Glühbirnen: Hamsterkäufe wegen EU-Verbot nur Randerscheinung (Update)
Osram rät von Hamsterkäufen ab
"Halogen- und Energiesparlampen können heute jede herkömmliche Glühbirne ersetzen", erklärt Petri. Es gebe sie in allen Formen, mit allen Sockeln und auch mit wärmeren, in der Regel als angenehmer empfundenen Lichtfarben als nur in Reinweiß. "Die Halogenbirnen brauchen keinen zusätzlichen Trafo und können Glühlampen problemlos eins zu eins ersetzen - auch im Kronleuchter", erläutert Petri. Ihr Stromverbrauch sei aber um 30 bis 50 Prozent geringer.
Gleiches ist vom Konkurrenten Osram zu vernehmen. Zwar passe der Hersteller seine Produktion herkömmlicher Glühlampen auch der Marktlage an, Hamsterkäufe seien jedoch unnötig. Es gebe genügend Alternativen zur klassischen Glühbirne. Die Verbraucher wüssten jedoch nicht ausreichend darüber Bescheid. Das oft als "zu kalt" empfundene Licht der Energiesparlampen sei bereits durch wärmere Lichtfarben ergänzt. Der Käufer müsse im Laden nur die gewünschte Lichtfarbe auswählen. Energiesparende Halogenlampen seien in Farbe und Form der klassischen Glühbirne besonders ähnlich.
Unterstützung erhalten die Glühbirnenhersteller von unabhängigen Experten. "Das Angebot an neuen Energiesparlampen ist mittlerweile so breit, dass es für alle Lampenarten Alternativen gibt", sagt der Energieexperte der Stiftung Warentest Lothar Beckmann. Hamsterkäufe sind für ihn unverständlich: "Das mit dem Preis ist doch eine Milchmädchenrechnung. Unser Birnentest hat kürzlich ergeben: Energiesparlampen haben mit etwa 15.000 Brennstunden eine ungefähr fünfzehnmal höhere Lebensdauer als die alte Glühlampe. Und Halogenlampen haben eine rund dreimal so lange Lebensdauer."
Umweltschützer stimmen der Industrie zu
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt ebenfalls vor kurzfristigem Denken. Wer jetzt panikartig Glühlampen hamstert, könnte sich - besonders wenn die Strompreise weiter steigen - später ärgern. Über die Nutzungsdauer von bis zu zehn Jahren sparen Energiesparlampen richtig Geld, so die Umweltschutzorganisation.
Einen Blick in die nahe Zukunft werfen die Leuchtmittel-Hersteller. Ihre Ingenieure arbeiten fleißig an ständig verbesserten und immer günstiger zu produzierenden LED-Lampen. Sie seien ähnlich effizient wie Energiesparlampen, werden ohne giftiges Quecksilber hergestellt und sind in den Anwendungsmöglichkeiten besonders variabel und robust. Noch schreckt allerdings der hohe Anschaffungspreis ab. Rund 50 Euro kosten Glühbirnen mit Leuchtdioden derzeit.
Leuchtdioden als perfekte Lichtquelle
Klaus Petri von Philips kündigt gegenüber netzwelt für den September die ersten LED-Glühbirnen für den normalen Verbraucher an, die weniger als 30 Euro pro Stück kosten sollen. "Bei einer Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden rechnet sich schon dieser Preis für den Kunden", so Petri. Er rechnet in den nächsten Jahren aber noch mit weiter sinkenden Preisen.
Update vom 1. September: 100-Watt-Birnen verboten
Am heutigen Dienstag tritt europaweit das von der EU beschlossene Herstellungs- und Verkaufsverbot für herkömmliche 100-Watt-Glühbirnen in Kraft. Die Händler dürfen allerdings noch Restbestände verkaufen. Ab September 2010 dürfen keine 75-Watt-Lampen mehr eingeführt und produziert werden, und ab dem Jahr 2011 verschwinden die 60-Watt-Birnen vom Markt. Ein Jahr später verbannt die EU dann auch die 40-Watt-Birnen aus den europäischen Regalen.
Links zum Thema
- Vorurteile gegenüber Energiesparlampen unbegründet
- Verbot: EU schafft klassische Glühbirne ab
- Philips Licht
- Osram
