Dorf im Vereinigten Königreich wehrt sich erfolgreich gegen Street View
Verkehrte Netzwelt: Geballte Fäuste gegen Google Street View
Tumultartige Szenen in der englischen Grafschaft Buckinghamshire: Als Googles Street-View-Auto in der Stadt Broughton um die Ecke biegt, hindert eine Menschenkette den Kleinwagen mit der riesigen Kamera des Internet-Konzerns an der Weiterfahrt. Das berichtet die britische Times.

Inhaltsverzeichnis
- 1"Ich fühlte mich in der Pflicht, etwas zu unternehmen"
- 2Der wütende Aufstand des kleinen Mannes
- 3Ausgerechnet UK
Anführer des Aufstand ist Paul Jacobs: "Ich war in meiner Wohnung, als ich das Auto die Straße runterfahren sah", sagt er gegenüber der Times. "Und ich war sehr wütend - wieso darf jemand ein Foto von meinem Haus machen, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten?" Direkt im Anschluss lief er auf die Straße, stellte sich mit verschränkten Armen vor das Street-View-Auto und hinderte es an der Weiterfahrt.
"Ich fühlte mich in der Pflicht, etwas zu unternehmen"
"Der Fahrer verletzt nicht nur unsere Privatsphäre, sondern unterstützt auch die Kriminalität. Dies ist eine sehr wohlhabende Gegend, wir hatten in den vergangenen sechs Wochen bereits drei Einbrüche. Wenn jeder Kriminelle unsere Ortschaft vor einem Einbruch in aller Seelenruhe in Google Street View ausspionieren kann, kommt das einer Einladung gleich. Ich fühlte mich in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen", sagte er.
Jacobs alarmierte Polizei und Nachbarschaft, klopfte an die Türen der umliegenden Häuser. Schnell fanden sich weitere Anwohner ein, die eine Menschenkette bildeten. Das Ergebnis: Der Fahrer wendete seinen Wagen und Google verzichtet darauf, die Ortschaft in Street View einzubinden.
Der wütende Aufstand des kleinen Mannes
Eine Hand voll Menschen, bewaffnet mit der erhobenen Faust, lehnt sich gegen den allmächtigen Internet-Konzern auf. Der Vergleich zum bislang unentdeckten Volk im hintersten Winkel des Regenwaldes bietet sich an: Plötzlich steckt der Forscher seinen Kopf durchs Geäst und wird von Baströckchen tragenden Wilden mit Speeren in die Flucht geschlagen. Der Stamm bleibt unentdeckt. Wer jetzt die Engländer mit Wilden gleichsetzt, kann das gerne tun, aber auch hierzulande und in den USA wehrten sich bereits einzelne Städte und Gemeinden erfolgreich gegen Googles Digitalisierungspläne.
Doch gerade der Anti-Street-View-Protest in England weckt bei vielen Menschen auf Anhieb Sympathie: "Wenn dir etwas nicht passt, dann ändere es, geh auf die Straße!" Hier wehren sich ehrliche, zugegebenermaßen sehr wohlhabende Menschen, gegen offensichtliches Unrecht, so die Meinung vieler News-Kommentatoren.
Ausgerechnet UK
Zum Nachdenken regt die Tatsache an, dass dieser Protest, über den in dieser Woche ausgiebig international berichtet wurde, aus England kommt. Ausgerechnet aus England! Bei jedem Gang vor die Türe werden Bewohner der Insel schließlich mehrmals am Tag vom so genannten "Closed Circuit Television"-System (CCTV) gefilmt. Niemand weiß, welche Personengruppe genau diese Aufzeichnungen zu sehen bekommt. Im Falle Google Street View ist es hingegen ganz einfach, da genügt ein Klick auf die Maustaste. Und laut Google reicht es aus, bedenkliche Bilder dem Konzern zu melden, um diese entfernen zu lassen.
Auch die Verkehrte Netzwelt wurde vom schwarzen Street-View-Opel in Hamburg fotografiert. Leicht angeschmeichelt hat sie schnell ein Erinnerungsfoto gemacht und sich nichts weiter dabei gedacht. Vielleicht hätte sie sich aber auch archaisch vor das Auto werfen sollen, wild mit den Armen rudern müssen und von den vielen Einbrüchen in der Nachbarschaft erzählen sollen. Nieder mit dem neumodischen Technik-Krams! Aber sie fand das ein wenig albern. Denn bereits wenige Minuten später, als sie im strömenden Regen an der Bushaltestelle stand und auf dem Handy-Bildschirm mit Hilfe von Street View durchs sonnige, virtuelle San Francisco fuhr, auf dem Beifahrer-Sitz des Google-Autos, da hatte sie ihre Paranoia bereits wieder vergessen.

Technik ist ne tolle Sache.... aber: Ich glaube das eine große Anzahl von den Sateliten im All viel mehr "sehen" kann, als das was bei Google Earth für jeden von uns (jemals) zu sehen sein wird oder...
Zitat: Oh Herr, lass Hirn regnen :dow: sag ich doch............................................
hehe, dann rennt mal los und attackiert die Immobiliengeschäfte, denn manche haben sogar Bilder von der Innenarchtektur eurer Bauten ;) Oohh! und die Bauämter... Beseitigt am Besten auch die...
Zitat: Dahinter steckt meiner Meinung nach eine Mischung aus hirnloser Akzeptanz von Allem und Obrigkeitshörigkeit. Ich denke, dass diese Leute keine Ahnung haben was...
tja, das geht wohl in die selbe Richtung, wie : "ich habe nichts dagegen, dass mein Telefon angezapft werden kann, schliesslich habe ich ja nichts zu verbergen. Dahinter steckt meiner Meinung nach eine Mischung aus...