Papageie tanzen mit Motiv
Kurzfilm der Woche: Snowball, der Papagei mit Taktgefühl
Der Hauptdarsteller des heutigen Kurzfilms ist ein begnadeter Tänzer, der bereits in der Vergangenheit durch seine eigenwillige Tanztechnik aus Wippen und Stampfen für Medienrummel sorgte. Noch vielmehr als der exzentrische Tanzstil begeisterte allerdings die Tatsache, dass es sich bei diesem vermeintlichen Talent um einen Kakadu handelt. Nun landete der verrückte Vogel wieder in den Schlagzeilen, weil US-Wissenschaftler mehr als nur Zufall hinter den rhythmischen Bewegungen nachweisen konnten.
Den Gelbhaubenkakadu namens "Snowball" mögen die Forschungsergebnisse karrieretechnisch nicht kümmern, denn er kann sich seit Jahren auf eine große Fangemeinde auf YouTube verlassen. In zahlreichen privaten Videoaufnahmen bietet er seinen Anhängern einzigartige Tanzperformances aus rhythmischen Bewegungen untermalt durch Stampfen und Nicken im Takt. Auf diese Weise schaffte er es sogar in die amerikanische "Late Show" mit David Letterman. Lediglich sein Musikgeschmack ist gewöhnungsbedürftig, denn vorzugsweise tanzt er zur Musik der Boyband Backstreet Boys oder zu Hits von Queen.
Die große Treffsicherheit, mit welcher der prominente Snowball das Tanzbein schwang, bot US-Wissenschaftler Aniruddh Patel und Adena Schachner Anlass für eine umfassende Studie. In Experimenten mit Snowball veränderten sie die Geschwindigkeit der abgespielten Lieder und beobachteten, dass sich die Tanzperformance des Vogels dem Rhythmus anpasste. In einer zusätzlichen Untersuchung von über 1.000 Tiervideos aus dem Internet fanden sie heraus, dass außerdem 15 Tierarten, darunter 14 Papageien und eine Elefantenart, ebenfalls die Fähigkeit besitzen, sich im Takt zu bewegen.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass beide Tierarten der Gruppe der Lautimitatoren angehören. Was im Fall der Elefanten schwer vorstellbar ist, belegt ein wissenschaftlicher Bericht von Elefanten, die Geräusche vorbeifahrender Lastwagen imitieren. Mit ihrer Studie bewiesen die Wissenschaftler nicht nur, dass diese Tierarten über Tanzfähigkeit verfügen, sondern eröffneten außerdem neue Betrachtungsweisen der Zusammenhänge zwischen Musik, Sprache und Rhythmusgefühl. Die zentrale Erkenntnis der Forscher ist schließlich, dass Sprachfähigkeit Voraussetzung für Musikalität ist und als Produkt der Sprache entstand.
