Plattenfirmen fordern Schadensersatz von Entwickler eines P2P-Protokolls

Filesharing: Prozess gegen Programmierer in Spanien

Filesharing: Prozess gegen Programmierer in Spanien Am gestrigen Dienstag hat in der spanischen Hauptstadt Madrid der Prozess gegen den Entwickler des P2P-Protokolls Manolito (MP2P) begonnen. Mehrere Plattenfirmen fordern insgesamt 13 Millionen Euro Schadensersatz wegen unlauteren Wettbewerbs, da Internetnutzer mit Filesharing-Programmen, die auf dem Protokoll basieren, ihre Musik heruntergeladen hätten, ohne zu bezahlen.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Programmierer statt Nutzer vor Gericht
  2. 2Urteil innerhalb eines Monats, Rechtsmittel möglich
  3. 3Gesetz soll Haftung regeln

Laut dem bei der Klage federführenden Musikverband Promusicae, dem unter anderem EMI, Sony, Universal und Warner angehören, nutzen rund 20 Millionen Menschen Programme des Programmierers Pablo Soto. Die Filesharing-Clients wie Piolet oder Blubster kämen zudem auf über 100 Internetseiten zum Einsatz.

Soto weist die Vorwürfe zurück. Nach eigenen Angaben verdient er mit den Programmen seinen Lebensunterhalt und ist sich keines rechtswidrigen Verhaltens bewusst. Laut der spanischen Tageszeitung "El Pais" sagte er, er wolle nicht der "Sündenbock" der Musikindustrie für die Verfehlungen der Nutzer sein, aber auch nicht den "Helden für alle Downloader" mimen.

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Programmierer statt Nutzer vor Gericht

Nachdem mehrere Klagen gegen Internetnutzer gescheitert seien, würde die Musikindustrie jetzt die Programmierer verklagen, kritisiert Soto. Spanische Gerichte haben in der Vergangenheit bereits mehrmals entschieden, dass kostenlose Musik-Downloads nicht illegal sind, solange sie nicht kommerziell betrieben werden.

Die Unterstützer von Soto argumentieren, dass die angeblichen Verluste von Plattenfirmen und Künstlern in Spanien bereits durch eine Sondersteuer auf CDs, USB-Sticks und Mobiltelefone ausgeglichen werden.

Urteil innerhalb eines Monats, Rechtsmittel möglich

Der Prozess gegen Soto wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt. Mit einem Urteil rechnet das Gericht innerhalb eines Monats. Legen Prozessbeteiligte Rechtsmittel ein, könnte sich das gesamte Verfahren aber über Jahre hinziehen.

Der Prozess wird in Spanien mit ähnlich großer Aufmerksamkeit verfolgt, wie die Verhandlung gegen die Betreiber des BitTorrent-Trackers "The Pirate Bay" in Schweden.

Gesetz soll Haftung regeln

Die spanische Regierung arbeitet unterdessen an einem Gesetz, das die Haftungsfragen beim Filesharing klären soll. Die beteiligten Internetprovider und die Musikindustrie konnten sich aber noch nicht auf eine gemeinsame Linie einigen.

Weitere Informationen

Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Filesharing hier.

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