Multimedia-Nutzung belastet Handy-Netze
Mobilfunk: Wenn die Datenflut kommt
Internetfähige Handys und Smartphones verursachen gigantische Datenströme in den Mobilfunknetzen. In Japan sprengen gewichtige Multimedia-Downloads die Belastbarkeit der Infrastruktur. Auch in Deutschland lauern Engpässe.
Inhaltsverzeichnis
- 1Echte Flatrates in Japan
- 2Datendrossel diszipliniert Handy-Nutzer
- 3Deutliche Unterschiede im Surfverhalten
- 4Engpässe auch in Deutschland denkbar
Das mobile Internet wird flügge - nicht zuletzt dank der rasanten Verbreitung der Endgeräte sinkt die Einstiegshürde in die mobile Internetwelt. Ein Tastendruck auf den angesagten Smartphones genügt schon öffnet sich der Vorhang zum breitbandigen Internet per Mobilfunk. Dank Flatrate laden Nutzer weltweit Multimedia-Dateien in Sekundenschnelle über das UMTS-Netz herunter.
Zeitgleich treiben breitbandhungrige Downloads die Netze in einigen Ländern an die Grenze der Belastbarkeit. In Japan zogen Mobilfunk-Provider wie NTT DoCoMo Inc. und KDDI Corp. schon die Notbremse: Weil Nutzer die UMTS-Netze mit dem Herunterladen von Porno-Filmen fluteten, begrenzten die Konzerne den regen Datenverkehr - allerdings nur für Vielnutzer.
Echte Flatrates in Japan
Der Grund für den Datenrausch dürfte nicht nur in der Vielzahl der japanischen Firmen zu suchen sein, die Porno-Inhalte produzieren und gegen Gebühr zum Herunterladen anbieten. Denn Provider wie NTT DoCoMo und KDDI Corp. bieten ihre Mobilfunkdienste auch per Flatrate an und geben den Nutzern damit die Möglichkeit an die Hand, uneingeschränkt Multimedia-Dateien auf ihre Handys zu laden.
Das die Bedeutung des mobilen Internets auch hierzulande zunimmt, zeigen Statistiken der Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde schätzt in ihrem Jahresbericht von 2008, dass sich das Transfervolumen per GPRS und UMTS im letzten Jahr gegenüber 2007 auf 7,9 Millionen Gigabyte verdoppelt hat. Die Zahl der regelmäßigen UMTS-Nutzer ist dem Bericht zufolge im Zeitraum von 2005 bis 2008 fast um das Fünffache auf inzwischen 11,5 Millionen Anwender gestiegen.
Datendrossel diszipliniert Handy-Nutzer
Dem Treiben datenhungriger Nutzer haben die Provider in Deutschland allerdings von Anfang an einen Riegel vorgeschoben: Die Anbieter begrenzen die verfügbare Geschwindigkeit im mobilen Internet je nach gebuchten Tarif. Ab einem bestimmten Transfervolumen steht bei T-Mobile, Vodafone, O2 oder E-Plus auch über das Funknetz meist nur noch ISDN-Tempo zur Verfügung.
"Fair Use Policy", übersetzt etwa "gerechte Benutzungsrichtlinie", nennt sich dieses Vorgehen der Mobilfunkanbieter. Mit den Klauseln in den Geschäftsbedingungen schränken die deutschen Provider die Nutzung ihrer Dienste ein und disziplinieren ihre Kunden. Begründet wird diese Datenpolitik meist mit dem Hinweis, dass eine übermäßige Nutzung der Infrastruktur die zur Verfügung stehenden Ressourcen für andere senkt. "Eine Flatrate ist für Privatkunden und nicht für kommerzielle Zwecke, die Bandbreite ausnutzen würden", sagt etwa T-Mobile-Sprecher Alexander von Schmettow.
Deutliche Unterschiede im Surfverhalten
Die Situation in Japan ist allerdings noch aus anderen Gründen nicht auf Deutschland übertragbar: "Das Telefon ist für die Japaner der erste Weg ins Internet, insbesondere in Ballungszentren", sagt Reimar Müller, Berater bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt. Hierzulande werde abends meist der PC eingeschaltet, um per DSL im Netz zu surfen. In Japan hingegen wechsele der Anwender lediglich vom geschäftlichen auf das private Handy, um im Netz surfen, erläutert Müller.

Ein verlockendes Angebot für Besitzer von Notebooks, Netbooks und Handys macht Tchibo. Die Mobilfunksparte des Kaffeerösters und Einzelhändlers bietet ab 1. Dezember eine UMTS-Internet-Flatrate für 19,95 Euro pro Monat an.
Mit Billigtarifen für Telefonie und SMS geht der neue Mobilfunkanbieter Yukoono auf Kundenfang. Für Gespräche zu anderen Yukoono-Kunden werden Minutenpreise von fünf Cent fällig. Andere Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse können ebenfalls günstig erreicht werden.
Der Mobilfunk-Discounter Penny Mobil hat ab sofort eine UMTS-Tagesflatrate im Angebot. Auch ja!mobil startet einen Tagestarif fürs mobile Surfen. Kunden zahlen für die Nutzung beider Prepaid-Angebote der Rewe-Gruppe 2,49 Euro pro Kalendertag.
Egal ob Notebook oder Smartphone - das mobile Internet wird immer günstiger. Und die Mobiltarife kommen dank immer höherer Geschwindigkeiten auch als DSL-Ersatz in Frage. Für Vielnutzer empfiehlt sich eine Datenflatrate - netzwelt hat zwölf Tarife unter die Lupe genommen.
Mit Snoog Seven ist ein neuer Mobilfunk-Discounter gestartet, der für Gespräche in alle deutschen Mobilfunknetze 7,7 Cent pro Minute berechnet. Auch pro SMS wird dieser Preis fällig, das Abrufen der Mailbox ist hingegen kostenlos.
Im Mobilfunk droht eine Zwei-Klassengesellschaft: Wie im DSL-Geschäft planen Vodafone und T-Mobile auch beim mobilen Internet Aufpreise für höhere Bandbreiten. Das geht aus Medienberichten hervor.
Mehrere Provider versprachen in ihrer Internet-Werbung schnelles mobiles Surfen - erst in der Fußnote machen die Unternehmen auf die Tempodrosselung ab einem bestimmten Datentransfervolumen aufmerksam. Die Verbraucherschützer haben jetzt eine einstweilige Verfügung gegen die Reklame erwirkt.




