Nur eine Frage der Zeit
China: Filtersoftware "Green Dam" kommt doch
Trotz massiver Proteste und technischen Problemen hält die chinesische Regierung an der Einführung der Porno-Filtersoftware "Green Dam" fest. Das Programm soll nach wie vor auf allen in China verkauften neuen PCs installiert werden. Allerdings verzögert sich die Einführung der Software.
Die Hoffnung, dass die chinesischen Behörden nach massiven Protesten auf den Einsatz der die PC-Filtersoftware "Green Dam-Youth Escort" verzichtet, hat sich zerschlagen. Die englischsprachige Zeitung "China Daily" berichtet, dass die Filtersoftware für in China verkaufte PCs wie geplant obligatorisch sein werde.
Der Titel der Software bedeutet übersetzt etwa "Grüne Mauer - Jugendschutz". Offiziell soll Green Dam nur als Porno-Filter eingesetzt werden, besonders um Jugendliche im Internet zu schützen. Allerdings befürchten Bürgerrechtler und Menschenrechts-Aktivisten, dass die Filter-Software früher oder später dazu eingesetzt werde, politisch unliebsame Themen auszusperren.
Einführung nur eine Frage der Zeit
Urspünglich hatten die chinesischen Behörden am 19. Mai angeordnet, dass der Porno-Filter ab 1. Juli auf allen neu verkauften PCs installiert sein müsse. Doch dann gab es Proteste. Auch von technischen Problemen war die Rede: Angeblich seien einige Hersteller nicht rechtzeitig fertig geworden. Deshalb wurde die Einführung des Programms aufgeschoben. Ein neuer Termin für die Auslieferung der Software steht noch nicht fest.
Nach Aussagen der chinesischen Regierung der "China Daily" gegenüber steht die Einführung von Green Dam weiterhin außer Frage. Das Blatt zitiert einen Mitarbeiter der Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), es sei "nur eine Frage der Zeit", bis eine entsprechende Anordnung in Kraft trete. "Die Regierung wird die Anordnung mit Sicherheit weiterverfolgen", sagte der Regierungsangestellte gegenüber "China Daily".
Copyright-Klage aus Kalifornien
Doch auch die Filtersoftware selbst verursacht Ärger. Solid Oak, ein kalifornisches Software-Unternehmen, behauptet laut "China Daily", dass Green Dam von ihrer eigenen Pornofilter-Software Cybersitter abgekupfert sei. Aus diesem Grund wolle das Unternehmen eine Copyright-Klage in China anstrengen. PC-Hersteller, die Green Dam auf ihren Rechnern installieren, riskieren damit eine Copyright-Klage.
Damit sind die PC-Hersteller in der Zwickmühle: Installieren sie die Software, dann könnten sie Ärger mit Solid Oak bekommen. Zudem droht Imageverlust in den USA und Europa. Wer hingegen auf Green Dam verzichtet, kann in naher Zukunft keine PCs mehr in China verkaufen.
Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert eine Zahl, wonach in China allein in diesem Jahr 42,6 Millionen PCs verkauft werden sollen. Laut Reuters gibt es derzeit etwa 300 Millionen Internetnutzer in China. Der größte PC-Anbieter in China ist Lenovo. Ausländische Hersteller wie Dell, Acer und HP bemühen sich jedoch, ihre Marktanteile auf dem chinesischen Markt zu vergrößern.
