Ausprobiert: Der eigene Webserver mit Opera Unite
Zusätzliche Dienste über den Online-Katalog
So auch bei "Photo Sharing": Der Betreiber wählt einen Ordner mit Bildern aus und stellt sie damit auf der Unite-Seite ähnlich wie in einem Flickr-Album zur Verfügung. Die Betrachtungsmöglichkeiten dabei sind allerdings recht eingeschränkt. Eine Diashow-Funktion oder Vollbildanzeige gibt es nicht. Auch der integrierte "Media Player" ist noch stark verbesserungswürdig. Sein Name verspricht deutlich mehr, als er ist. Er ermöglicht nämlich lediglich, Musikdateien im MP3-Format abzuspielen - mehr nicht.
Interessanter ist sicherlich die "Lounge": Dabei handelt es sich um einen Chatroom, in dem sich Besucher der Seite mit einem Nicknamen einloggen und sich unterhalten können. Ein nettes, aber kaum nützliches Gimmick ist "Fridge", eine Pinnwand auf der jeder Besucher für alle sichtbar bunte Notizzettel anheften kann. Mit maximal 40 Zeichen Länge sind ihre Einsatzmöglichkeiten aber sehr beschränkt. Falls Opera damit auf die Pinnwandfunktion von Facebook oder studiVZ zielt, ist das zu wenig.
Englischsprachige Einrichtungsanleitung von Opera (Quelle: Opera, via YouTube)
Zu guter Letzt erhält der Betreiber eines Opera-Unite-Servers mit "Web Server" die Möglichkeit, kostenlos seine eigene Website zu hosten. Da hierfür alle notwendigen Dateien auf dem eigenen Rechner gespeichert werden, kann man sich die Kosten für einen Webspaceanbieter sparen. Für kleine Websites von Privatpersonen oder Vereinen ist das sicherlich eine günstige Lösung. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Website so ebenfalls nur erreichbar ist, wenn der heimische Rechner mit dem Internet verbunden ist.
Weitere Dienste können in Zukunft über einen Online-Katalog von Opera heruntergeladen werden. Zur Zeit gibt es aber nur die oben genannten. Nach Angaben von Opera kann man auch eigene Dienste erstellen und in den Katalog einstellen. Die Dienste basieren ausschließlich auf offenen Webstandards wie HTML, CSS, JavaScript, AJAX und SVG. Das hat den Vorteil, dass kein zusätzliches Browser Plugin wie der Flash-Player nötig sind. Ein Problem für Benutzer des Internet Explorers könnte die Verwendung von SVG darstellen: Microsofts Browser unterstützt das Vektorformat selbst in der neuesten Version 8 nicht.
Fazit
Trotz Beta-Stadium funktionierte Opera Unite schon ziemlich gut. Nur ein paar Mal gab es kleinere Probleme, beispielsweise, dass die Seite für einige Sekunden nicht erreichbar war. Opera hat schon in der Vergangenheit immer wieder neue Funktionen eingeführt, die andere Browser mit einigen Jahren Verzögerung in ähnlicher Weise integriert haben. Mit Opera Unite könnte es genauso kommen. Die Idee, dass der einzelne Benutzer zum Server wird und seine privaten Bilder, Musik und Dokumente selbst bereitstellt, statt sie einer fremden Plattform wie Facebook, MySpace oder Flickr anzuvertrauen, ist interessant.
Ob die Lösung von Opera ausreicht, zentrale Anbieter zu ersetzen, wie Opera-Mitarbeiter Lawrence Eng das gerne hätte, ist aber fraglich. Die Möglichkeiten, die Opera Unite bietet, sind dazu im Moment noch viel zu eingeschränkt. Dass der Browser ständig gestartet und der Computer mit dem Internet verbunden sein muss, damit andere Personen auf die Daten zugreifen können, ist eine große Einschränkung. Als Lösung dafür würde sich ein stromsparender Nettop-PC anbieten, der im Dauerbetrieb als kleiner privater Server dienen könnte.
Für einige Anwender ist Opera Unite schon heute interessant. Vielleicht verhilft die Funktion dem Browser aus Norwegen zu einem etwas höheren Marktanteil als dem aktuell knapp einen Prozent. "Das Internet neu erfinden", wie Opera verspricht, wird die Funktion aber sicherlich nicht.
Weitere Informationen
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