Die vermeintliche Heilung eines psychisch Kranken
Kurzfilm: Rosige Aussichten für einen Psychiatrie-Insassen
Kanadische Forscher, die die Gefängniskarriere von 310 Insassen untersuchten, fanden heraus, dass psychisch kranke Kriminelle bessere Aussichten auf vorzeitige Entlassung haben als normale Häftlinge. Laut Statistik verlassen diese 2,5-mal häufiger das Gefängnis vor Haftende, weil sie vermutlich wegen ihrer manipulativen Veranlagung die Bewährungskommission besser täuschen können. Mit welch oskarreifen Darbietungen die Psychologen rechnen können, zeigt der Kurzfilm von Trevor Sands in einer fiktiven Geschichte.
Der Film beginnt in der ausgepolsterten Gefangenenzelle einer Nervenheilanstalt. Der Zelleninsasse ist gleichzeitig der Hauptdarsteller des Films und wird von den Wächtern zu einer Sitzung mit dem Psychologen abgeführt. Den Gang durch den verlassenen Flur der Anstalt begleitet ein Wirrwarr aus Stimmen. Bald wird dem Zuschauer klar, dass der Mann unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet und die Stimmen den Charakteren zuzuordnen sind, die sein Innenleben spalten.
Gemeinsam mit den fiktiven Personen betritt der Häftling den Besprechungsraum, wo ihn eine Psychologin erwartet. Während des Gesprächs mit der Ärztin, ergreifen die Gestalten abwechselnd Besitz von dem psychisch kranken Mann und steuern sein Verhalten. Ein furchteinflößender Muskelprotz etwa symbolisiert die tiefen Abgründe seiner brutalen Seele, während eine zerbrechlich wirkende Frau die letzen Überreste seines Unrechtsbewusstseins darstellt. Personifizierte Ironie, Verfolgungswahn und Sarkasmus sind ebenso anwesend wie die kindliche Unschuld und der durchgeknallte Witzbold. Im Wirrwarr der Stimmen erfährt der Zuschauer, dass der Häftling offenbar ein schlimmes Verbrechen begangen hat.
Die anwesende Ärztin stellt dem Patienten eine vorzeitige Entlassung in Aussicht, wenn er die Krankheit in Griff bekommt. Wie durch ein Wunder gelingt es ihr schließlich, alle Stimmen zum Schweigen zu bringen. Der junge Mann erinnert sich, wer er ist und scheint geheilt. Nach dieser erfolgreichen Vorarbeit entfernt sich die Psychologin wieder und der eigentliche Gesprächspartner betritt den Raum. Wer an die Genesung des Patienten geglaubt hat, bekommt jetzt die Heimtücke der Krankheit zu spüren.
