Kriegsmetaphern sind die Folgen eines Krieges, der niemals stattgefunden hat
Verkehrte Netzwelt: IT-Krieg statt Frieden
Stell dir vor es ist Browser-Krieg und niemand geht hin: Wahrscheinlich deshalb, weil Leser schon völlig abgestumpft gegenüber Kriegs-Metaphern im IT-Journalismus sind, sie quasi in ihren zivilen Alltag übernommen haben. Die Verkehrte Netzwelt fragt: Muss das eigentlich sein?
Inhaltsverzeichnis
- 1Wenn Schnäppchen-Jäger in Rabattschlachten ziehen
- 2Das letzte Gefecht der Zombie-Armee
- 3Für den Alltag rüsten, an der Wirtschaftskriegsschule
"Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", sagte Carl von Clausewitz, preußischer General und Militärtheoretiker. Er verstarb 1831. Heute müsste sein berühmt gewordenes Zitat wohl eher lauten: "Kriegsmetaphern sind die Folgen eines künstlich konstruierten Krieges, der eigentlich niemals stattgefunden hat." Denn seltsamerweise wimmelt es nicht nur im Sport- sondern auch im Wirtschafts- und Technikjournalismus nur so vor Militär-Begriffen.
Wenn Schnäppchen-Jäger in Rabattschlachten ziehen
Da ziehen Schnäppchenjäger freiwillig in Rabattschlachten, Hacker bereiten IT-Administratoren Kopfschmerzen durch DDOS-Attacken, Microsoft-Chef Steve Ballmer bläst zum Angriff auf Yahoo - eigentlich kann der Suchmaschinenbetreiber da gleich die Flinte ins Korn werfen. Wenn im norwegischen Oslo friedliebende Entwickler eine neue Version des Browsers Opera veröffentlichen, läuten IT-Journalisten auf der ganzen Welt prompt die nächste Runde des Browser-Kriegs ein.
Cyber-Terroristen legen Google-Bomben, um unliebsame amerikanische Präsidenten zu diffamieren. Das Apple iPhone eroberte die Herzen seiner Besitzer im Sturm, schlägt ein wie eine Bombe - gegen den Ansturm am ersten Verkaufstag waren selbst die größeren Filialen nicht gerüstet. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Das letzte Gefecht der Zombie-Armee
Im Alltag fällt diese Sprache den wenigsten Menschen noch auf. Viele Leser registrieren die teils bedrohlich wirkenden Überschriften und Textbausteine überhaupt nicht mehr. Oder denken Sie gleich an den Weltuntergang durch eine Horde organisierter Untote, wenn ein großes deutsches Nachrichtenmagazindas letzte Gefecht der Zombie-Armee ausruft?.
Wenn Unternehmen sich in militärisch geprägter Art und Weise präsentieren - und entsprechende Pressemitteilungen herausgeben die Journalisten wiederum als Quelle dienen - mag das verständlich sein. "Die Eroberung von Marktanteilen ist an die Stelle der Unterwerfung von Nationen und Bevölkerungsgruppen getreten", heißt es beispielsweise im Buch Interrelationales Konfliktmanagement.
Für den Alltag rüsten, an der Wirtschaftskriegsschule
Denn im Kopf von Managern, Vorstandsvorsitzenden und leitenden Angestellten mag ja tatsächlich Krieg herrschen, jeden Tag aufs Neue. Schließlich müssen sie sich und ihr Unternehmen gegenüber der Konkurrenz verteidigen und Marktanteile erobern. Machen sie ihren Job schlecht, droht die Niederlag in Form des Verlustes des Arbeitsplatzes.
Aus diesem Grund werden in Paris, an der Ecole de Guerre Economique - was übersetzt so viel wie "Wirtschaftskriegs-Schule" bedeutet - Top-Manager für den täglichen "Kampf im Unternehmen" ausgebildet. Die Schule steht unter der Leitung eines ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters und unter den Fittichen des französischen Verteidigunsministeriums.
Wenn Journalisten nun solchen bis an die Zähne mit Worten bewaffneten Managern begegnen - und das tun sie in der Tat jeden Tag, wenn auch oft gefiltert über mehrere Kanäle - dann fällt es sicherlich schwer, von dieser Militärsprache Abstand zu halten. Andererseits ist die Übernahme solcher Floskeln in die tägliche Arbeit genauso sinnvoll, wie der Gebrauch von Gefängnisjargon am heimischen Esstisch.

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Die "Militärbegriffe", die Sie hier verwenden, sind keine "militärischen Begriffe", sondern schlicht und einfach Redewendungen, wie sie in der deutschen Sprache seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten,...
Zitat: Wieso denn eigentlich nicht? Viele Grüße Weil eh alles immer so ernst ist :cool: Quatsch beiseite: Ich glaube einfach, daß es mehr Leuten wie mir...
Zitat: Ach, eigentlich wollte ich nichts ernstes zur "Verkehrten Netzwelt" schreiben und jetzt hab ich es doch getan :( cu Grunzer Wieso denn eigentlich nicht? ...
Zitat: Mit ein bißchen "googlen" findet man z.B. leicht heraus, daß das Wort "Waffen" den Wortursprung für das im Bereich der Ritter und des Adels noch heute gebräuchlichen "Wappens" bildete....
Das ist genau das, an dem ich seit Jahren "leide": Raubkopierer, Raser, ... Wenn ein Thema niemanden interessiert muß man nur starke Worte finden um es doch auf den Tisch (auf welchen auch...