Das Böse unter der Sonne
Spieletest: Overlord II
Dieses Spiel ist nicht schlecht, es ist böse. "Overlord 2" versetzt den Spieler in die Rolle des angehenden Herrschers über ein Heer von Kobolden. Das Spielziel der Augen zwinkernden Mischung aus Action, Abenteuer und Taktik: Die märchenhafte Spielwelt zu unterjochen. Doch dem aufstrebenden Oberbösewicht stehen einige Herausforderungen bevor: Das eigene Reich liegt in Trümmern, die Schergen verstecken sich, und ein wachsames Imperium lauert darauf, angehenden Übeltätern auf die Finger zu klopfen.

Inhaltsverzeichnis
- 1Aller Anfang ist schwer
- 2Bunte Truppe
- 3Geradliniger Spielverlauf
- 4Die mit dem Wolf reiten
- 5Fazit: Das Böse nicht neu erfunden
Wer bei der Altglasentsorgung die Aludeckel mit in den Container wirft und auch mal bei Rot über die Ampel geht, darf bei "Overlord 2" virtuell beweisen, dass er zu weit Böserem bestimmt ist. Im Nachfolger des holländischen Spielexports "Overlord" stehen Tod und Vernichtung auf der Agenda. Doch Kenner des ersten Teils wissen, dass dies nur als fieser Anstrich für einen satirischen Fantasyspaß dient.
Aller Anfang ist schwer
Jeder fängt einmal klein an. Das gilt auch für den angehenden Overlord in der Fortsetzung des gleichnamigen Computerspiels. Schon in seiner Kindheit terrorisiert er als Bonsai-Bösewicht die anderen Kinder des winterlichen Nordberg, die sich nur mit Schneebällen zur Wehr setzen. Um den vakanten Thron der Unterwelt in Besitz zu nehmen, müssen aber noch ganz andere Seiten aufgezogen werden.
Also werden Feierlichkeiten mit Raketenangriffen gestört, Städte mit Katapulten zermahlen und friedliche Wichtel in Massen niedergemacht. Sogar Robbenbabys geht es mit Knüppeln an den Kragen - au weia! Mit dem neuen Overlord ist noch schlechter Kirschen essen als mit seinem nicht gerade zimperlichen Vorgänger. Das Gefühl, böse zu sein, wird nicht nur durch makabere Sprüche und die schwarze Arbeitskleidung hervorgerufen. Den Menschen, Tieren und Fabelwesen der mittelalterlichen Märchenwelt geht es kollektiv an den Kragen.
Bunte Truppe
Die Drecksarbeit verrichten dabei abermals so genannte Schergen. Ein Fingerzeig ihres Meisters genügt, und schon nehmen die kleinen Teufel umstehende Gegner und Gebäude auseinander. Weil aber die Schergen nach dem letzten Abenteuer getrennte Wege gingen, muss sich der Overlord-Nachfolger zunächst auf die Suche nach den verschiedenfarbigen Rabauken machen. Von Anfang an dabei sind nur die Braunen, zähe Krieger, die im Nahkampf überzeugen und sich mit allen möglichen Beutestücken ausrüsten.
Rote Schergen können dem Gegner aus der Distanz einheizen und außerdem brennende Barrieren löschen. Die Grünen sind immun gegen Gift und attackieren Feinde bevorzugt von hinten. Komplett ist die bunte Truppe jedoch erst, wenn mit den blauen Schergen die einzigen Schwimmer im Bunde hinzugekommen sind, die sich darüber hinaus als Heiler und Spione andienen. Die Verzahnung dieser unterschiedlichen Fähigkeiten beschert dem Spieler nicht nur abwechslungsreiche Kämpfe. Das Hauen, Stechen und Brennen erhält dadurch auch eine gewisse taktische Tiefe.
Geradliniger Spielverlauf
Dennoch ist "Overlord 2" wie sein Vorgänger überwiegend linear aufgebaut. Die meisten Aufgaben gilt es in vorherbestimmter Reihenfolge zu absolvieren. In der Regel steht Zerstörung auf der Tagesordnung - mal fällt eine Siedlung samt Verteidigern den finsteren Heerscharen zum Opfer, andernorts ziehen die kleinen Teufelchen gegen römisch anmutende Legionen zu Felde.

Neben Gold, Waffen und nützlichen Tränken fallen den Schergen dabei immer wieder besondere Beutestücke in die Hände, die dem Ausbau der eigenen Festung und Fähigkeiten dienen. Verschiedene Lösungswege stehen dabei nicht zur Wahl. Den Spielspaß trübt das nicht, zumal die Inszenierung stimmt und die meisten Missionen ihre eigene Geschichte erzählen. Die stammen übrigens mehrheitlich aus der Feder einer weiblichen Autorin.
