Erfolgreiche Geschäftsideen kopieren und absahnen

Verkehrte Netzwelt: Kopieren statt studieren

Verkehrte Netzwelt: Kopieren statt studieren Diese Woche entschied das Landgericht Köln, dass studiVZ kein Plagiat von Facebook ist. Da stellt sich die Frage: War der Richter blind? Nein, dieser begründete seine Entscheidung damit, dass studiVZ seit November 2005 am Markt ist. Zu einem Zeitpunkt, als hierzulande Facebook noch völlig unbekannt war. Getreu dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Facebook geht in Berufung.

Die Anschuldigung von Facebook, dass studiVZ Teile des Quellcodes kopiert habe, konnte nicht nachgewiesen werden, heißt es. Dass studiVZ bei Facebook sich mehr als nur "Inspirationen" holt, ist jedoch offensichtlich. Die Gemeinsamkeiten beginnen beim Design und Enden kurz vor dem Impressum. Kurz nach Einführung neuer Funktionen auf Facebook tauchen diese unter neuem Namen beinahe identisch auf studiVZ ebenfalls auf. Bislang kam studiVZ vor Gericht immer ungeschoren davon. Das wirft natürlich die Frage auf: Dürfen Unternehmen hemmungslos von der Konkurrenz kopieren?

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Es ist wahrlich keine Seltenheit, dass große wie kleine Konzerne voneinander abkupfern. Bestes Beispiel sind hier Microsoft und Apple. Was die eine Version im Gegensatz zur Konkurrenz noch nicht kann, kann mit Sicherheit die nächste. Auch Klagen zwischen den Großen in der Branche sind die Regel. Diese laufen jedoch meist auf eine außergerichtliche Einigung hinaus. Firmen, die sich vor Gericht streiten, bis die Fetzen fliegen, sind selten.

Besonders abstrus wird es, wenn eine Firma nach Jahren feststellt, dass von ihr angemeldete Patente verletzt wurden. Bevor der Fall vor Gericht landet, vergehen oftmals noch weitere Jahre, um mit der Gegenseite eine Einigung zu erzielen. Die Mühlen in einem Rechtsstaat mahlen bekanntlich langsam, weshalb noch einmal einige Jahre hinzukommen, bis ein Gewinner feststeht.

Bestes Beispiel: Der Chiphersteller Rambus, dessen Taktik die Mitbewerber aus der Chip-Branche zu verklagen schon als moderne Wegelagerei bezeichnet wurde. Der Streit brachte Rambus nicht nur einige hundert Millionen sondern auch langfristige Lizenzzahlungen.

Wie fast immer im Leben geht es ums liebe Geld. Genau deshalb wird auch der Fall Facebook vs. studiVZ noch die ein oder andere News auf netzwelt nach sich ziehen. Am Ende dürfte es dann keinen wundern, wenn es zu einer Art Fusion zwischen Facebook und studiVZ kommt. Der eine bekommt endlich Zutritt zum deutschen Markt und der andere einen lukrativen Anteil am Facebook-Kuchen. Der Weg dahin wird noch einige Anwälte beschäftigen und darf in dieser Kolumne als "Brautschau" bezeichnet werden. In diesem Sinne wünscht netzwelt ein schönes Wochenende.

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