Ausweitung des Projekts auf 20.000 Haushalte geplant
England: Kameraüberwachung von "Problemfamilien" (Update)
Überwachung in den eigenen vier Wänden ist in England schon Realität: Knapp 2.000 der "schlimmsten Familien" Englands werden zu Hause mit Kameras überwacht. Das berichtet die britische Zeitung "Daily Express" aus London. Die Überwachung soll sicherstellen, dass Kinder regelmäßig zur Schule gehen, pünktlich im Bett liegen und täglich ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Das Familienministerium widerspricht der Darstellung.
Das Update vom 12. August finden Sie am Ende des Beitrags.
Zusätzlich überprüfen private Sicherheitsunternehmen vor Ort die Situation, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Eltern mit Alkohol- und Drogensucht soll so direkt vor Ort geholfen werden. Treibende Kraft hinter diesem so genannten "Familieninterventionsprogramm" ist der britische Familienminister Ed Balls. Umgangssprachlich wird das Programm in England "Sin Bin" genannt - ein Begriff, der ursprünglich aus der Sportberichterstattung stammt und soviel wie "Strafbank" bedeutet.
Balls kündigt nun an, 400 Millionen Pfund in die Erweiterung der bestehenden Überwachungssysteme investieren zu wollen. Nach Angaben des Londoner "Express" möchte der Familienminister in den nächsten zwei Jahren 20.000 weitere "Problemfamilien" in das Programm aufnehmen. Ziel der Maßnahme sei es, Kinder und Jugendliche vor Kriminalität und Gewalt zu schützen, die durch chaotische Familienverhältnisse entstehe.
Nur Sozialwohnungen betroffen
Die Überwachung betrifft nicht alle Schichten der englischen Bevölkerung: Bislang werden die Kameras nur in staatlich subventionierten Sozialwohnungen angebracht. Die Ordnungshüter begründen diese Maßnahme damit, dass es sich bei Sozialwohnungen nicht um Privatbesitz, sondern um öffentliches Gut handele. Reguläre Immobilien sind derzeit also sicher vor dem prüfenden Blick des Familienministeriums.
England - und besonders die Landeshauptstadt London - ist bekannt für die großflächige Kameraüberwachung im öffentlichen Bereich. Die unter der Bezeichnung "Closed Circuit Television" (CCTV) bekannten Videoüberwachungsanlagen sind in ganz Großbritannien auf öffentlichen Plätzen stationiert. Die Jugendgewalt Großbritanniens nimmt in den letzten Jahren immer schlimmere Ausmaße an und sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Das "Sin Bin"-Projekt trifft in England auf starke Kritik.
Gegner der Maßnahme beklagen, dass das "Familieninterventionsprogramm" erst an einem Punkt ansetzt, an dem es für Interventionen zu spät sei. Das ist auch der Standpunkt des konservativen Politikers Chris Grayling, der in diesem Zusammenhang ebenfalls darauf hinweist, dass die Poilitik der letzten Jahre die Familienprobleme auf der Insel lediglich verschlimmert habe.
Update vom 12. August: Familienministerium widerspricht Zeitungsbericht
Nach Angaben des "Bildblog" ist der für diesen Beitrag als Quelle genutzten "Daily Express" ein Fehler unterlaufen. Nach Aussage des Blog gibt das britische Familienminsterium an, dass Familien zwar persönlich betreut, nicht jedoch per Kamera überwacht würden. Die Internetseite des "Department for Children, Schools and Families" bestätigt, dass private CCTV-Überwachung weder durchgeführt werde noch geplant sei - und netzwelt entschuldigt sich für die Übernahme der falschen Information.

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 9 Beiträge
Was regt ihr euch denn so auf ? Das kann doch auch für die Familien sehr hilfreich sein. Nämlich dann , wenn man die Familien auch mit Rat und Tat zur Seite steht. Es sind ja wohl Härtefälle die alleine nicht...
Die MeinungsBILDhauer sind ja sooo glaubwürdig! Und dieser englische Minister ja auch. :hmmm: Irgendwer lügt jedenfalls: Entweder der Daily Express, oder dieser Erziehungsminister und BILD. Was soll...
Zur Aufklärung dieses Schwachsinns "bildblog"lesen!
Kompletter Blödsinn, das Ganze. Wenigstens haben die Engländer noch die Möglichkeit, durch Nichtwahl der herrschenden Clique sich für den Überwachungswahn zu revanchieren. Wie...
Zitat: Mal ganz ehrlich: Eigentlich geht das zu weit, aber um das Problem in den Griff zu kriegen muss man eben zu besonderen Massnahmen greifen. Das wäre bei uns auch angebracht..... ...