Programm zeigt Namen und Adressen von Sexualstraftätern

USA: Sexualstraftäter-Ortung per iPhone

Die iPhone-Software "Offender Locator" gestattet Anwendern des Apple-Smartphones in den USA, ihre Nachbarschaft nach verurteilten Sexualstraftätern zu durchsuchen. Das Programm stammt vom Entwickler ThinAir Wireless und gleicht die in Nordamerika öffentlich verfügbare Sexualstraftäterdatenbank mit dem Standort des iPhone-Anwenders ab. Die Software soll angeblich zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beitragen.

Screenshot der Applikation
Die roten Markierungen sind Wohnorte von Sexualstraftätern (Foto: iTunes Store)

Die rechtliche Grundlage für die Verwendung der brisanten Daten bietet das Gesetz "Adam Walsh Child Protection and Safety Act of 2006". Der Name leitet sich von einem Aufsehen erregenden Kriminafall ab: Im Jahre 1981 wurde Adam Walsh im Alter von sechs Jahren entführt und ermordet. Das Gesetz verpflichtet alle Sexualstraftäter dazu, DNS-Proben abzugeben. Außerdem gestattet die Rechtsregel die Veröffentlichung der Namen und Meldedaten der Betroffenen.

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Sexualstraftäter auf dem Präsentierteller

Die genaue Art der Straftat wird in der Datenbank allerdings nicht geführt. Die Kritik an dem Gesetz war von Anfang an groß, zählen doch in Nordamerika bereits Vergehen wie öffentliche Entblößung zu den Sexualdelikten. Dementsprechend führt die Datenbank Exhibitionisten Seite an Seite mit beispielsweise Vergewaltigern auf, ohne dass dies für den Betrachter zu erkennen ist. Das Gleiche gilt auch für den Offender Locator, der mit roten Markierungen auf einer Umgebungskarte anzeigt, wo in der Nähe des Anwenders vorbestrafte Sexualstraftäter wohnen - und wie diese heißen.

Vor drei Jahren ereignete sich im nordamerikanischen Bundesstaat Maine ein erster Fall von Lynchjustiz im Zusammenhang mit der Sexualstraftäterdatenbank. Zwei Männer, deren Name sich in der Täterliste befanden, fielen einem selbsternannten Rächer zum Opfer. Der Täter nutzte die Datenbank, um seine Opfer aufzuspüren.

Verstoß gegen kalifornisches Recht

Anfangs gab es Vorbehalte gegen den Verkauf der Offender Locator-Software seitens Apple, die Anwendung wurde zeitweise aus dem App Store entfernt. Die Begründung hatte allerdings wenig mit den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen zu tun: Da die Software Geld kostet, verstößt die Anwendung gegen kalifornisches Recht, das den Verkauf von persönlichen Daten verbietet.

Aus der ab dem heutigen Dienstag für 99 Cent erhältlichen Version wurden die Datensätze aus Kalifornien entfernt. Diese stehen nach Entwicklerangaben allerdings in einer kostenlosen "Lite Version" der Offender Locator-Anwendung zur Verfügung. Nutzer der Applikation haben im iTunes Store negative Bemerkungen hinterlassen, dass die Software nicht zuverlässig die komplette Datenbank abgleiche. So sollen in manchen Städten angeblich nur zwei von 23 Einträgen verfügbar sein.

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