Internet-Legende kritisiert Überwachung im WWW
Berners-Lee: Plädoyer gegen staatliche Spionage
Die Kritiker der zunehmenden Überwachung im Web haben einen prominenten Fürsprecher bekommen. World-Wide-Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee hat sich dafür ausgesprochen, das staatliche Ausspionieren der Bürger im Web zu begrenzen.
Berners-Lee beklagt die zunehmenden Überwachung des Internet-Verkehrs durch Regierungen. Eine zu starke staatliche Kontrolle des World Wide Web könne einen schädlichen Effekt auf die Integrität des Mediums haben. Letztlich seien die Versuche von Zensoren, die Aktivitäten und Äußerungen von Websurfern zu beschneiden, ohnehin zum Scheitern verurteilt. Das berichtet der britische Newsdienst BBC auf seiner Internet-Seite.
Das Internet ohne Einschränkung nutzen
"Die Leinwand sollte ganz weiß sein", sagte Berners-Lee in einem Vortrag. Genau so wie Regierungen oder Unternehmen nicht bestimmen könnten, was Bürger auf ein Blatt Papier schreiben, sollten Web-Nutzer das Internet auch ohne Einschränkungen nutzen können. Zwar sei es nötig, dass Regierungen den Missbrauch des Internet verhindern - deren Kompetenzen sollten aber beschränkt sein.
Den Vortrag hielt Berners-Lee im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung für die TV-Serie "Digital Revolution" der BBC. Die kritischen Bemerkungen des Internet-Pioniers dürften vielen Politikern in Deutschland nicht gefallen. Hatte doch der Bundestag letzen Freitag das Gesetz zur Blockade von kinderpornografischen Seiten im Web verabschiedet. Kritiker befürchten, dass damit eine technische Infrastruktur geschaffen werde, die künftig auch die Zensur politisch unliebsamer Inhalte ermöglichen werde.
Online-Inhalte trotzen der Zensur
Auch Berners-Lee warnte in seinem Vortrag vor einer solchen Entwicklung. Der Trend gehe aber langfristig dazu, dass Online-Inhalte letztlich immer einen Weg um die Zensur herum finden würden. Berners-Lee gilt als einer der Erfinder des Internet.
Als Mitarbeiter des CERN hatte er ein Projekt für den Austausch von Informationen über Datenleitungen realisiert, das auf dem Prinzip des Hypertexts basierte. Zugleich hat er den ersten Webserver und ersten Web-Client geschaffen. 1994 gründete er die das World Wide Web Konsortium (W3C), dessen Direktor er bis heute ist.
