Ab zehn Prozent Marktanteil lohne sich die Virenprogrammierung für Kriminelle
Wegen großer Beliebtheit: Smartphones von Viren bedroht
Meldungen über Handy-Viren sind bisher nie sonderlich beunruhigend gewesen. Das könnte sich mit dem Siegeszug der Smartphones ändern. Forscher der US-amerikanischen Northeastern University in Boston befürchten "Ausbrüche epidemischen Ausmaßes", wie der Newsdienst Pressetext meldet. Bisher haben sich Attacken wegen der niedrigen Verbreitung nicht gelohnt. Doch die Wissenschaftler glauben, dass Angriffe auf Smartphones starten, wenn ein bestimmtes Betriebssystem einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent erreicht.
Diese kritische Schwelle könnten die Business-Handys bald erreicht haben, wie eine aktuelle Studie der Marktforscher von Gartner zeigt. Im ersten Quartal 2009 sind weltweit 36,4 Millionen Smartphones verkauft worden, ein Anstieg um 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Im Gegensatz zu Handys, die in der Regel ja nur ein paar Telefonnummern gespeichert haben, gibt es für Cyberkriminelle auf den Smartphones wesentlich mehr zu holen. So sind in der Regel E-Mails, Notizen, geschäftliche Informationen und Kontaktadressen auf den Business-Handys abgelegt. Wahrscheinliche Kandidaten für Angriffe sind Geräte, die mit dem Betriebssystem Symbian arbeiten. So nutzt beispielsweise das neue Nokia E75 mit Symbian OS 9.3. Auch Smartphones mit Windows Mobile dürften dann auf der Abschussliste der Virencoder stehen.
Hybrid-Viren kombinieren Bluetooth und MMS
Als Ausbreitungswege kommen in erster Linie Bluetooth und MMS infrage. Besonders gefährlich könnten die Angriffe in Firmen, auf Konferenzen oder Messen sein, also überall da, wo viele Smartphone-Besitzer in Bluetooth-Reichweite zusammen sind. Noch wirkungsvoller seien Hybrid-Viren, die Bluetooth und MMS kombinieren. Aufgrund der schnellen Verbreitung der Malware auf Mobiltelefonen könnte ein Ausbruch "schlimmer als alles sein, was herkömmliche PC-Viren verursachen können", warnt Professor Albert-László Barabási auf der Webseite der Bostoner Privat-Uni. Die Ergebnisse wurden auch in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" veröffentlicht.
Ein Grund für die Studie sei gewesen, die potenziellen Ausbreitungsmuster der Malware zu erkennen und auf diese Weise herauszufinden, wie man die Angriffe am besten stoppen kann. Dazu haben die Autoren auch das Kommunikationsverhalten der Smartphone-Besitzer studiert, indem sie die anonymisierten Daten von Telefonrechnungen analysierten.
Zur Panik besteht aber derzeit kein Anlass. Gegenüber Pressetext erklärt Mikko Hyppönen, Chief Research Officer bei F-Secure: "Wissenschaftlich ist diese Studie interessant, obgleich derzeit wenig davon für Durchschnittsuser relevant sein dürfte". Bis die Gefahr wirklich relevant wird, können Handy-Besitzer schon mal eine sehr einfach zu realisierende Sicherheitsmaßnahme üben: Den Bluetooth-Anschluss des Geräts deaktivieren, wenn er nicht benötigt wird.
Weitere Informationen
Dieser Artikel bezieht sich auf das Produkt Nokia E75. Im Datenblatt finden Sie weitere Technische Daten zu Nokia E75. Zusätzlich haben wir ein Special zu Virenschutz vorbereitet.
