Hardwarebeschleunigte Browsergrafik ohne Plug-in
WebGL: Neuer Standard für 3D-Grafik im Internet
Das Industriekonsortium Khronos Group entwickelt mit WebGL einen Standard für hardwarebeschleunigte 3D-Grafik im Internet. Die neue Schnittstelle soll Web-Browsern gestatten, komplexe, dreidimensionale Grafiken darzustellen - etwa für Spiele. Der größte Vorteil von WebGL liegt darin, dass der Browser-Benutzer keine zusätzlichen Plug-ins benötigt. Auf der Computergrafik-Konferenz SIGGRAPH 2009 in New Orleans hat die Vereinigung jetzt erste Details zu der neuen 3D-Schnittstelle veröffentlicht.

Die WebGL-Spezifikation sieht vor, dass über eine JavaScript-Einbindung Befehle in OpenGL ES 2.0 ausgeführt werden. 3D-Anwendungen sollen so auf jedem System funktionieren - solange Grafikkarte und Betriebssystem den OpenGL-Standard unterstützen. Mittels WebGL könnte sich auch die Grafik von Browserspielen den aufwändigen Animationen heutiger Computerspiele annähern. Im Gegensatz zu herkömmlichen PC-Spielen funktionieren webbasierte Spiele auf den meisten Computersystemen ungeachtet des Betriebssystems.
WebGL bedient sich unter anderem Techniken der neuen Auszeichnungssprache HTML 5. Dabei dienen unter anderem die ursprünglich von Apple entwickelten Canvas-Elemente als virtuelle Zeichenflächen, in denen zwei- oder dreidimensionale Grafiken und Animationen dargestellt werden können. Microsofts Internet Explorer unterstützt diese Techniken als einziger der gängigen Browser nicht.
Breite Unterstützung durch Branchengrößen
Die Khronos Group und Mozilla, Entwickler des Browsers Firefox, hatten auf der Game Developers Conference im März angekündigt, mit WebGL einen 3D-Standard auf Basis der plattformunabhängigen Grafikschnittstelle OpenGL für Browser zu entwickeln. Die Veröffentlichung des fertiggestellten Standards ist für die erste Jahreshälfte 2010 geplant. WebGL soll dann lizenzfrei genutzt werden können.
"Das Web hat bereits eine Reihe überwältigender 2D-Grafikanwendungen gesehen. Wir denken, dass 3D der nächste Schritt für Firefox ist, sagte Arun Ranganathan, Mozilla-Vertreter in der WebGL-Arbeitsgruppe. "Wir freuen uns, eine neue Klasse von 3D-Webapplikationen innerhalb von Canvas zu sehen."
OpenGL wird wie eine Reihe anderer Schnittstellen-Standards ebenfalls von Khronos entwickelt. Zu dem im Jahr 2000 gegründeten Konsortium gehören knapp einhundert Unternehmen, darunter AMD, Intel, Nvidia, SGI, Google, Opera und Sun Microsystems. Obwohl auch Apple zu dem Zusammenschluss gehört, beteiligt sich der Safari-Hersteller bisher nicht an der WebGL-Arbeitsgruppe. Gewöhnlich steht Apple der Khronos Group jedoch aufgeschlossen gegenüber. Microsoft ist nicht Mitglied und hat eine Unterstützung bisher auch nicht angedeutet.
Links zum Thema
- Khronos Group
- ACM SIGGRAPH
- Webstandards: Was in einem Web ohne Flash möglich ist
- HTML 5: Keine Einigung auf einheitliche Medienstandards
- Pressemitteilung der Khronos Group
