Digital oder analog keine "religiösen Fragen" mehr
Pixel oder Korn: Das Drehbuch entscheidet
Digitale Filmkameras werden von vielen Kameraleuten noch skeptisch betrachtet. Aktuelles Beispiel ist eine Podiumsdiskussion über die Arriflex D21. Das Ergebnis: Trotz unbestreitbarer Vorteile der Technik ist der klassische Kinofilm nach Meinung von Kameraleuten noch lange nicht tot.

Inhaltsverzeichnis
- 1Analoge Technik: "Das arbeitet und lebt"
- 2James Bond: Digital geschossen
- 3Langsame Annäherung
- 4Super 16 lebt wieder auf
Die Diskussion kommt einem irgendwie bekannt vor. Digitale Medien wirken kalt und perfekt, analoge Medien dagegen haben noch Leben und Wärme. Egal, ob Musik, Fotografie oder Film, die Fronten sind immer die gleichen. Doch während in der Fotografie der Wechsel zum digitalen Format auch bei Profis weitgehend vollzogen ist, hadern die Filmleute noch.
Das wurde jetzt auch auf einer Podiumsdiskussion am Rande des Münchner Filmfestivals deutlich. Sechs Kameraleute diskutierten auf der vom Filmausrüster Arri geleiteten Veranstaltung über ihre Arbeit mit digitalen oder analogen Kameras. Die 1917 in München gegründete Firma Arri - die Abkürzung steht für Arnold and Richter Cine Technik - ist nach eigenen Aussagen der größte Anbieter von professionellem Kinoequipment weltweit.
Analoge Technik: "Das arbeitet und lebt"
Alexander Fischerkoesen, Kameramann bei Produktionen wie "Die dunkle Seite" oder "Hangtime" brachte die Abneigung vieler etablierter Kino-Handwerker gegen digitale Kameras auf den Punkt. Digital sei immer noch "ein kaltes Medium", wenn aber das Licht auf eine chemische Emulsion treffe, sei das ein ganz anderer Prozess. "Das arbeitet und lebt."
Auch Torsten Breuer, Kameramann bei bekannten Werken wie "Die Perlmutterfarbe" oder "Die Welle", zeigte sich in der Diskussion eher als Anhänger des Zelluloid. Ein Film müsse einen "Filmlook haben und das Korn" sichtbar sein. Allerdings meinte Breuer auch, dass es letztlich auf die guten Geschichten ankomme, dann sei die Technik dahinter egal und der Film könne auch auf Super 8 gedreht sein.
James Bond: Digital geschossen
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Arriflex D21, eine der ersten professionellen Digitalkameras, die auch für große Kinoproduktionen taugen. Die D21 arbeitet mit einem CMOS-Sensor im 35-Millimeter-Format und funktioniert von der Bedienung her ähnlich wie eine klassische Filmkamera, sodass die Kameraleute sich nicht groß umgewöhnen müssen.
Mit der D21 wurden schon Kinofilme wie "Ein Quantum Trost", der letzte James Bond-Film, oder "The Bank Job" produziert. Auch die Kinokomödie "Salami Aleikum" wurde mit der digitalen Arri gedreht. Deren Kameramann Bernhard Jasper ist in beiden Welten zu Hause. Er hat Filme sowohl mit klassischem 35-Millimeter-Equipment als auch mit der D21 gedreht.
Langsame Annäherung
"Das Digitale nähert sich dem klassischen Film an", formuliert er seine Erfahrung mit der neuen Technik. Ähnlich äußerte sich auch der österreichische Kameramann Christian Berger, der gerade auf 35 Millimeter den Film "Das weiße Band" des Regisseurs Michael Haneke fotografiert hat: Die Zeit sei vorbei, wo digital oder analog "religiöse Fragen waren.
Die Vorführung mehrerer kurzer Filmausschnitte bestätigte das aus der Perspektive des Zuschauers. Auch die digital gedrehten Produktionen haben inzwischen den typischen Kino-Look. Unterschiede sind vermutlich nur noch für Experten oder Kino-Fans, die etwas genauer hinsehen, sichtbar.
Was allerdings nicht heißt, dass die Digitaltechnik jetzt schnell Einzug halten und das klassische Analogmedium verdrängen wird. Die Filmrolle ist noch lange nicht tot. Sogar das 16-Millimeter-Format, das früher als semiprofessionelles Format für Low-Budget-Produktionen galt, erlebt eine Renaissance als Super 16. So hat beispielsweise Kamerafrau Jana Marsik den Kinofilm "Same Same but different" auf Super 16 gedreht.
Super 16 lebt wieder auf
Die Unterschiede zu 35 Millimeter sind für das ungeübte Auge allerdings kaum wahrnehmbar, wie auch die Vorführung eines kurzen Filmausschnitts demonstrierte. Laut Arri ist Super 16 das ideale Format für HD-Fernsehproduktionen, Werbefilme oder Dokumentationen.
Die Diskussion Korn gegen Pixel dürfte noch einige Jahre weitergehen. Da Arri sowohl analoge als auch digitale Kameras und entsprechende Postproduction-Kapazitäten anbietet, kann das Unternehmen die weitere Entwicklung entspannt beobachten.

Sagen Sie Ihre Meinung!