Sie sind hier:
 

Netzwelt-Wissen: Audioformate
Das steckt hinter MP3, AAC, WMA, FLAC und Co.

von Axel Hahne Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Ohne Audiokompression würde der heutige Medienkonsum nicht funktionieren. Neben dem bekannten MP3 gibt eine Unmenge weiterer Audioformate, die verschiedensten Anwendungszwecken dienen. Was sich hinter Abkürzungen wie "AAC", "WMA" oder "FLAC" verbirgt, erklärt diese Übersicht über die wichtigsten Audioformate.

Neben dem bekannten MP3-Standard gibt es zahlreiche Audioformate, ohne die die heutige Medienlandschaft nicht denkbar wäre. Wer Musik aus dem Internet herunter lädt, Klingeltöne installiert oder eine DVD abspielt, kommt mit AAC-, WMA- oder FLAC-Dateien in Berührung - vielfach ohne es zu merken. Viele der Audioformate sparen im Vergleich zur Audio-CD jede Menge Speicherplatz.

Inhalt

Wave und AIFF: Unkomprimierte Audiodateien

Digitalisierte Tonaufnahmen müssen nicht zwingend in komprimierter Form vorliegen. Zur Aufnahme und Bearbeitung werden normalerweise unkomprimierte Dateien genutzt, um die Tonqualität der Stücke zu erhalten. Die üblichen Formate dafür sind WAVE und AIFF.

WAVE ist ein Format, das Microsoft und IBM entwickelt haben, um Audio-Rohdaten zu speichern. Microsoft hat das Format mit der Dateiendung ".wav" als Standard für unkomprimierten Ton unter Windows definiert. Microsoft bezeichnet das WAVE-Format auch als "Audio für Windows".

Das Gegenstück aus dem Hause Apple ist das Audio Interchange File Format (AIFF). Zum Einsatz kommt es besonders in quicktime-basierten Anwendungen auf Macintosh- und Windows-Rechnern. AIFF ist mit dem Audioformat CDDA der normalen Musik-CDs fast identisch.

MP3: Durchbruch für die komprimierte Musik

Egal ob iPod, Walkman-Handy oder Xbox: Das MP3-Format spielen fast alle modernen Hardware- und Software-Player ab. Es ist heute das beliebteste Audioformat. Auch viele Downloadshops verkaufen MP3-Dateien. Eine prominente Ausnahme ist der iTunes Store von Apple, der nur AAC-Dateien anbietet.

Die Abkürzung MP3 steht für MPEG-1 Audio Layer 3. Die zugehörigen Dateien haben üblicherweise die Endung ".mp3". Den Standard entwickelte ab 1982 eine Arbeitsgruppe um Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut. Ursprünglich als Nachfolger des im digitalen Rundfunks verbreiteten MP2-Standards entwickelt, wurde MP3 zehn Jahre später in den MPEG-1-Standard aufgenommen. Das Format komprimiert Musik mit nur geringen Qualitätsverlusten auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Größe. Das führte zusammen mit dem Breitbandausbau zu einem Boom des Musiktauschens im Internet.

Das MP3-Kompressionsverfahren speichert nur die Audiosignale, die für den Menschen hörbar sind. Alles andere wird entfernt - das spart Speicherplatz, ohne die Klangqualität zu sehr zu beeinträchtigen. Im Verlaufe der Jahre wurden die Encoder, welche die Kompression durchführen, immer leistungsfähiger. Ab einer Datenrate von rund 200 Kilobit pro Sekunde, was etwa einem Siebtel der ursprünglichen Datenmenge entspricht, geht man davon aus, dass die komprimierte Version für den Menschen vom Original nicht zu unterscheiden ist.

AAC: MP3-Nachfolger und Apple-Favorit

Die Nachfolge des beliebten MP3-Formats sollte "Advanced Audio Coding" (AAC) antreten. Das Format wurde unter anderem vom Fraunhofer Institut, Dolby und Sony entwickelt. Er ist sowohl Teil des MPEG-2- als auch des MPEG-4-Standards. Ursprünlich trugen die entsprechenden Audiodateien die Endung ".aac", heutzutage erscheinen AAC-Dateien meist mit den Dateiendungen ".mp4" oder ".m4a".

Das Format bietet gegenüber MP3 eine erhöhte Kompressionsqualität und -geschwindigkeit sowie Mehrkanalfähigkeit. Außerdem können AAC-Musikdateien unter anderem durch digitales Rechtemanagement (DRM) geschützt werden. Trotz all dieser Verbesserungen konnten der AAC-Standard der Verbreitung von MP3 wenig anhaben.

Verbreitung erlangte AAC vor allem durch den iPod-Hersteller Apple, der AAC zum Format seiner Wahl gemacht hat. Musik im populären iTunes-Store ist ausschließlich in diesem Format erhältlich, früher noch durch das DRM-System "FairPlay" beschränkt, heute dagegen ungeschützt. Auch die meisten modernen Mobiltelefone unterstützen AAC.

AAC-Varianten: HE-AAC, LD-AAC und HD-AAC

Zu den Weiterentwicklungen von AAC zählt MPEG-4 High Efficiency Advanced Audio Coding (HE-AAC), auch "aacPlus" genannt. Der Codec ist für sehr niedrige Datenraten optimiert und bietet bei Bitraten unter 100 Kilobit pro Sekunde einen deutlich besseren Klang als das herkömmliche AAC (LC-AAC) oder MP3-Format. Um den Codec zu nutzen, sind aber spezielle Programme nötig, die nicht sehr verbreitet sind. Beliebt ist HE-AAC im Mobilfunk und bei Internet-Radios.Auch Klingeltöne werden häufig in diesem Format angeboten. Zu den weiteren Varianten von AAC zählen der MPEG-4 Low Delay Audio Codec (LD-AAC) für Sprachübertragungen und das Format MPEG-4 Scalable to Lossless (MPEG-4 SLS) alias HD-AAC für verlustlose Kompression. Diese Weiterentwicklungen sind bisher jedoch nur wenig verbreitet.

WMA: Windows-Format von Microsoft

Windows-Anwender stoßen häufig auf Microsofts Eigenentwicklung Windows Media Audio (WMA), meist mit der Dateiendung ".wma". Das Format bietet ähnliche Funktionen wie AAC und ebenfalls die Möglichkeit, Inhalte durch ein DRM-System zu schützen. Das hat WMA zu einem verbreiteten Format in Download-Shops gemacht, das auch viele Abspielgeräte unterstützen. Da die meisten Anbieter derzeit auf ungeschützte MP3-Dateien setzen, nimmt die Verbreitung von WMA jedoch wieder ab.

Ogg Vorbis: Der freie Alternativ-Codec

Einen Nischenmarkt bedient das freie Ogg-Vorbis-Format. Das Open-Source-Format stammt von der Xiph.Org Foundation und kann kostenlos verwendet werden. Das hat Ogg Vorbis besonders in der Internet-Gemeinde beliebt gemacht. Das Format bietet eine höhere Effizienz und mehr Funktionen als MP3.

Inzwischen unterstützen auch die Webbrowser Mozilla Firefox und Google Chrome Ogg Vorbis. Unter Abspielgeräten ist die Unterstützung jedoch vergleichsweise gering. Von den gleichen Entwicklern wie Ogg Vorbis stammen auch der Kompressionscodec FLAC und der Sprachcodec Speex. Die entsprechenden Audiodateien sind an der Endung ".ogg" zu erkennen.

FLAC, WMA Lossless und Apple Lossless: Verlustfreie Kompression

Komprimierte Dateien in Formaten wie MP3, AAC oder WMA können nicht wieder in ihren Originalzustand zurückversetzt werden. Eine Bearbeitung oder Umwandlung verringert jedes Mal die Klangqualität. Abhilfe schaffen verlustfreie - auf Englisch "lossless" - Kompressionsverfahren. Diese Formate können untereinander umgewandelt werden, ohne dass die Tonqualität leidet. Sie eignen sich besonders zur Archivierung, ein Nachteil ist jedoch der große Speicherverbrauch. Üblicherweise erreichen die Dateien eine Größe von etwa der Hälfte des Ausgangsmaterials.

Beliebt ist der "Free Lossless Audio Codec" (FLAC) der Xiph.Org Foundation. Aufmerksamkeit erlangte das Format im Jahr 2004, als die Metal-Band "Metallica" ankündigte, Konzertmitschnitte auch als FLAC-Dateien zum Herunterladen anzubieten. Obwohl eine Reihe von Programmen FLAC-Tracks wiedergibt, ist die Verbreitung auf Abspielgeräten eher gering.

Microsofts Lossless-Technik heißt WMA Lossless. Das Format bietet die gleichen Funktionen wie WMA, komprimiert jedoch verlustfrei. Auch der Mac-Hersteller hat mit Apple Lossless einen eigenen, nicht offengelegten Codec im Angebot. Das Format ist entgegen weit verbreiteter Meinung nicht mit AAC beziehungsweise AAC Lossless verwandt. Audiodateien in Apple Lossless lassen sich nur von Apple-Produkten und quicktime-basierter Software abspielen.

Kommentare zu diesem Artikel

Ohne Audiokompression würde der heutige Medienkonsum nicht funktionieren. Neben dem bekannten MP3 gibt eine Unmenge weiterer Audioformate, die verschiedensten Anwendungszwecken dienen. Was sich hinter Abkürzungen wie "AAC", "WMA" oder "FLAC" verbirgt, erklärt diese Übersicht über die wichtigsten Audioformate.

Deine Meinung ist gefragt. Diskutiere im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt diskutieren!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

Ashampoo-Download-Logo
article
23792
Netzwelt-Wissen: Audioformate
Netzwelt-Wissen: Audioformate
Neben dem bekannten MP3-Standard gibt es zahlreiche Audio-Formate, ohne die die heutige Medienlandschaft nicht denkbar wäre. Viele dieser Audio-Formate - etwa AAC, WMA oder FLAC - sparen im Vergleich zur Audio-CD jede Menge Speicherplatz.
http://www.netzwelt.de/news/80529-netzwelt-wissen-audioformate.html
2009-08-20 20:05:00
News
Netzwelt-Wissen: Audioformate