Handys erzeugen aus der Strahlung von Fernsehern und WLANs Strom

Nokia: Elektrosmog soll Handy-Akkus aufladen



10.06.2009 15:26 Uhr

Nokia: Elektrosmog soll Handy-Akkus aufladen Jesus beglückte seine Jünger angeblich damit, dass er Wasser zu Wein machte. Ähnliche Gefühle könnte Nokia in einigen Jahren bei Handy-Besitzern auslösen. Der finnische Handy-Hersteller arbeitet an einer Technik, die die elektromagnetische Strahlung der Umgebung, auch bekannt als Elektrosmog, nutzt, um die Akkus von Mobiltelefonen aufzuladen. Dies berichtet die Zeitschrift "Technology Review" des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in ihrer Online-Ausgabe.

Elektrosmog gilt heute noch als Ärgernis. Die Radiowellen von Fernsehern, Monitoren, drahtlosen Netzwerken oder Handys stören unter Umständen andere technische Geräte und stehen im Verdacht, die Gesundheit von Menschen negativ zu beeinflussen. Doch schon in wenigen Jahren könnten sie nützlich sein.

Die Wissenschaftler im Forschungszentrum von Nokia im britischen Cambridge haben einen Prototyp entwickelt, der aus der Umgebungsstrahlung eine Stromleistung von drei bis fünf Milliwatt erzeugt. Derzeit arbeiten die Forscher um Markku Rouvala an einem Gerät, das 50 Milliwatt zieht. 50 Milliwatt würden laut Rouvala ausreichen, um ein ausgeschaltetes Handy oder einen MP3-Player langsam aufzuladen.

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Joshua Smith, der für Intel im gleichen Themenbereich forscht, sagte der Zeitschrift, dass 1.000 starke Signale nötig wären, um die von Nokia angepeilten 50 Milliwatt zu erzeugen. Die Technik würde also im Großraumbüro in der Innenstadt deutlich besser funktionieren als im Garten des Einfamilienhauses in der Vorstadt.

Technik im kleinen schon im Alltag angekommen

Der Prototyp von Nokia arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die RFID-Funkchips in Kaufhaus-Etiketten, die auch nur Signale aussenden, wenn eine Lesegerät sie auf einer Distanz von wenigen Metern mit Strom versorgt. Dabei wandelt eine Antennenspule elektromagnetische Wellen in elektrische Signale um. Dabei entsteht ein schwacher Induktionswechselstrom. Zwei passive Schaltkreise seien nötig.

"Selbst wenn man nur Mikrowatt erzeugt, kann man Energie gewinnen. Die Konstruktion darf nur nicht mehr Strom verbrauchen, als sie erzeugt", erklärt Rouvala. Nokia erhöht die Leistung seines Prototypen durch die Verwendung eines Breitband-Empfängers, der Signale im Frequenzbereich von 500 Megahertz bis 10 Gigahertz aufnimmt.

"Erste Geräte in drei bis vier Jahren"

Geräte, die diese Technik nutzen, sind bereits in Nischen verfügbar und versorgen RFID-Chips und drahtlose Sensoren mit Strom. Die Entwicklung von Nokia könnte der Technik zum Durchbruch auf dem Massenmarkt verhelfen. Nokia-Forscher Rouvala ist gegenüber Technology Review zwar mit Details zurückhaltend, lässt sich aber doch zu einer Einschätzung hinreißen: "Ich gehe davon aus, dass die Technik in drei bis vier Jahren in Geräten eingesetzt werden kann."

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