Die Netzwerk-Konkurrenten tragen ihren Streit jetzt in drei Verfahren aus
Plagiatsvorwurf: Facebook verklagt erneut studiVZ
Facebook hat seinen deutschen Konkurrenten studiVZ vor dem Landgericht Köln verklagt. StudiVZ sei ein Plagiat des amerikanischen Originals, lautet der Vorwurf nach Angaben der Pressestelle des Gerichts. Das deutsche Online-Netzwerk habe mit seinem Logo, den Funktionen und dem Service geistiges Eigentum von Facebook kopiert. Außerdem sollen dessen Entwickler illegal auf das Rechnersystem von Facebook zugegriffen und den Quelltext der Seite gestohlen haben. Facebook hat daher auf Unterlassung geklagt. Ein studiVZ-Sprecher wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Der Vorsitzende Richter Heinz Georg Schwitanski schlug den Streitenden vor, sich außergerichtlich zu einigen, einen unabhängigen Gutachter die Quelltexte der beiden Seiten vergleichen zu lassen. So soll festgestellt werden, ob und in welchem Umfang studiVZ tatsächlich Code des Originals kopiert hat. Falls sich die Beteiligten nicht einigen können, will das Gericht Mitte Juni eine Entscheidung fällen.
Drei Verfahren zwischen zwei Streitenden
Mit diesem Verfahren läuft bereits das dritte, das diesen Fall behandelt. Facebook hatte die Betreiber von studiVZ am 18. Juli 2008 bereits mit ähnlichen Vorwürfen vor dem US-Bezirksgericht in San Jose, Kalifornien verklagt. Am selben Tag konterte studiVZ mit einer Feststellungsklage vor dem Landgericht Stuttgart, um feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffen. Die aktuelle Klage hatte Facebook im November in Köln eingereicht. Am Dienstag gab es eine erste mündliche Verhandlung.
Facebook war Anfang 2004 in den USA als Netzwerk für Harvard-Studenten online gegangen. Zunächst konnten sich nur Studenten ausgewählter US-Hochschulen auf der Seite registrieren. Seit 2006 ist die Community für jeden über 13 Jahren frei zugänglich. Das studiVZ wurde im 2005 für deutsche Studenten gegründet. Anfang 2007 wurde es von der Verlagsgruppe Holtzbrinck übernommen. Erst im Frühjahr 2008 startete Facebook auch eine deutschsprachige Seite. Zu diesem Zeitpunkt hatte studiVZ zusammen mit den zwischenzeitlich gestarteten Schwesterseiten schülerVZ und meinVZ den deutschen Markt bereits erobert.
Die einen stupsen, die anderen gruscheln
Bis zur vollständigen Umgestaltung der Facebook-Seite im Juli 2008 sahen sich die beiden Konkurrenten tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Der einzige nennenswerte Unterschied war die Farbgebung: Während die Facebook-Seite in Blautönen gehalten war, setzte studiVZ auf Rot. Neue Funktionen von Facebook wie "Anstupsen" oder "Chat" tauchten mit einiger Verzögerung auch im studiVZ auf als "Gruscheln" oder "Plauderkasten".
Heute haben sich weltweit mehr als 200 Millionen Benutzer bei Facebook registriert. Das StudiVZ hat nach eigenen Angaben alleine 5,5 Millionen Nutzer; zusammen mit schülerVZ und meinVZ sind es rund 13 Millionen. Seit dem Start der deutschen Seite konnte Facebook etwas mehr als zwei Millionen Nutzer gewinnen.
