Der US-Konzern soll ein 20 Petaflop-System aus zwei Rechnern zusammenstellen
Supercomputer: IBM peilt die Marke von 20 Petaflop/s an
Die National Nuclear Security Administration des US Department of Energy hat das Lawrence Livermore National Laboratory als Entwicklungsstätte für zwei neue Supercomputer ausgewählt. IBM wird die Entwicklung und Herstellung der Supercomputer übernehmen. Die Systeme sollen unter anderem zur Sicherheit und Verlässlichkeit des nuklearen Abschreckungspotentials der USA beitragen. Das Unglaubliche: Ab 2011 soll der Superrechner 20 Petaflops umsetzen. Sechs Milliarden Menschen müssten mit ihrem Taschenrechner fast 1.000 Jahre lang rechnen, um diese Leistung zu erreichen.
Einer der Supercomputer ist der "Dawn", ein zunächst zu lieferndes System. Es wird auf der BlueGene/P-Technologie basieren und soll eine Leistung von über 500 Teraflop pro Sekunde erreichen. Die so genannte Maßeinheit Floating Point Operations Per Second ist die Maßeinheit für Computersysteme. Sie zeigt die Additionen oder Multiplikationen an, die pro Sekunde ausgeführt werden können. Der eigentliche Riese folgt dann nach der Installation des Dawns, der bereits 2009 in Betrieb gehen soll. Der "Sequoia" wird auf künftiger IBM BlueGene-Technologie basieren und soll tatsächlich die 20 Petaflop-Marke knacken.
Der derzeit schnellste Rechner wird zum Taschenrechner degradiert
Diese ist zurzeit nicht annähernd erreicht. Der derzeit schnellste Rechner der Welt, der Roadrunner, schaffte letztes Jahr erstmals die Petaflop-Marke. Er verteidigte erst kürzlich gegen den Jaguar mit seinen 1.026 Petaflops pro Sekunde den ersten Platz der Top500, der Liste mit den schnellsten Rechnern der Welt. Sequoia wird circa 1,6 Millionen "IBM POWER-Prozessoren" in 96 Kühlschrank-großen Racks auf einer Fläche von etwa 340 Quadratmetern enthalten und circa 1,6 Petabyte Arbeitsspeicher in sich tragen,. Das wären 16 Gigabyte pro Knoten. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Rechner arbeitet mit zwei bis vier Gigabyte.
Seine beschriebene Leistung wird gerade in der High-Performance-Computer-Szene für ordentlich Wirbel sorgen. Denn diese kann sogar die kombinierte Leistung aller Systeme auf der aktuellen TOP500-Liste übertreffen. Dazu sollen zudem neue Maßstäbe bezüglich der Energieeffizienz gesetzt werden. Verglichen mit den meisten traditionellen Supercomputern soll Sequoia eine bislang noch unvorstellbare Effizienz von 3.050 Rechenschritten pro Watt erreichen.
20 Petaflop/s: Der sinnvolle Einsatz
Das US-Non-Profit-Gremium für Wettbewerbsfähigkeit erklärte hierzu: "Ein Land, das im globalen Wettbewerb als Gewinner hervorgehen will, muss auf die Leistungsfähigkeit von Supercomputern setzen. Amerikas langfristige Wettbewerbsfähigkeit hängt von seiner Fähigkeit ab, die Innovationsdichte zu steigern, indem die Möglichkeiten seiner führenden Rolle im High Performance Computing und der dazugehörigen Anlagen vollständig ausgeschöpft werden". Was damit gemeint ist, ist klar. Denn das weitreichende Potenzial eines 20-Petaflop-Supercomputers bietet breitgefächerte Einsatzmöglichkeiten. So soll das komplette System zusätzlich die Forschung in den Bereichen Astronomie, Energie, Biotechnologie und Klima unterstützen.
Nach Einschätzungen von IBM-Forschern würde ein 20-Petaflop-Supercomputer beispielsweise unsere Wettervorhersage bis zu 40mal genauer berechnen können. Dies würde Vorhersagen über lokale Wettererscheinungen, die eine Fläche von 100 Quadratmetern bis zu einem Quadratkilometer betreffen, möglich machen. Bisher sind nur Aussagen über Gebiete in der Auflösung einer Größenordnung von bis zu 10 Quadratkilometern möglich. Wettererscheinungen wie Tornados, die üblicherweise nur wenige Quadratkilometer betreffen, könnten für lokale Wettervorhersagen sichtbar gemacht werden - und Leben retten.
