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Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test
Wer sich jetzt ein "S" kaufen sollte und wer besser noch wartet

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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Gleiche Hülle, schnellerer Kern, zusätzlicher Buchstabe: Mit dem iPhone 3G S stellt Apple den Nachfolger des iPhone 3G vor. An der Optik ändert sich nichts. Dafür sorgt ein neuer Prozessor sowie weitere Details für ein noch besseres iPhone-Erlebnis.

Auch gute Testberichte können mit einem abgedroschenen Fazit beginnen: "Apple hat mit dem iPhone 3G S das Rad nicht neu erfunden, es aber deutlich runder gemacht." Der Satz "Evolution statt Revolution" könnte sogar als Überschrift durchgehen. Denn das neue Apple iPhone 3G S gleicht dem Vorgänger iPhone 3G wie ein Ei dem anderen, ist unter der Hülle aber ordentlich aufpoliert worden. Die äußeren Unterschiede beschränken sich auf den verspiegelten Produktschriftzug auf der Rückseite des 3G S sowie eine verbesserte Beschaffenheit der Displayoberfläche. Fingerabdrücke lassen sich von dort nun besser abwischen.

Wozu auch das Rad neu erfinden? Das iPhone hat bereits einen Siegeszug hinter sich, der die meisten anderen Smartphone-Hersteller neidisch in Richtung Apple-Zentrale in Cupertino blicken lässt. Diesen Trend setzt das neue Modell eindrucksvoll fort. Bereits in den ersten drei Tagen verkaufte sich das 3G S nach Angaben von Apple weltweit über eine Millionen Mal, Tendenz steigend. An der Optik kann es nicht liegen, denn diese blieb entgegen vieler Erwartungen unverändert. Es sind die Innereien des neuen iPhones die für Strahlkraft sorgen. Und ein kleiner Buchstabe - das "S" steht für "Speed", sprich für Geschwindigkeit.

Legales Doping: Das iPhone im Geschwindigkeitsrausch

Für den deutlich spürbaren Geschwindigkeitsschub sorgt ein neuer Prozessor im iPhone 3G S. Dieser öffnet laut Apple Anwendungen im Schnitt bis zu zwei Mal schneller. Im Alltag macht sich dies bemerkbar, etwa wenn man den Kalender öffnet. Besonders eindrucksvoll lässt der von Apple nicht näher spezifizierte Prozessor die Muskeln beim Laden von grafikintensiven Anwendungen spielen. Das Spiel "Peggles" etwa lädt auf dem neuen Modell in der Tat fast doppelt so schnell.

Im Alltag, beim Blättern durch lange Listen und Umschalten zwischen den verschiedenen Bildschirmen, reagiert das überarbeitete iPhone ebenfalls flotter. Das iPhone 3G ist keinesfalls träge, die wenigsten Nutzer klagten bislang über Geschwindigkeitsprobleme. Aber wer einmal beide Modelle im direkten Vergleich nebeneinander gesehen hat, trennt sich nur ungern vom durch die Bank weg schnelleren iPhone 3G S. Wie ein Turnschuh, der einfach besser sitzt und mit dem schnellere Rundenzeiten möglich sind als mit dem ausgelatschten alten Modell.

Apple iPhone 3G S Details

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Der schnellere Zwilling: Viel neues gibt es bei der Hardware nicht zu vermelden. Ein schnellerer Prozessor, eine verbesserte Kamera und ein "echter" Kompass sind die Highlights bei der Neuauflage des iPhones.

Auch das Surfen im Internet geht deutlich schneller von der Hand. Statt mit UMTS-Geschwindigkeit von maximal 3,6 Megabit in der Sekunde surfen Besitzer des iPhone 3G S dank HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit in der Sekunde auf Webseiten. Dies funktioniert im T-Mobile-Netz derzeit allerdings nur in Ballungsgebieten und Großstädten.

Digitalkamera: Trotz Megapixelpolitur kein Digicam-Ersatz

Die gute Nachricht für alle Partygäste: Auch die Kamera des neuen iPhones hat kein Blitzlicht. Wem das ständige Geblitze in schummrigen Festsälen und Partys auf die Nerven ging, kann also erleichtert aufatmen. Alle anderen ärgern sich mit Sicherheit, denn ein Blitzlicht gehört bei den meisten Konkurrenz-Smartphones zur Standard-Ausstattung. Apple hat die unterdurchschnittliche Zwei-Megapixel-Kamera der ersten beiden iPhone-Generationen dafür in allen anderen Punkten gründlich überarbeitet.

Die Auflösung beträgt nun drei statt zwei Megapixel. Damit avanciert das iPhone immer noch nicht zum Kamera-Handy, muss es auch nicht. Die Bildqualität ist nach wie vor schnappschusstauglich, nicht mehr, nicht weniger. Wer großen Wert auf die Bildqualität legt, sollte ohnehin zur ausgewachsenen Digitalkamera greifen. Wer auf Video-Telefonie steht, muss sich ebenfalls nach einem anderen Handy-Modell umsehen, denn dem iPhone 3G S fehlt wie dem Vorgänger eine zweite Kameralinse auf der Vorderseite.

In Weiß und Schwarz erhältlich: Das Apple iPhone 3G S

In der Praxis als nützlich erweist sich der Autofokus der 3G-S-Kamera. Auf dem berührungsempfindlichen Display genügt es, ähnlich wie beim Sony Ericsson Satio , im Kameramodus einen Bildausschnitt zu berühren, um diesen scharfzustellen.

Dies funktioniert im Video-Modus leider nicht, der Nutzer muss mit einem vor dem Dreh festgesetzten Fokus vorlieb nehmen. Immerhin nimmt das iPhone 3G S überhaupt Videos auf, eine Funktion, die Besitzers eines iPhone 3G oft schmerzlich vermissen. Der Eindruck der Bewegtbilder ist gut, sie landen in VGA-Qualität (480 x 640 Pixel) und mit 30 Einzelbildern in der Sekunde im wahlweise 16 oder 32 Gigabyte großen Speicher des iPhones.

Das Video zeigt eine Aufnahme mit der Kamera des iPhone 3G S. Für das Video in Original-Auflösung klicken Sie bitte hier .

Eine Aufnahme ist sowohl im Quer- als auch im Hochformat möglich. Der Ton ist leicht verrauscht, die maximale Aufnahmedauer dafür unbegrenzt. Besonders praktisch: Fertige Videos lassen sich direkt im Handy zurechtschneiden und per Tastendruck an Youtube oder eine E-Mail-Adresse senden. Damit leistet die Video-Funktion des iPhones mehr als vergleichsweise günstige Camcorder mit einer ähnlichen Auflösung.

Kompass-Funktionen: Immer gen Norden mit dem iPhone

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem iPhone 3G und dem iPhone 3G S ist der eingebaute Kompass des neuen Modells. Dieser erlaubt, wie im Video zu sehen, zum Beispiel die automatische Ausrichtung der Kartenansicht in Google Maps, was besonders praktisch bei der Orientierung in fremden Großstädten ist. Wer jemals versucht hat, nur mit Hilfe seines iPhones in der Stadt zu navigieren, wird diese Funktion sehr zu schätzen wissen. Apple spendierte dem neuen iPhone zudem eine eigene Applikation, welche die Arbeitsweise des Kompasses grafisch darstellt. Der Nutzwert dieser Software beschränkt sich allerdings auf den Show-Effekt.

Sprachsteuerung: Lost In Translation

Bereits der MP3-Player iPod Shuffle, ebenfalls von Apple, sagt Titel und Interpret auf Knopfdruck mit Hilfe einer Computer-Stimme an. Beim Shuffle macht diese Funktion durchaus Sinn, muss der MP3-Player doch völlig ohne Display auskommen. Auch das neue iPhone 3G S spricht auf Knopfdruck und soll seinem Besitzer aufs Wort gehorchen.

Dazu muss der Nutzer die einzige "echte" Taste des iPhones gedrückt halten. Etwa vier Sekunden später erscheint selbst bei aktivierter Tastensperre das Menü der Sprachsteuerung. Die möglichen Sprachbefehle wie "Spiel Album", "Wähl", "Ruf" oder "Pause" zeigt ein Menü an. Nicht nur die wichtigsten iPod-Funktionen, sondern auch Telefonbucheinträge lassen sich auf diese Art und Weise in der Theorie aufrufen. In der Praxis sieht dies leider anders aus.

Die Spracherkennung funktionierte im Test nicht zufriedenstellend. Bessere Ergebnisse liefert das iPhone, wenn man die Systemsprache auf Englisch stellt.

Die Trefferquote liegt bei unter 50 Prozent und ist zudem stark von der Umgebungslautstärke abhängig. Bevor man also mehrmals laut und deutlich "Ruf netzwelt an" sagt, wählt man besser den klassischen Weg über das Menü. Das geht schneller und ist treffsicherer. Etwas bessere Ergebnisse erzielt man, wenn man im Menü Englisch statt Deutsch als Systemsprache wählt.

Der eigentliche Star: iPhone OS 3.0

Zusammen mit dem iPhone 3G S präsentierte Apple auch das neue Betriebssystem OS 3.0 für ältere iPhone-Modelle sowie für den iPod Touch. Auf dem iPhone 3G S ist die Software bereits von Anfang an installiert. Über einhundert neue Funktionen sind in der über 200 Megabyte großen Datei enthalten, die alle iPhone-Besitzer kostenlos erhalten. Nutzer eines iPod Touch werden hingegen zur Kasse gebeten: Acht Euro kostet das neue Betriebssystem für sie.

Es klingt skurril, aber das Highlight des iPhone OS 3.0 ist eine simple Copy-Paste-Funktion. Damit ist es endlich auch iPhone-Nutzern möglich, bestimmte Textpassagen in Applikationen wie Mail, SMS oder Kalender zu kopieren, auszuschneiden oder einzufügen. Die Art und Weise wie Apple diese Funktion umgesetzt hat, ist hingegen alles andere als skurril, sondern einfach gelungen: Selten war das Kopieren und Einfügen von Text auf einem Handy so einfach, wie dies seit kurzem mit den Smartphones aus Cupertino möglich ist. Auch das Kopieren und Einsetzen von Bildern funktioniert.

Eine Kleinigkeit mit großer Wirkung betrifft die virtuelle Tastatur. Diese lässt sich nach dem erfolgreichen Aufspielen der neuen Firmware nun in vielen Anwendungen in das Querformat drehen. Besonders beim Schreiben von Kurzmitteilungen verringert dies die Fehlerquote erheblich. Ein Ersatz für eine Hardware-Tastatur ist aber auch diese Lösung nicht.

Echte Hilfe für Vielschreiber: Die Tastatur lässt sich nun in wichtigen Anwendungen ins Querformat drehen.

Gut ist die Möglichkeit der systemweiten Suche. Apple-Nutzer kennen die Funktion Spotlight bereits von ihren Mac-Rechnern. Im Startmenü genügt ein kleiner Wisch mit dem Finger von links nach rechts um das Suchfenster zu öffnen. Alternativ führt ein verlangsamter Doppelklick auf den Home-Button zum gleichen Ziel. Es erscheint ein Suchschlitz und die virtuelle Tastatur. Anschließend genügt die Eingabe eines Stichwortes und das iPhone oder der iPod Touch durchsucht Programme wie Kalender, Kontakte, Nachrichten oder Programm-Namen nach diesem Stichwort. Weitere Funktionen der neuen iPhone- und iPod-Firmware hat netzwelt in diesem Artikel zusammengefasst .

Wechselgedanken und Ablösesummen: Vom iPhone 3G zum iPhone 3G S

Die meisten Funktionen die für den Aha-Effekt sorgen stecken in der Software OS 3.0 und nicht in der Hardware des iPhone 3G S. Wer also bereits ein iPhone 3G besitzt, kann sich den Neuerwerb sparen. Es sei denn, man legt gesteigerten Wert auf Videoaufzeichnung, eine leicht bessere Auflösung der Digitalkamera oder auf die Kompass-Funktion in Google Maps. Die meisten anderen Funktionen kommen kostenlos mit der Aktualisierung der Firmware.

T-Mobile lässt sich als exklusiver iPhone-Provider den Wechsel vom alten zum neuen Modell zudem fürstlich bezahlen. Vorraussetzung für einen Wechsel vom iPhone 3G zum neuen 3G S ist eine mindestens zwölfmonatige Vertragslaufzeit. Jeder weitere Monat bis zum Ende der 24-monatigen Vertragslaufzeit kostet zusätzlich 25 Euro. Detaillierte Angaben zu den Tarifstrukturen finden Sie in diesem Artikel . Wer allerdings noch im Besitz eines iPhones der ersten Generation und am Ende der Vertragslaufzeit angekommen ist, sollte jetzt zum neuen iPhone 3G S wechseln.

Fazit

Auch wenn das iPhone auf Grund der hohen Verkaufszahlen fast nicht mehr als Status-Symbol zu gebrauchen ist - es ist das derzeit beste Smartphone auf dem Markt. Dies gilt sowohl für das iPhone 3G S als auch für das iPhone 3G. Kein anderes Mobiltelefon erlaubt eine solch intuitive Benutzung, bietet solche umfangreichen Möglichkeiten der softwareseitigen Erweiterung und ist insgesamt so stimmig wie die Handys mit dem Apfel-Logo auf der Rückseite. Ähnlich wie die Spielekonsole Wii von Nintendo besteht das iPhone sowohl den Großeltern- als auch den Kinder-Test. Und diesen sowohl in Sachen Optik als auch bei der Bedienung.

Das iPhone 3G S lohnt sich allerdings nur für diejenigen, die sowieso vor einer Vertragsverlängerung stehen und in den Genuss der subventionierten T-Mobile-Preise kommen. Die Neuerungen gegenüber dem Vorgängermodell sind zu gering, als dass sich die hohen Ablösegebühren für einen alten Vertrag lohnen würden.

Apple iPhone 3G S

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Viele neue Funktionen sowohl durch eine verbesserte Hardware-Ausstattung als auch über das neue Betriebssystem iPhone OS 3.0.

Doch nicht alle Menschen werden mit einem iPhone glücklich. Wer von unterwegs viele E-Mails und Kurznachrichten verschickt, greift besser zu einem Modell mit einer Hardware-Tastatur. Das Nokia N97 oder das T-Mobile G1 bieten zum Beispiel solche Tastaturen. Wer mit dem Apple-Univsersum samt Fixsternen iTunes und Mac überhaupt nichts anfangen kann, findet eventuell in den zahlreichen Mobiltelefonen mit dem Google-Betriebssystem Android eine Alternative.

Vielen Dank an dieser Stelle an den Shop von AQMForever, der uns sehr schnell ein Testgerät zur Verfügung gestellt hat!

Kommentare zu diesem Artikel

Gleiche Hülle, schnellerer Kern, zusätzlicher Buchstabe: Mit dem iPhone 3G S stellt Apple den Nachfolger des iPhone 3G vor. An der Optik ändert sich nichts. Dafür sorgt ein neuer Prozessor sowie weitere Details für ein noch besseres iPhone-Erlebnis.

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  • Michi1177 schrieb Uhr
    AW: News - Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test

    Ahh, der Hund in dem Video ist ja cool... Für den tausche ich mein 3GS! :)
  • Arthur Spooner schrieb Uhr
    AW: News - Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test

    Na das würde ich zu gern mal sehen, wie du einen Redakteur mit einer virtuellen Tastatur schlägst. Da nimmst du dir doch ein wenig zu viel vor ;) grüße
  • Fuego schrieb Uhr
    Bananenhaupt, da verlierste.

    Wer seit fast 2 Jahren jeden Tag auf der virtuellen tippt, dem machste nix vor.
  • Michael Knott schrieb Uhr
    AW: News - Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test

    Hast du mal einen direkten Vergleich gewagt? Jede Wette das ich mit einer echten Tastatur schneller tippe als du mit einer virtuellen ;-)

    Viele Grüße
  • Simon_ schrieb Uhr
    AW: Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test

    Ich kann nicht sehen warum jemand, der von unterwegs viele E-Mails verschickt pauschal besser mit einer Hardware-Tastatur zurechtkommt. Das kann man in meinen Augen nicht als Fakt darstellen.

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http://www.netzwelt.de/news/80138-schnellere-zwilling-apple-iphone-3g-s-test.html
2009-06-26 20:48:00
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Der schnellere Zwilling: Apple iPhone 3G S im Test