Ionen-Kühlung mit Heatpipes und Elektroden

EHD: Neue Kühltechnik macht Notebooks lautlos

Kühlung ist immer ein Problem, besonders bei leistungsfähigen Laptops. Denn der Platz im Laptop ist knapp. Die Lüfter sind entsprechend klein und müssen daher schneller drehen, um die Abwärme nach draußen zu leiten. Das hat unüberhörbare Folgen und viele Anwender beklagen sich über das lästige Heulen, wenn der Ventilator alle paar Minuten hochdreht.

Notebook Kühlung Tessera
Infrarot-Bild eines mit EHD gekühlten Laptops. (Bild: Tessera)

Abhilfe schaffen könnte eine neue Technik des kalifornischen Unternehmens Tessera, die elektrohydrodynamische Kühlung (EHD). Das Prinzip ist eigentlich ganz logisch. Über dem Prozessor sind zwei Elektroden angebracht, eine positiv geladene ("Corona") und eine Sammel-Elektrode. Durch die anliegende Spannung wird die Luft über dem Prozessor ionisiert. Die Luftmoleküle fließen in Richtung der Sammel-Elektrode.

Werbung

Kollidieren sie mit nicht-ionisierten Molekülen, wird die positive Ladung übertragen und die Luft fließt noch schneller. So entsteht der Kühleffekt. Laut Tessera ist das System etwa um 30 Prozent wirksamer als herkömmliche Systeme.

Das geschlossene EHD-Modul wird dabei einfach auf der Oberfläche des Chips (Prozessor, Chipsatz oder Grafikprozessor) platziert, an der normalerweise der Ventilator sitzt. Die Luft wird dabei mit Heatpipes von der Oberfläche weggeführt. Ein PDF-Dokument, das die Funktionsweise detailliert erklärt, findet sich auf der Website von Tessera. Den Link dorthin finden Sie am Ende dieses Artikels, in den Links zum Artikel.

Vorteile: Lautlose Kühlung, kompakte Bauweise

Der Vorteil liegt auf der Hand. Wo kein Lüfter rotiert, entsteht auch kein Geräusch. Wenn dann statt der Festplatte auch noch eine Solid-State-Disk (SSD) zum Einsatz kommt, ist das Notebook völlig lautlos. Außerdem ist ein EHD-Modul wesentlich kompakter als ein konventioneller Kühler. Das begünstigt den Bau noch kleinerer Notebooks. Auch der Trend zu ultradünnen Geräten könnte dadurch einen weiteren Schub bekommen.

Die Technik könnte auch in PCs, Spielkonsolen oder Beamern zum Einsatz kommen. Laut Tessera ist das System nicht besonders aufwendig und daher kostengünstig. Allerdings werden für Hersteller die das System verbauen Lizenzgebühren anfallen. Die Idee geisterte schon seit Längerem durch die IT-Branche. Doch jetzt ist es Tessera erstmals gelungen, einen Laptop mit dieser Kühltechnik in Betrieb zu nehmen. Tessera ist ein Technologie-Unternehmen, das besonders in den Bereichen Halbleitertechnik und Digital-Optik aktiv ist. Sitz der Firma ist im kalifornischen San José.

Ein noch nicht ganz gelöstes Problem ist der Staub, der die Kühlleistung verringert. Hier versuchen die Entwickler mit verbesserten Materialien zu arbeiten, die weniger Staub an der Oberfläche binden. Als heikel könnte sich auch die Stromversorgung erweisen. Das EHD-Modul benötigt eine eigene Batterie, die eine Spannung von 3.000 Volt erzeugt. Somit wird es noch ein oder zwei Notebook-Generationen dauern, bis erste Geräte mit lautloser EHD-Kühlung auf den Markt kommen.

Forum

Eigenen Kommentar schreiben