Für DSL-Anbieter lohnt sich IPTV bisher kaum, nur wenig Kunden wollen zahlen
IPTV: Internet-TV ist bisher kein Blockbuster
Fernsehen über das Internet (IPTV) ist im deutschsprachigen Raum für Telekom-Anbieter bisher kein lohnendes Geschäft. Vor allem technische Kinderkrankheiten und die geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden bedrohen den Erfolg von IPTV. Eine Studie des Berliner Strategieberatungsunternehmens Goldmedia kommt zu dem Schluss, dass TV-Dienste alleine nicht ausreichen, damit IPTV wirtschaftlich betrieben werden kann. Selbst für große Anbieter wie die Deutsche Telekom, Swisscom oder Telekom Austria lohnt es sich erst, wenn man Gesamteffekte durch Kundenbindung und Kundenwachstum einberechnet.

"Ob sich die Investitionen in IPTV für einen Anbieter lohnen, hängt auch von der Gesamtstrategie des Unternehmens ab", sagt Goldmedia-Consultant und IPTV-Experte Mathias Birkel. "Der für IPTV notwendige Ausbau der Netze bedarf hoher Investitionen. Neben IPTV sind heute kaum Services üblich, die sehr große Bandbreiten von 16 Megabit pro Sekunde und mehr erfordern. Das wird sich zukünftig aber ändern. Plant ein Unternehmen langfristig die Einführung von Diensten mit hohen Bandbreiten, relativieren sich die Netzausbaukosten für IPTV und zahlen sich rückwirkend aus. Zudem sind hohe Bandbreiten heute ein wichtiges Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb."
Hohe Kosten, geringe Einnahmen
Um ein komplettes IPTV-Angebot aufzubauen und rentabel zu betreiben, muss ein Anbieter mindestens rund 2,5 Millionen Breitbandkunden haben. Die größten Chancen hat dabei die Deutsche Telekom mit elf Millionen DSL-Kunden in Deutschland. Bei den Konkurrenten sieht es schlechter aus: Arcor hat derzeit 3,2 Millionen und Alice 2,3 Millionen DSL-Kunden. Doch selbst mit genügend Kunden ist das IPTV-Geschäft ein Geduldsspiel. Gewinne werden frühestens nach fünf Jahren erziehlt. Ein Telekom-Anbieter muss selbst allerdings nicht unbedingt ein komplettes Angebot aufbauen. Für kleinere Anbieter lohnt sich ein IPTV-Dienst schon ab 250.000 Kunden, wenn sie bestehende Anbebote eines anderen Telekom-Anbieters weitervermakten.
Wegen der umfangreichen Free-TV-Angebote und den Rundfunkgebühren haben es zusätzliche Bezahlangebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz schwer. Nach Angaben der Financial Times Deutschland lehnen es 47 Prozent der Deutschen ab, zusätzlich zu den Rundfunkgebühren für TV-Angebote zu zahlen. Unter den 18- bis 24-jährigen sind es sogar 71 Prozent. Die Wirtschaftszeitung beruft sich auf eine Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture. IPTV-Angebote müssten daher einen echten Mehrwert gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen bieten.
Die Angst vor dem Bluescreen
Auch die technische Qualität spielt eine große Rolle. Die Toleranz der Fernsehnutzer für Mängel ist vergleichsweise gering. Während man bei der Internetnutzung lange Ladezeiten bei Websites und Bild- und Tonaussetzer bei Streaming-Videos gewohnt ist, werden beim Fernsehen Störungen kaum akzeptiert. Technische Mängel und Probleme bei der Bedienbarkeit schrecken daher Kunden vom Internetfernsehen schnell ab.
Bis die Fernsehnutzer IPTV annehmen, wird es noch etwas dauern. Die Goldmedia-Studie geht davon aus, dass im Jahr 2014 3,1 Millionen Kunden Fernsehen über das Internet beziehen. Das wären knapp acht Prozent der 40 Millionen Haushalte in Deutschland. Zur Zeit sind es weit unter eine Million.

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Ich lebe seit einigen Jahren in Belgien und habe hier das IPTV-Angebot von Belgacom angetestet. Das wird hier als Alternative zu Kabel-TV verkauft und ist tatsächlich in (fast) jeder Hinsicht vergleichbar. ...
Nur zur Klärung: Internet TV und IPTV ist nicht ein und dasselbe. IPTV services sind TV services, die im allgemeinen von Telcos angeboten werden. Internet TV (oft auch als Web TV) bezeichnet sind angebote, die...