Spieletest: Overlord II
Die mit dem Wolf reiten
Die Steuerung der eignen Horden erfolgt - zumindest am PC - mehr oder weniger komfortabel mit der Maus. Per Linksklick wird eine gewisse Anzahl von Schergen auf ein gewünschtes Ziel gehetzt. Das gelingt allerdings nur, wenn der Weg dorthin nicht über quer liegende Baumstämme oder verschlungene Pfade führt. Solche Hindernisse meistern die Giftzwerge nur, wenn der Spieler bei gleichzeitigem Drücken der linken und rechten Taste die Maus entsprechend verschiebt. Da können Grobmotoriker auch abseits des Monitors bisweilen böse werden.
Glücklicherweise gestaltet sich die übrige Bedienung komfortabler. Der Overlord schreitet per klassischer WASD-Steuerung voran, und auch die Bedienung von stationären Kriegsmaschinen oder Schiffen geht unkompliziert von der Hand. An bestimmten Portalen darf der Oberbösewicht sogar seine hünenhafte Gestalt an die Garderobe hängen und schwer zugängliche Gebiete als Scherge erkunden.

Die grafisch ansprechende und erneut sehr fantasievoll gestaltete Märchenwelt ermöglicht eine Reihe von Interaktionen. Viele Strukturen lassen sich zerstören oder anderweitig manipulieren, Viehzeugs wie Spinnen und Echsen als Nutztiere missbrauchen. Auf den Rücken gezähmter Wölfe kämpfen Schergen nicht nur besser, sie können darüber hinaus auch kleine Schluchten überspringen. Der Einsatz von Spinnenreitern gestattet sogar die Fortbewegung über Wände.
Fazit: Das Böse nicht neu erfunden
Daumen lutschende Statthalter, groteske Feen mit Hängebrüsten, weich gespülte Ökoelfen - "Overlord 2" teilt reichlich Watschen in Richtung klassischer Fantasy-Klischees aus. Das Spiel schickt den Spieler abermals auf eine herrlich unverkrampfte Märchenreise und punktet mit fabelhafter Atmosphäre. Dabei bleibt es den Stärken des Vorgängertitels "Overlord" treu und führt neben dem geliftetem Grafikgewand wenige, aber sinnvolle Neuerungen ein.
Leider zeigt sich diese Leichtigkeit nicht immer in der Spielpraxis: Genauere Angaben zu einigen der Missionsziele hätten dem Spielfluss gut getan. Selbst Overlord-Veteranen laufen Gefahr, bei einigen Aufträgen planlos durch die Gegend zu irren. Der sparsame Umgang mit Speicherpunkten kann den Spieler nach dessen Ableben leicht um mehrere Minuten zurückwerfen.
Wer ohne reale Folgen einmal als wahrer Stinkstiefel auftreten möchte, findet mit dem Overlord und dessen Schergentruppe dennoch die passenden Spielgefährten. "Overlord 2" steht für PC, Xbox 360 und Playstation 3 bereits in den Regalen. Auch die Besitzer von Nintendo-Konsolen schauen nicht in die Röhre: "Overlord Dark Legend" erzählt auf der Wii die Vorgeschichte des Finsterlings.
