeitgeber für Winstons Kollegen werden. Zudem wäre die luftige Versandmethode vorerst sicher vor Hackern, da sie zwar durch die Luft, aber ohne Funkwellen erfolgt. Und fliegende Hacker sind der Verkehrten Netzwelt noch nicht bekannt.

Aber auch für Privatanwender könnte eine Daten-Taube von Interesse sein. In ländlichen Gebieten, in denen der Ausbau von DSL-Leitungen nicht weit fortgeschritten ist, führt bald kein Weg mehr an der Brieftaube vorbei. Der Griff zu Breitband-Tauben lohnt sich vermutlich bereits für E-Mails mit Anhängen ab zehn Megabyte Größe. Der werbetaugliche Slogan für die Tauben-Mail lautet dann nach Vorschlag der Verkehrten Netzwelt "T-Mail statt E-Mail!"

Doch jede neue Technologie hat auch ihre Schattenseiten: Illegales File-Sharing würde eine vollkommen neue Dimension erreichen. Einerseits wäre die Taube um Welten schneller als der Download per Peer-to-peer-Netzwerk, und andererseits müssten Filesharer keine Ängste mehr vor Anwaltsschreiben oder dem Stilllegen ihrer Internetanschlüsse ausstehen. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Musik- und Filmindustrie alles Erdenkliche tun wird, um diese Zustände zu stoppen. Die Verkehrte Netzwelt wünscht Winston und Kollegen, dass es noch eine Weile dauert, bis der erste IT-Mitarbeiter einen Breitband-Falken auf den Weg schickt.

Beiträgeinsgesamt 3 Beiträge

Nicht jeder Vogel kommt dafür in Frage, nur gezüchtete Brieftauben. Diese fliegen, sobald frei gelassen, instinktiv an den Ort ihrer Geburt zurück. Brieftauben fliegen also nicht selbstständig von Ort zu Ort,...

Das erinnert mich doch stark an den RFC 1149 - Standard for the Transmission of IP Datagrams on Avian Carriers...

Vorsicht: Beim gebären der Geschäftsidee mit T-Mail wird ein bekannter deutscher Konzern Rechtsansprüche erheben wollen! :D Ich empfehle Kondore, Turmfalken und interkontinental auch Seemöwen....

Kommentieren