Post-vitale Videobotschaften für jedermann

Verkehrte Netzwelt: Stimmen aus dem Jenseits 2.0

Verkehrte Netzwelt: Stimmen aus dem Jenseits 2.0 Die netzwelt-Redaktion erreichen täglich zahlreiche Pressemitteilungen. Die eine oder andere davon führt zu Verwunderung und Gedankengängen, die ihr Urheber sicher nicht beabsichtigt hat. Diese Woche erreichte uns eine Meldung über einen Service, der endlich Schluss macht mit paranormalen Stimmen aus dem Jenseits. Bisher mussten sich die Toten sehr anstrengen, um ihre Botschaften aus dem Jenseits auf Tonbänder zu bringen oder durch Radios erklingen zu lassen. Damit ist jetzt Schluss. Zumindest wenn es nach dem Schweizer Dienst finalpopup.com geht.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Fünf Jahre nicht gezahlt sind ein Indiz für den Tod
  2. 2Von Lebensbeichten und Rechtfertigungen
  3. 3Politische Statements aus dem Jenseits

Auf finalpopup.com kann jeder und jede Lebende Videobotschaften und Nachrichten für die Nachwelt hinterlassen. Die Geister der Toten müssen sich also nicht mehr eines Mediums oder technischer Merkwürdigkeiten bedienen, um zu den Lebenden zu sprechen. Der Dienst ist nicht kostenlos. Für die Registrierung erhebt finalpopup.com eine Gebühr von 19 Euro. Das Basispaket kostet jährlich 4,95 Euro und kann durch weitere Leistungen ergänzt werden.

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Fünf Jahre nicht gezahlt sind ein Indiz für den Tod

Da der Tod überall lauert und auch vor jungen Menschen nicht halt macht, empfiehlt der Anbieter schon frühzeitig und nicht erst im Rentenalter Videos auf dem Portal abzulegen und sie gegenbenenfalls zu überarbeiten. So lange man lebt, sollte man die jährlich per E-Mail eintrudelnden Rechnungen bezahlen. Bleibt eine Zahlung aus, beginnt eine fünfjährige Frist, nach deren Verstreichen finalpopup.com vom Ableben des Kunden ausgeht und seine Inhalte frei gibt. Ärgerlich, falls der Betroffene noch lebt und nur die Rechnungen nicht bezahlt hat. Sofern Angehörige von dem Konto bei dem Dienst wissen, können sie nach dem Tod per Sterbeurkunde oder durch eine spezielle Identy-Card die Nachrichten frei schalten.

In den Allgemeinen Geschäftsbedinungen der Seite heißt es: "Der Nutzer ist für den Inhalt seiner Botschaften und die gegebenenfalls daraus resultierenden Folgen vollumfänglich selbst verantwortlich." Was dem Nutzer ja egal sein kann, da seine Botschaften erst nach dem Tod veröffentlicht werden und er nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Von daher bietet sich die Plattform nicht nur für Danksagungen und letzte Grüße an.

Von Lebensbeichten und Rechtfertigungen

Nicht harmlos, aber nur den engen Familienkreis betreffende Beichten wie "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft!" oder "Nein - Ich bin dein Vater!". Außenwirkung entfaltet dagegen der letzte Gruß an den Nachbarn, mit dem man seit 30 Jahren einen Nachbarschaftsstreit pflegt, oder an den Beamten vom Finanzamt, von dem man sich seit 40 Jahren ungerecht behandelt fühlt.

Der ehemalige Hamburger Justizsenator und Sterbehelfer Roger Kusch könnte mit dem Schweizer Unternehmen zusammenarbeiten, wenn ihm nicht gerade ein Gericht sein Hilfsangebot untersagt hätte. Bisher stellte er die Videos der von ihm begleiteten Sterbewilligen nachträglich nach dem assistierten Selbstmord bei Youtube ein. Finalpopup macht zumindest diesen Teil seines Angebotes überflüssig.

Politische Statements aus dem Jenseits

Auf finalpopup.com könnten auch Selbstmordattentäter, die weltweit immer mehr in Mode gekommen sind, eine neue Heimat finden. Egal ob in Israel, dem Irak, Afghanistan oder Sri Lanka. Bisher sind die "Suicide Bomber" darauf angewiesen, dass die Hintermänner ihre wirren Botschaften nach dem erfolgten Attentat verbreiten. In Zukunft müssten Sie einfach nur fünf Jahre vor ihrem Anschlag die Zahlungen an die Seite einstellen. Grausam, aber wahr - das Internet macht's möglich.

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Beiträgeinsgesamt 3 Beiträge

da finde ich die "sprechenden grabsteine" von amrum und föhr doch irgendwie schöner! die erzählen richtig schöne geschichten über das leben und über den walfang! hier ein beispiel Wyk auf Föhr:...

Der Artikel hat mir auf jeden Fall den Tag gerettet! Ich bleibe bei meiner Meinung: Was man nicht zu Lebzeiten sagen kann, braucht man auch danach nicht mehr los werden. Zumindest in einem...

:eek: was ein blödsinn könnte man sagen, aber wenn man mal so durchdenkt, dass man videobotschaften ja auch anderweitig parken könnte und sich eventuell erpressbar macht oder im falle so mancher premortaler beichte...

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