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Ab 1. Juli 2009: EU senkt Gebühren für Handy im Ausland Neue Höchstgrenzen für Handy-Gespräche, SMS und mobiles Internet

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Die Europäische Union macht sich bei Mobilfunkanbietern unbeliebt - steigert im Gegenzug aber ihr Ansehen bei deren Kunden. Ab 1. Juli 2009 gelten neue, teilweise deutlich niedrigere Höchstgrenzen für Handygebühren im Ausland.

Das EU-Parlament stimmte am gestrigen Mittwoch den neuen Obergrenzen für Handykosten im Ausland zu. Damit werden rechtzeitig zur Ferienzeit ab 1. Juli 2009 die so genannten Roaming-Gebühren teilweise deutlich gesenkt. Die beschlossenen Höchstpreise für Handy-Gespräche, SMS und Internet-Nutzung sind ein Kompromiss zwischen EU-Parlament, EU-Regierungen und EU-Kommission. Mobilfunkunternehmen kritisieren die neue Regelung. Ihnen sind die Gebühren zu niedrig.

Netzbetreiber dürfen der Verordnung der Europäischen Union (EU) zufolge ihren Kunden ab Juli 2009 maximal 43 Cent pro Minute für Handygespräche aus dem Ausland berechnen. Im Sommer 2010 soll der Höchstbetrag pro Minute auf 39 Cent und 2011 auf 35 Cent pro Minute sinken. Für im EU-Ausland angenommene Anrufe auf dem Handy kassieren Mobilfunkanbieter maximal 19 Cent. Ab Juli 2010 dürfen sie ihren Kunden höchstens 15 Cent und ab 2011 maximal elf Cent pro eingegangenem Anruf in Rechnung stellen.

SMS im Ausland günstiger als in Deutschland

Für aus dem Ausland versendete Kurznachrichten gilt bereits ab diesem Sommer ein Höchstpreis von elf Cent. Damit sind sie sogar deutlich günstiger als innerhalb Deutschland versendete SMS, deren typischer Preis laut Branchenverband Bitkom bei 19 Cent liegt. Bisher sind den Anbietern für die Berechnung von Kurzmitteilungen keine Grenzen gesetzt und so kostet eine Kurznachricht teilweise 80 Cent.

Auch die Gebühren für Daten-Roaming etwa in Form von mobilen Internetzugang begrenzt die EU. Ab 1. Juli dürfen sich die Netzbetreiber maximal noch einen Euro pro Megabyte berechnen. Im Juli 2010 sinkt der Höchstbetrag auf 80 Cent und 2011 auf 50 Cent. Damit sind die Kosten immer noch deutlich höher als die in Deutschland üblichen 24 Cent pro Megabyte.

Abfrage der Mailbox ab 2010 kostenlos

Spätestens ab Juli 2010 muss außerdem das Abhören der eigenen Voicemail-Box im Ausland kostenlos sein. Die Mobilfunkanbieter müssen die Roaming-Gebühren in Zukunft sekundengenau abrechnen. Sie können allerdings einen Mindestbetrag pro Verbindung berechnen. Diese entspricht einer Dauer von 30 Sekunden.

Die von der EU festgelegten Grenzwerte erhöhen sich allerdings noch um die Mehrwertsteuer der einzelnen Mitgliedsländer. Für Verbraucher in Deutschland liegen sie damit um 19 Prozent höher - statt 43 Cent pro Minute kann das Handygespräch aus dem Ausland also bis zu 51 Cent kosten statt aktuell bis zu 55 Cent. Eine SMS kostet inklusive Mehrwertsteuer 13 statt elf Cent.

Mobilfunkunternehmen unzufrieden

Der Lobbyverband Bitkom kritisiert als Interessenvertretung der Mobilfunkunternehmen die neue EU-Regelung als Preisdiktat. "Die massiven Interventionen der EU in den funktionierenden Markt schießen übers Ziel hinaus," findet Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Zudem würden mit den sinkenden Höchstpreisen den Unternehmen "Mittel entzogen, die anschließend für Investitionen im Netzausbau und -qualität fehlen".

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Jan Johannsen
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