Wie beim Alkohol sollen Minderjährige die Einhaltung der Gesetzte überprüfen
Jugendschutz: Testkäufe für Computerspiele
Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) und Professor Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), wollen mit einem Maßnahmenkatalog gegen so genannte "Killerspiele" sowie gegen Spiele, die zu suchtartigem Spielen verführen können, vorgehen. Sie planen unter anderem Testkäufe und fordern eine Anhebung der Alterseinstufung für "World of Warcraft".
Inhaltsverzeichnis
- 1Testkäufe zur Überprüfung des Jugendschutzes
- 2Mehr Kontrolle bei Online-Rollenspielen
- 3Ministerin nimmt Eltern in die Pflicht
Ihren Maßnahmenkatalog stellten Ross-Luttmann und Pfeiffer am Montag in Hannover anlässlich der Vorstellung einer Studie zur Computerspielabhängigkeit von Jugendlichen auf. Aber auch der Amoklauf von Winnenden und die danach entbrannte Diskussion um First-Person-Shooter finden Eingang in die Forderungen.
Testkäufe zur Überprüfung des Jugendschutzes
Mit verdeckten Testkäufen will Niedersachsens Sozialministerin überprüfen, ob Händler den Jugendschutz einhalten. Beim Verkauf von Computerspielen, die erst ab 18 oder 16 Jahren freigegeben sind, an Minderjährige drohen den Verkaufsstellen Bußgelder. Ähnliche Kontrollen praktiziert Niedersachsen schon beim Alkohol. Landesweit überprüfen Minderjährige im Auftrag des Staates, ob sich Kioske und Supermärkte an die Verkaufsbeschränkungen von Bier, Wein und Rum halten.
Für die Kontrolle will Ross-Luttmann auf Jugendliche im Staatsdienst zurückgreifen: "Dabei sollten jedoch ausschließlich Auszubildende aus Verwaltungen und Behörden eingesetzt werden. Bei der konkreten Planung und Umsetzung müssen zudem die Suchtberatungsstellen und Jugendverbände einbezogen werden." Die Sozialministerin kündigte an, ihren Vorschlag bei der nächsten Konferenz der Jugend- und Sozialminister von Bund und Ländern auf die Tagesordnung zu bringen.
Minderjährige Testkäufer für Computerspiele standen bereits vor etwa einem Jahr auf der politischen Tagesordnung. Das im Mai 2008 beschlossene Verbot gewaltbeherrschter Computerspiele wird aber bisher nicht durch Testkäufe überprüft.
Mehr Kontrolle bei Online-Rollenspielen
Pfeiffer und Ross-Luttmann fordern ebenfalls eine Anhebung der Altersfreigabe des Online-Rollenspiels "World of Warcraft" von 12 auf 18 Jahre. Bei der bisherigen Festsetzung der Altersgrenze sei die Abhängigkeitsproblematik nicht berücksichtigt worden. Laut der am Montag vorgestellten Studie bergen Online-Rollenspiele das größte Suchtpotential noch vor Shooter- und Sportspielen.
Aus diesem Grund wollen die Sozialministerin und der Kriminologe auch, dass die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) auch reine Online-Rollenspiele überprüft. Bislang fallen reine Online-Spiele nicht in die Zuständigkeit der USK.
Ministerin nimmt Eltern in die Pflicht
Mechthild Ross-Luttmann will auch die Eltern einbinden: "Die schärfsten Gesetze der Welt sind nutzlos, wenn Eltern nicht wissen, was in Kinder- und Jugendzimmern abgeht und was in ihren Kindern vorgeht." Das Projekt "Eltern-Medien-Trainer" soll bundesweit ausgedehnt werden. In Niedersachsen demonstrieren bereits 71 Trainerinnen und Trainer Eltern, was in Kinder- und Jugendzimmern wirklich gespielt wird.

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 1 Beitrag
Hm, wie beim Alkohol? In NRW gibt es so was (noch) nicht, dabei fände ich das sinnvoller als bei Spielen. Aber das ist halt momentan aktuell... Wobei als das "Komasaufen" aktuell war, hat sich...