Datenautobahn fürs Dorf

Digitale Dividende: E-Plus testet schnelles Internet per Funk

In Deutschland surfen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 92 Prozent der Bevölkerung mit einer Geschwindigkeit von mindestens einem Megabit pro Sekunde im Internet. Aber nach wie vor gibt es viele Haushalte auf dem Land, die mit dem Traktor auf der Datenautobahn unterwegs sind. Mehr als ISDN-Geschwindigkeit ist oftmals nicht zu haben.

Digitale Dividende: E-Plus testet schnelles Internet per Funk
Für die Datenübertragung per Funk kommen solche Sendemasten zum Einsatz.

Mit einem Versuch des Mobilfunkanbieters E-Plus soll sich das jetzt ändern. Ab Anfang März testet das Unternehmen in Grabowhöfe (Mecklenburg-Vorpommern) schnelles Internet über frei werdende Rundfunkfrequenzen, auch "Digitale Dividende" genannt. Bereits im September vergangenen Jahres hatte der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, gefordert, dass die durch die Digitalisierung von Radio und Fernsehen entstandenen Frequenzen zur Verbesserung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum genutzt werden sollen.

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Ob das funktioniert, sollen insgesamt 50 Firmen und Privatnutzer überprüfen. E-Plus, das den Modellversuch zusammen mit dem Telekommunikationsunternehmen Ericsson und dem Land Mecklenburg-Vorpommern startet, rüstet die freien Frequenzen dabei mit dem Übertragungsstandard HSPA aus. Der drahtlose Datenturbo ermöglicht Surfgeschwindigkeiten bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen und 1,4 Megabit pro Sekunde beim Hochladen von Dateien. Die Testpersonen werden bei dem Versuch mit kostenlosen Endgeräten und Gratis-Zugang zur Test-Station versorgt.

Das E-Plus-Projekt ist nicht der einzige Versuch, die Digitale Dividende zur Versorgung mit schnellen Internet zu nutzen. Im Dezember vergangenen Jahres ist bereits das Breitbandpilotprojekt Wittstock/Dosse (Brandenburg) an den Start gegangen. Dabei kooperiert die Medienanstalt Berlin-Brandenburg mit dem Netzbetreiber T-Mobile.

Digitale Dividende: E-Plus testet schnelles Internet per Funk
Breitband-Versuch in Grabowhöfe: Ab März sollen 50 Firmen und Privatnutzer per Mobilfunk testweise schnelles Internet nutzen können.

Die Internet-Versorgung über Radio- und TV-Frequenzen birgt einen entscheidenden Vorteil: Das Sendesignal ist stärker als bei den bisher genutzten Frequenzen zur mobilen Breitbandversorgung. Die Unternehmen müssen daher weniger Basistationen als bei der Versorgung via UMTS aufbauen und sparen so Geld.

Ob die Digitale Dividende zur Breitband-Versorgung eingesetzt werden kann, hängt vor allem davon ab, ob die Landesmedienanstalten und die Bundesländer die Frequenzen auch zur Verfügung stellen. Für das erklärte Ziel der Bundesregierung, bis Ende kommenden Jahres allen Haushalten in Deutschland schnelles Internet zu ermöglichen, erscheint das mehr als sinnvoll. Allerdings hatten in der Vergangenheit vor allem die privaten Rundfunkanbieter etwas gegen die Ambitionen der Mobilfunkanbieter: TV-Sender nutzen die Frequenzen nämlich, um digitales Antennenfernsehen (DVB-T) auszustrahlen. Doch der Ausbau von DVB-T im ländlichen Raum ist weitaus teurer als die Versorgung über Kabel und Satellit, weshalb sich die Privaten beim DVB-T-Ausbau in der Fläche zurückhalten.

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