Teure Sicherheit: Abhörsicher Telefonieren mit der No1.BC-Card
BSI sieht "grenzwertige Formulierung"
"No1.Business Communication" verweist in seiner Pressemitteilung darauf, dass sein Produkt die Richtlinie BSI-DSZ-CC-0348-2006 für Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beachte. Für BSI-Sprecher Matthias Gärtner eine "grenzwertige Formulierung": "Bei dem genannten Dokument handelt es sich um eine Hardwarezertifizierung und nicht um eine Richtlinie des BSI.
Die No1.BC-Karte ist laut Gärtner vom BSI bisher nicht bewertet worden. Das Amt habe bisher nur wenige Verschlüsselungslösungen für Handys wie "Secuvoice mobile" von Secusmart oder "SiMKo2" von T-Systems für den Gebrauch in Behörden zugelassen.
Viel Lärm um nichts
Sicherheitsexperten bewerten das Angebot von "No1.Business Communication" als nicht vertrauenswürdig. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs und selber Besitzerin eines speziellen Cryptophons, hält es für "nicht vertrauenswürdig, vor allem, weil es keine Details zu den Algorithmen und ähnlichem offen legt." Anders als bei quelloffenen Verschlüsselungsverfahren kann kein unabhängiger Experte die Wirksamkeit überprüfen. Der Kunde muss sich auf die Seriosität des Anbieter verlassen.
Gerade hier bestehen in den Augen von Constanze Kurz Mängel. Die Aussagen des Anbieters und die Webseite klingen für sie "ziemlich unseriös". Eine zertifiziert Chipkarte sage noch nichts über die Sicherheit der Verschlüsselung aus. Sie halte viele der getroffenen Aussagen, die nur von Wissenschaftlern zu überprüfen sind, für übertrieben. Sie benutzt den Begriff "snake oil" oder auf Deutsch Schlangenöl. Dieser ist vor allem bei Software die Bezeichnung für ein Produkt, das wenig oder keine echte Funktion hat, aber als Wundermittel zur Lösung vieler Probleme vermarktet wird.
Systemvoraussetzungen, Preis und Verfügbarkeit
Um das Angebot von "No1.Business Communication" nutzen zu können, muss das Smartphone mindestens über einen Prozessor mit einer Taktrate von 520 Megahertz sowie einen freien microSD-Steckplatz verfügen. Da die Verschlüsselung über VoIP erfolgt, ist eine Internetverbindung nötig. Gegenwärtig unterstützt die No1.BC-Karte als Betriebssystem nur Windows Mobile 6 von Microsoft. Versionen für Blackberry und Symbian OS sollen in Kürze verfügbar sein.
Die No1.BC-Karte soll ab dem 25. April 2009 erhältlich sein. Allerdings macht der Preis sie für durchschnittliche Handybesitzer zu teuer. Die unverbindliche Preisempfehlung für die Karte liegt bei 1.190 Euro. Darin enthalten ist die Nutzungsgebühr für das erste Jahr. Ab dem zweiten Nutzungsjahr werden jährlich 280 Euro fällig.
Links zum Thema
- No1.BC
- Bruce Scheier nennt neun Hinweise auf "snake oil"
- Secuvoice mobile von Secusmart
- T-Systems über SiMKo2
- BSI
