Prozessbeteiligte könnten Beiträge in ihrem Sinne ändern und ausdrucken

Wikipedia: Artikel kein Beweismittel vor Gericht

Wikipedia: Artikel kein Beweismittel vor Gericht Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat New Jersey hob ein Urteil eines untergeordneten Gerichts auf, weil es sich auf einen Ausdruck eines Wikipedia-Artikels als Beweismittel stützte. Prozessbeteiligte könnten Beiträge in ihrem Sinne verändern. In dem Verfahren wollte der Kläger anhand von Wikipedia Firmenverkäufe belegen, um vom Beklagten Kreditkartenschulden eintreiben zu können.

In dem ursprünglichen Verfahren vor einem Gericht in Hackensack forderte das Inkassounternehmen "Palisades Collection" Kreditkartenschulden in Höhe von mehr als 30.000 Dollar ein. Der beklagte 48-jährige Steven Graubard habe die Schulden seit 1999 auf einer Kreditkarte der Chevy Chase Bank angesammelt. Die Bank wechselte in den folgenden Jahren mehrfach den Besitzer. Einer der Besitzer habe dann die Schuldenforderung an das Inkassounternehmen abgetreten. Der Anwalt der klagenden Firma legte vor Gericht neben einem Artikel der "New York Times" auch einen Ausdruck eines Wikipedia-Artikels vor, um die Verkäufe und Besitzerwechsel zu belegen. Die Richter in der ersten Instanz erkannten den Beitrag von Wikipedia als Beweismittel an.

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Veränderbare Quellen können kein Beweismittel sein

Der "Superior Court of New Jersey" entschied am 17. April 2009, dass der Anspruch des Inkassounternehmens nicht hinreichend belegt worden war. Der Wikipedia-Artikel sei als Beweismittel nicht zulässig. Im schriftlichen Urteil des Gericht heißt es: "Jede Person mit Internetzugang kann sich ein Nutzerkonto erstellen und bei Wikipedia Einträge verändern." Zudem verwiesen die Richter noch auf die Warnung von Wikipedia selbst, dass die Inhalte der Seite auch in bösartiger Absicht geändert werden können. Es sei also ein Leichtes für einen Kläger oder Beklagten, die Inhalte für die eigenen Zwecke zu ändern. Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass Wikipedia-Artikel grundsätzlich nicht als Beweismittel anerkannt werden dürfen, weil sie veränderbar seien und ihre Entstehung nicht vor Gericht überprüft werden kann.

Die Berücksichtigung des Wikipedia-Artikels im ersten Prozess ist dem Berufungsgericht zufolge ein Formfehler. Das klagende Inkassounternehmen habe die Kette der Verkäufe und damit seinen Anspruch folglich nicht ausreichend belegen können. Den Zeitungsartikel aus der "New York Times" erkannten die Berufungsrichter dagegen als Beweismittel an. "Palisades Collection" kann noch Rechtsmittel einlegen.

Schulden nie bestritten

Gegenüber der Lokalzeitung wundert sich Graubard über das Verhalten des Inkassounternehmens. Er habe nie bestritten, die Kreditkarten besessen oder die Schulden gemacht zu haben. Es habe in seinen Augen keinen Grund gegeben, den Wikipedia-Artikel als Beweismittel vorzulegen.

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