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CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie
Ermöglicht Webanbindung und Telefonie in "HD-Qualität"

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Schnurlose Telefone sind eigentlich recht langweilige Geräte. Doch ein neuer Standard verspricht Extrafunktionen: Mit CAT-iq werden die Schnurlosen internetfähig und qualitativ hochwertiger. Netzwelt hat sich die Technologie genauer angesehen.

Aus einem schnöden schnurlosen Telefon wird auf einmal ein digitaler Alltagsbegleiter. Wetternachrichten erscheinen auf dem Display, via Bluetooth-Anbindung werden Kontaktdaten mit dem Mobiltelefon ausgetauscht. Sogar Internet-Radiosender lassen sich abspielen, und wer einfach nur telefonieren möchte, gönnt sich den Luxus, Gespräche in verbesserter Klangqualität zu führen.

Möglich macht das ein neuer Standard für schnurlose Telefone: CAT-iq, was soviel heißt wie "Cordless Advanced Technology – internet and quality". Basis dieser Entwicklung ist der Funkstandard DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications), mit dem herkömmliche Schnurlostelefone ausgerüstet werden. Netzwelt hat sich angeschaut, was CAT-iq kann und zukünftig können soll.

Ein neuer Standard mit vielen Funktionen

Wer sich für ein neues schnurloses Telefon interessiert, wird in den Elektronikmärkten vor allem so genannte DECT-Telefone vorfinden. DECT ist jedoch ein reiner Telefonstandard, was ihn für die Vernetzung in den eigenen vier Wänden unbrauchbar macht. Hier kommt CAT-iq ins Spiel, der auf DECT basiert und dessen Nachfolge antreten möchte.

Denn mit CAT-iq werden die Schnurlosen internetfähig, wofür das "i" wie Internet in der Bezeichnung der neuen Technologie steht. Durch die Netzanbindung mutieren CAT-iq-fähige Telefone zu Multimedia-Geräten. Ähnlich wie Widgets auf Heimrechnern zeigen die Schnurlos-Telefone etwa aktuelle Nachrichten aus der Welt oder auch die Temperaturen des Wohnorts an. "Es liegt in der Kreativität des Geräteherstellers, wie er diese Datenfunktionalität nutzt", sagt der Siemens-Manager und Vorsitzende des Industrieverbandes DECT-Forum Erich Kamperschroer. So nutzen Hersteller die Technologie auch, um den Stand aktueller eBay-Funktionen auf den Schnurlosen auszuspielen oder RSS-Feeds anzuzeigen. Der Nachteil: Die Anzeige der Datenservices aus dem Netz wird zurzeit nur als Bildschirmschoner umgesetzt.

Basiert auf dem CAT-iq-Standard: Das Siemens Gigaset S685 IP ist für knapp 140 Euro erhältlich und hat auch Bluetooth für den Datenaustausch mit Mobiltelefonen oder PCs mit an Bord. (Quelle: Siemens)

Ein wesentlicher Vorteil zu herkömmlichen DECT-Telefonen ist auch die verbesserte Sprachqualität CAT-iq fähiger Geräte. Dafür steht das "q" wie "Quality". Hersteller sprechen gerne von Gesprächen in HD-Qualität, die CAT-iq ermöglicht.

Durch den neuen Standard soll aber in Zukunft noch mehr möglich sein: Per Internet-Anbindung kommunizieren die Schnurlosen mit anderen Geräten wie etwa Webradios, Festplattenspeicher und PCs, so die Vorstellung. Damit wird möglich, was ein Standard wie WLAN schon etwas länger kann: Alle Geräte vom Drucker bis zum Smartphone miteinander zu verbinden.

Das weltweit erste Telefon mit CAT-iq-Zertifikat: Das Siemens Gigaset S675 IP ging im Dezember 2007 an den Start. Es kostet wie das S685 IP ebenfalls 140 Euro. (Quelle: Siemens)

DECT Forum - der Lobbyverband

CAT-iq wurde erstmals 2006 von der Internationalen Fernmeldeunion, kurz: ITU, vorgestellt. Initiiert wurde der Standard ein Jahr zuvor vom DECT Forum, einem Industrieverband, der die Entwicklung der Technologie vorantreibt und in dem alle wichtigen Hersteller organisiert sind.

Wie branchenüblich ist das Marketing-Geschrei bei neuen Produkten und Technologien groß, da macht das DECT-Forum keine Ausnahme: In dem "Killer Application Field" Breitband/Telefonie positioniert sich der Verband CAT-iq. Dazu zählt die Lobby auch DSL/Kabel sowie DECT. Als weitere relevante Technologien für Heim-Anwendungen definiert das DECT-Forum die Bereiche Musik und TV (CD, HDTV, Internet Radio, IPTV) sowie PC und Gaming (WLAN, DSL, Kabel, Internet). Technologien dieser beiden anderen Felder soll CAT-iq zukünftig kombinieren.

Die Umsetzung des neuen Standards erfolgt in drei Stufen: Stufe 1 bezeichnet die Breitband-Audioqualitäten, Stufe 2 definiert das Streamen von Internet- und Audioinhalten. Für die Stufe 3 ist die Entwicklung weiterer Netzwerkfunktionen vorgesehen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Sie mit CAT-iq glasklare Telefongespräche führen können und welche Geräte auf dem Markt erhältlich sind.

Voraussetzungen: DSL und Router müssen her

Als Weiterentwicklung von DECT unterstützt CAT-iq auch das Telefonieren über das Festnetz. Um die Vorteile der neuen Technologie genießen zu können, wird aber ein DSL-Anschluss und eine entsprechender VoIP-Router benötigt. An diesen wird das Telefon oder dessen Basisstation angeschlossen. Da CAT-iq auf dem DECT-Standard arbeitet, funken die Telefone im selben Frequenzband im Bereich 1,9 Gigahertz. Störungen mit WLAN kommen dadurch nicht zustande. Von einem parallelen Betrieb von CAT-iq- und DECT-Basisstationen ist aber abzuraten.

Gespräche in HD-Qualität

Die verbesserte Sprachqualität ist ein wesentlicher Vorteil zur herkömmlichen DECT und VoIP-Telefonie. Irritierend sind hierbei die Bezeichnungen der Hersteller: So benutzt Siemens das Label "HDSP" (High Definition Sound Performance) für seine Geräte, im Umlauf sind auch die Bezeichnungen "Wideband Audio" oder "HD-Audio".

Um Telefongespräche in höherer Qualität führen zu können, muss auf beiden Seiten der Leitung ein CAT-iq fähiges Telefon verwendet werden. Außerdem müssen die Gespräche über das Internet geführt werden.

CAT-iq fähiges Telefon für Einsteiger: Das Siemens Gigaset A580 IP ist schon für 65 Euro zu haben. (Quelle: Siemens)

Glasklare Telefongespräche werden möglich durch eine höhere Bandbreite zwischen Mobilteil und Basisstation. Diese war bei der herkömmlichen DECT-Telefonie limitiert: Übertragungsraten von 32 kbit/s - mehr ging nicht. Durch den neuen Standard können bis zu 384 kbit/s übertragen werden. Beim Versand der digitalen Sprachdaten wird zurzeit der Audiocodec G.722 eingesetzt - er komprimiert Sprachpakete mit einer Datenrate von 64 kbit/s. Von dieser Verbesserung sollen zukünftig auch weitere Dienste profitieren - etwa das Streaming von Audioinhalten über CAT-iq fähige Telefone.

Nur wenige Geräte auf dem Markt

Das weltweit erste Gerät mit CAT-iq-Zertifikat war das Siemens Gigaset S675 IP, das im Dezember 2007 auf dem Markt kam. Es nutzte die verbesserte Sprachqualität von CAT-iq.

Inzwischen hat Siemens nachgelegt: Der Nachfolger des Gigaset S675 IP, das S685 IP, zeigt auf seinem 128x160 Pixel großen Display neben der Uhrzeit auch Wettervorhersagen an, auf Wunsch werden auch RSS-Feeds ausgespielt. Über den Stand laufender Auktionen bei Ebay informiert das Gigaset A580 IP. Siemens gibt an, dass die Anzeige von Internetinhalten unabhängig vom Telefonmodell funktioniert. Demnach ist davon auszugehen, dass auch das S675 IP Medieninhalte aus dem Netz anzeigt.

Kommt Mitte dieses Jahres auf den Markt: Das FRITZ!Fon MT-F soll auch Audiostreams aus dem Internet abspielen. Foto: AVM

Alle Geräte von Siemens nutzen das Online-Telefonbuch von Klicktel. Praktisch ist diese Funktion nicht nur bei der Suche nach einer wichtigen Telefonnummer: Wenn der Gesprächspartner seine Rufnummer überträgt, lässt sich diese auch per Clip-Funktion im Adressbuch abspeichern. Das Bluetooth-fähige Gigaset S685 IP ermöglicht zudem den Austausch mit anderen mobilen Geräten wie Handys oder PC.

Siemens stellt den Nutzern seiner CAT iq-fähigen Telefone auch einen Community-Dienst zur Verfügung. Wer sich in dem VoIP-Netzwerk "Gigaset.net" angemeldet hat, kann kostenlos mit anderen Teilnehmern Gespräche führen. Ein zusätzlicher Telefon-Anbieter wird überflüssig. Die Gigaset-Telefone kosten 140 Euro, das A580 IP ist für 65 Euro im Handel erhältlich. Laut der Webseite cat-iq.org sind die Siemens-Telefone neben dem EV100DE von vtech die einzigen für den CAT-iq Standard zertifizierten Geräte.

Was technisch in Zukunft möglich ist, hat der vor allem für seine Router bekannte Hersteller AVM in diesem Jahr auf der CeBIT gezeigt. So überträgt das "FRITZ!Fon MT-F" auch Podcasts, Musik und Webradio von USB-Sticks, Netzwerk- oder Online-Speichern. Voraussetzung ist allerdings eine "FRITZBox" mit integrierter DECT-Basisstation, die die Internet- und Netzwerkanbindung herstellt. Das "FRITZ!Fon MT-F" zeigt auch Webanwendungen wie RSS-Feeds auf dem Display an. AVM bringt das schnurlose Telefon im Juli dieses Jahres an den Start. Aktuell hat der Hersteller das CAT iq-fähige "FRITZ!Fon MT-D" im Angebot. Es nutzt vor allem die verbesserten Audiofähigkeiten des neuen Standards aus.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der Konkurrenzstandard WLAN CAT-iq das Leben schwer machen könnte.

Fazit: Interessante Technik mit Alternativen

Internetgadgets auf dem Telefon, Musik- und Radio-Streaming, E-Mail-Anzeige und VoIP-Community - CAT-iq fähige Telefone haben attraktive Mehrwert-Funktionen mit an Bord. Offen bleibt aber die Frage, welche Breitbandanwendungen sich wirklich im Markt behaupten können.

Ein Problem kommt für die Hersteller hinzu: Als Vernetzungstechnologie fürs Zuhause konkurriert der neue Standard mit der WLAN-Technik. So gibt es Telefone auf dem Markt, die auf WLAN statt auf CAT-iq setzen, aber nahezu identische Funktionen mitbringen. AVM etwa bietet das "FRITZ! Mini" an - ein VoIP-Telefon, das ebenfalls RSS-Feeds oder E-Mails auf dem Display anzeigt, dafür aber WLAN nutzt. Zudem sind auch die meisten Mobiltelefone internet-fähig und rufen über WLAN Wettervorhersagen und elektronische Post ab.

Die Hersteller CAT-iq-fähiger Endgeräte sehen Handys allerdings nicht als Konkurrenz. Schnurlose Telefone würden Mobiltelefone lediglich ergänzen, heißt es unisono bei Siemens und AVM. Sie weisen auf die angeblich große Nachfrage nach DECT-Telefonen für den Einsatz in den eigenen vier Wänden hin.

Der Industrieverband DECT-Forum weiß um die Konkurrenz und führt vermeintliche Nachteile von WLAN auf - etwa einen höheren Strombedarf und mangelnde Sicherheitsmechanismen. Insbesondere Letzteres leuchtet nicht ein, denn die Verschlüsselungstechnik WPA2 gilt als zuverlässig.

WLAN hat zudem schon einige Jahre Marktentwicklung hinter sich, CAT-iq dagegen steckt noch in den Kinderschuhen. Die Hersteller müssen also noch einiges bewegen, damit der neue Schnurlos-Standard den Massenmarkt erobert.

Kommentare zu diesem Artikel

Schnurlose Telefone sind eigentlich recht langweilige Geräte. Doch ein neuer Standard verspricht Extrafunktionen: Mit CAT-iq werden die Schnurlosen internetfähig und qualitativ hochwertiger. Netzwelt hat sich die Technologie genauer angesehen.

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  • saxobav schrieb Uhr
    AW: News - CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie

    Hallo Kollegen, bei einer Suche nach CAT-IQ fällt einem der Artikel vor die Füße. Mittlerweile hat er etwas Moos auf dem Buckel. Eine Aktualisierung wäre nicht schlecht, um den aktuellen Status darzustellen. Mittlerweile sollten sich die Hersteller standardisiert und sortiert haben. Wie interoperabel sind denn Handgeräte und Basisstationen? Gibt es ein "GAP", welches mehr kann als bei DECT? Wieviel DECT können die neuen Geräte (an alten Basisstationen)? Wieviel DECT können die neuen CAT-IQ-Basisstationen mit etablierten Geräten? Wie sind die aktuellen Features DECT vs. CAT-IQ vs. WLAN vs. BLUETOOTH? Wie sind die Akku-Laufzeiten bei den Funktechnologien? Brauche ich wirklich DSL zum Telefonieren in HQ oder reicht auch ein ISDN-Kanal (Gigaset IP an Fritz!Box 7170 an ISDN)? Ist nicht die "Spaßbremse" bei der Qualität eher der analoge Anschluß der DECT-Basisstation an irgendwas? Mit 32 KBit-DECT-Bandbreite bin ich via ISDN-Direktanschluß näher an UKW-Qualität als viele VOIP-Dienstleister. Also, auf geht's. Danke vorab.
  • Jensus schrieb Uhr
    AW: News - CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie

    Hmmmm *amkopfkratz*: Mehr Bandbreite, damit der User nicht merkt, daß die NSA mithört über die implementierte Schnittstelle? XP SP3 läßt grüßen! Da brauch man ja auch keine Angst mehr vor Skype und Co zu haben. ;o)
  • Michael Knott schrieb Uhr
    AW: News - CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie

    Stimmt, aber dennoch den meisten Menschen noch unbekannt. Viele Grüße
  • Kreisel schrieb Uhr
    AW: CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie

    So neu ist der Standardt dann nun auch nicht!
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CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie
CAT-iq: Neuer Standard für die Schnurlos-Telefonie
Wetternachrichten auf dem Display, Audio- und Radiostreams aus dem Web: Mit dem neuen Standard CAT-iq werden schnurlose DECT-Telefone internetfähig. Netzwelt hat die neue Technologie unter die Lupe genommen.
http://www.netzwelt.de/news/79653-cat-iq-neuer-standard-schnurlos-telefonie.html
2009-03-24 15:58:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2009/s685ip-twisted-right-highres-1237894292.jpg
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