1984 und Animal Farm wegen Urheberrechten gelöscht
Amazon: Orwell-Romane aus Kindle-Geräten verbannt (Update)
Internet & Netzwelt
Ausgerechnet ein kritisches Buch über den Überwachungsstaat verschwindet aus den eBook-Lesegeräten Marke "Kindle" des Online-Händlers Amazon: Der Roman ''1984'' im eBook-Format wurde von Amazon sang- und klanglos von den Lesegeräten entfernt. Das gleiche Schicksal trifft das virtuelle Buch "Animal Farm", das ebenfalls aus Orwells Feder stammt.
Das Update vom 24. Juli finden Sie am Ende des Artikels.
Die New York Times berichtete, dass eine Firma namens ''MobileReference'' die Bücher in den Kindle-Store gestellt hatte. Die dazu nötigen Rechte habe das Unternehmen allerdings nicht besessen. Daraufhin forderte der tatsächliche Rechteinhaber Houghton Mifflin Harcourt Amazon dazu auf, die Werke aus dem Handel zu nehmen.
Synchronisierung rückwärts
Der Online Händler reagierte prompt: Amazon hat seine Synchronisierungsfunktion erstmals dazu genutzt, digitale Bücher aus den Kindle-Geräten zu verbannen. Schon vor der Veröffentlichung des Kindle gab es Bedenken gegenüber dieser Technik.
Der Kaufpreis wurde den betroffenen Kunden zwar unverzüglich zurückerstattet, aber die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren alles andere als positiv. Vor allem Tweets, Blogs und Foren wurden mit Negativstimmen förmlich überflutet.
Beschwerdeflut im Kindle-Forum
Auch die Kindle-Gemeinschaft zeigt sich über Amazons Löschung der Orwell-Romane empört. Im Kindle-Forum ist die Rede von ''Big Brother''-Aktionen. Die Tatsache, dass es sich bei "1984" um ein sehr systemkritisches Buch handelt, erregt noch mehr Unmut bei den Geschädigten.
"1984" porträtiert einen totalitären Überwachungsstaat, gezeichnet von absoluter Kontrolle und Bespitzelung. Orwell gilt als visionärer Vordenker der Negativ-Utopie. Das Werk, das wesentliche Elemente moderner Überwachungstechnologie vorwegnimmt, wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg veröffentlicht.
Löschung rechtlich umstritten
Zudem bleibt fraglich ob Amazon das Recht hatte, die von Kunden bereits erworbenen Bücher zu löschen. Die Kindle-Geschäftsbedingungen gewähren dem Käufer ein unbegrenztes Recht am erworbenen Medium. Ein Amazon-Sprecher äußerte gegenüber der New York Times, dass das Unternehmen in Zukunft auf solche Löschungen verzichten wolle.
Update vom 24. Juli: Amazon entschuldigt sich
Jeff Bezos, Chief Executive Officer von Amazon, hat sich gestern im Forum der Kindle-Plattform für die Löschung der Orwell-Romane entschuldigt. Das Löschen der elektronischen Bücher bezeichnet Bezos als ''dumm und gedankenlos''. Amazon wolle diese negative Erfahrung nutzen, um weitere Fehler zu vermeiden. Die Kindle-Gemeinschaft hat die Entschuldigung großteils akzeptiert und sich verständnisvoll gezeigt.
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grunzer
21.07.09 15:01
Interessant finde ich hier, daß solche Bevormundungsoptionen bereits bevor sich eine Technik durchgesetzt hat aktiviert werden!
Normalerweise hält man sowas lieber etwas unter der Hand...
Es kommt die Zeit, da wird sich das niemand mehr gefallen lassen.
Ich habe Zeit; mein Geld liegt auf der Bank und Sorgen über ein Ende meines Lebens mache ich mir auch grad (noch) nicht.
Stellt faire Produkte zu fairen Preisen her und ihr bekommt was davon ab ;)
Ein Geschäft ist nur dann als solches zu bezeichnen, wenn beide Seiten was davon haben!
cu Grunzer
PS: Eigentlich sollte hier ein Hinweis auf eine relativ neue Partei stehen, die auch zu diesem Thema was zu sagen hat
aber wir wollen ja keine Wahlwerbung machen :napoleon:
striz
23.07.09 15:25
Zitat:
aber wir wollen ja keine Wahlwerbung machen :napoleon:
Meinst du eine bestimmte Partei bei der ein Mitglieder unter Verdacht steht, ohne dienstlichen Auftrag, Kinderpornos heruntergeladen bzw. verbreiten zu haben?
Aber hast recht, sollten keine Wahlwerbung hier machen. :nooo:
Gruß
striz
grunzer
24.07.09 15:09
OT:
Durchaus meine ich die Piratenpartei ;)
Bezüglich Herr Tauss finde ich die Reaktion der Piraten aber durchaus in Ordnung.
Beispiel:
Ich würde meinen Job verlieren, wenn ich wegen Drogenbesitz verurteilt werden würde.
Aber ich würde meinen Job nicht verlieren, wenn ich deswegen NUR angeklagt wäre.
Ich würde meinen Job auch nicht verlieren, wenn ich noch nicht mal "NUR angeklagt" wäre, sondern nur ermittelt würde.
Das gleiche Recht sollte auch jemand haben, der wegen schlimmerer Vergehen im "Fadenkreuz" steht.
Also bitte auch von Dir:
In dubio pro reo.
Sollte er verurteilt werden, wirst Du sehen was mit ihm passiert!
Mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit das Gleiche wie mit Bodo Theissen...
aber bei dem Thema werden und müssen wir nicht einer Meinung sein :keks:
(wie auch die Kommentare unter dem verlinkten Artikel zeigen)
Grüße Grunzer
grunzer
07.08.09 11:22
Kurze Ergänzung zum Thema:
We believe in the freedom to read | DefectiveByDesign.org
Hier gefunden.
Vielleicht macht ja jemand mit ;)
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