Buchhandel droht Lesern - Buchtausch hat Tradition
Verkehrte Netzwelt: Bücher sind Raubkopierer
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat kein Vertrauen in Kopierschutztechniken. Sein Geschäftsführer Alexander Skipis fährt zur Markteinführung der ersten Lesegeräts für E-Books in Deutschland schwere Geschütze auf. Er stellt die Leseratten und Bücherwürmer unter Generalverdacht und droht potentiellen Dieben und Urheberrechtsverletzern mit massenhaft Klagen und Prozessen.
Zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse polterte Skipis: "Wir werden in aller Schärfe gegen den illegalen Download, gegen den Diebstahl im Internet, vorgehen" und "die Gerichte mit tausenden von Verfahren beschäftigen." Die Politik zwinge den Buchhandel zu diesem Schritt, denn sie neige zur Bagatellisierung dieses "organisierten Verbrechens".
Damit begibt sich Skipis auf eine Stufe mit der Film- und Musikindustrie. Dabei muss sich der Literaturbetrieb viel weniger Sorgen machen. Zwar wird es durch die Digitalisierung der Bücher einfacher, sie zu kopieren und weiterzugeben. Früher stellte sich niemand stundenlang an ein Kopiergerät, um am nächsten Tag auf dem Schulhof den neuesten "Harry Potter" als Papier-Berg gegen mehrere hundert kopierten Seiten von "Tintenherz" zu tauschen. Bücher in elektronischer Form lassen sich dagegen mit einem Mausklick duplizieren und auf Speicherkarten oder im Internet bequem weitergeben.
Aber schon die immer noch hohe Zahl illegaler Film- und Musikdownloads zeigt, dass die Drohkulisse alleine niemanden vom Datentausch abhält. Bisher ist noch jeder Kopierschutz geknackt worden. Das scheint dem Börsenverein bewusst zu sein. Würde er dem Kopierschutz, mit dem die zum Verkauf angebotenen E-Books versehen sind, vertrauen, wäre die Drohung mit Gerichtsverfahren nicht nötig.
Zwei große Vorteile gegenüber der Musik- und Filmindustrie hat der Buchhandel. Noch vor der Nachfrage gibt es ein Angebot und private Haushalte werden wohl kaum ihre Bücherregale komplett digitalisieren.
Napster für Bücher nicht praktikabel
Als vor zehn Jahren das Programm Napster weltweit Millionen Internetnutzer illegal mit Musik versorgte, existierte noch keine nennenswerte Möglichkeit, legal Musik herunterzuladen. Seitdem entsprechende Angebote vorhanden sind, nimmt die Zahl der legalen Downloads in Deutschland jedes Jahr zu. Die Zahl der illegalen Downloads nimmt ab. Der Buchhandel bietet dagegen ab sofort E-Books zum Kauf an und schafft so ein Angebot, bevor überhaupt eine nennenswerte Nachfrage besteht.
Musik lässt sich einfach tauschen. Es ist kein großer Aufwand, die heimische CD-Sammlung mit entsprechenden Programmen in eine MP3-Sammlung auf dem Computer umzuwandeln. Doch wer digitalisiert den Inhalt seines Bücherregals? Bis aus den vielen hundert Fotos oder Scans pro Buch ein brauchbares PDF- oder EPUB-Dokument geworden, ist vergeht viel Zeit.
Bücher tauschen als positives Erlebnis
Unter Buchautoren gibt es auch ganz andere Stimmen. Der gegenüber neuen Techniken und Medien sicherlich nicht abgeneigte Blogger Jason Chen sieht es geradezu als Anerkennung an, dass sein Buch zum illegalen Download angeboten wird: "It's 2009, which means you officially haven't made the big leagues until someone has pirated your book/movie/album. I've made it."
Das Ausleihen von Bücher gehört seit jeher für viele Literatur-Liebhaber zum Alltag. Gute Bücher leihen sie gerne an Freunde und Verwandte aus. Mit E-Books dürfte das komplizierter werden. Dabei sollten die Verlage und der Buchhandel nicht die Werbewirkung der verliehenen Bücher unterschätzen. Ein Buch, das jemand empfiehlt, wird eher gelesen. Vielleicht findet der neue Leser sogar Gefallen am Autor. Die Folge könnten weitere Käufe sein.
Eine interessante Art, neue Leser für Bücher zu begeistern, ist das so genannte "Bookcrossing". Das Projekt animiert dazu, Bücher in gedruckter Form in Wartezimmern oder U-Bahnen liegen zu lassen, damit andere Menschen sie finden können. Jeder, der ein Buch mitnimmt, soll es nach dem Lesen wieder "frei lassen". Über eine "BookCrossingIDentnumber" kann der Weg eines einzelnen Buches verfolgt werden. Ob sowas auch digital funktioniert?


Wie dem auch sei, ich geiere schon seit 2003 darauf, daß es endlich vernüftige Reader und legale downloads gibt. Und ich bin erst mal happy mit meinem Gerät und ziehe den legalen Download vor. Ich...
Man man... das ist ja schon recht harter Tobak. Ich finde die Reaktion schon sehr übertrieben. Die Leute sollen doch froh sein, dass man Bücher von ihnen lesen will. Außerdem muss ein in der virtuellen Welt...
Against Intellectual Monopoly Gut, viel zu lesen... und ich habe es auch noch nicht getan, aber Heise hat da ja schön was dazu geschrieben! Grüße Grunzer PS: Die...
Eine kleine Ergänzung. Heute meldet der Spiegel unter Berufung auf den Bundesverband Musikindustrie, dass erstmals seit Jahren wieder mehr Songs illegal aus dem Netz geladen wurden. Die Zahl sei von...
blub... ich finds lustig! Und bedarf gibt es alle male wenn man weis wo man suchen muss bekommt man alles z.b. den spiegel schon am Freitag ;) Aber ich verrate nix :P