Regierung untersagt Einsatz von Elektroschocks
China: Ende der Shocktherapie für Internetsüchtige
In der chinesischen Provinz Shandong behandelte ein Psychiater mehrere Tausend internetsüchtige Jugendliche mit Elektroschocks. Jetzt untersagte das chinesische Gesundheitsministerium ihm das Fortführen der Shockbehandlung. Zahlreiche Lokalmedien hatten bereits gegen die angebliche Suchttherapie protestiert, da keine Belege für den Erfolg der Methode vorlägen.
3.000 Jugendliche in Behandlung
Der Psychiater Yang Yongxin aus der Stadt Linyi in der Shandong Provinz hat innerhalb von zwei Jahren knapp 3.000 Jugendliche mit Elektroschocks behandelt. Der Mediziner war fest davon überzeugt, dass seine Heilmethode gegen Internetsucht helfen könne. "Onkel Yang", wie ihn Bewohner seiner Heimatstadt nennen, verschrieb seinen Patienten eine Mischung aus Elektroschocks und Psychopharmaka.
Hinzu kamen Übungen, die stark an den Alltag in militärischen "Boot Camps" erinnern. Nach Aussagen von Yang Yongxin helfe dieses Behandlungsprogramm den Patienten dabei, "den Kopf frei zu kriegen". Die Therapie kostete rund 805 US-Dollar pro Monat, das entspricht knapp dem Dreifachen des chinesischen Durchschnittslohns. Das chinesische Gesundheitsministerium konnte Agenturberichten zufolge nicht bestätigen, dass Yang oder seine Kollegen staatlich anerkannte Ärzte seien.
Internetsucht fordert erste Todesopfer in China
Die Probleme, die in China durch Internetsucht entstehen, sind nicht trivial. Viele Jugendlichen stehen unter enormen Leistungsdruck, die virtuelle Welt bietet einen scheinbaren Ausweg. Nicht ohne Grund treten in China immer wieder Todesfälle als Folge von exzessivem Computerspiel- und Internetkonsum auf: Viele Jugendliche halten sich tagelang in Internetcafes auf. Dabei greifen einige auch zu Aufputschmitteln, um sich wach zu halten. Das führt zu mitunter lebensgefährlichen Erschöpfungszuständen.
Über 200 Organisationen bieten in China Hilfe für die Betroffenen und ihre Familien an. Schon im Jahr 2005 zeigte die "China Youngsters Network Addiction Data Report"-Studie, dass knapp 13 Prozent aller chinesischen Teenager internetsüchtig seien. Die chinesische Regierung hat sogar Beschränkungen bei der Spielzeit von Online-Spielen eingeführt. So dürfen Minderjährige beispielsweise maximal drei Stunden pro Tag das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" spielen.
Die Elektroschocktherapie, auch Elektrokonvulsive Therapie (EKT) genannt, ist ein medizinisch anerkanntes Heilverfahren, das auch in Deutschland zur Anwendung kommt. Die Behandlungsmethode wird in der Regel als letztes Mittel in der Behandlung von schwerwiegenden psychischen Erkrankungen angewendet. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Gedächtnisstörungen und Kopfschmerzen.
