Google Earth 5.0: Auf den Spuren der Nautilus
Informationen sind der Schlüssel zum Erfolg
Bei den Datenmassen wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis auch Wissenschaftler den Dienst fachmännisch nutzen werden. "Google-Ocean ist einfach noch zu neu. Aber die Umweltverbände wie Greenpeace oder WWF haben für solche Projekte Gruppen zusammengestellt, die mit Google eng vernetzt sind", legt Menn optimistisch nach. Über diese Fachgruppen sollen die fehlenden Informationen diskutiert und nachgereicht werden.
Dass gerade diese Informationen für ein besseres Verständnis des Umweltschutzes wichtig sind, zeigen zwei wichtige Aufgaben der Meere. Zum einen sind sie die größten Kohlenstoffspeicher der Welt, was in der heutigen CO2-Diskussion oft vergessen wird. Zum anderen produziert die Meeresflora ungefähr 70 Prozent des Sauerstoffes, den die Menschen einatmen.
Noch viel Arbeit
"Nur mit genügend und weitreichender Informationen ist das Ökosystem noch zu retten", ist sich Dr. Onno Groß sicher. Mit seiner Meeresinitiative Deepwave e.V. setzt er sich seit Jahren für die nachhaltige Fischerei und gegen die Verschmutzung der Meere ein. Die angesprochene Rettung wird auch höchste Zeit: Seit der Industriefischerei sind die Fischbestände drastisch zurückgegangen und die dadurch eintretenden Veränderungen im Ökosystem eine zusätzliche Last, welche dem Meer zugemutet wird.
Groß begrüßt den Schritt Googles ebenso wie seine Kollegin Menn. Er hegt aber auch Zweifel: "Google kann als Multiplikator sehr nützlich sein, allerdings stellt sich die Frage, ob auch alle relevanten Umweltinformationen wie Pipelines, Auswirkung der Tiefseefischerei und Sonar-Aktivitäten der Navy Beachtung finden". Was der Wissenschaftler damit anspricht, sind vor allem die Transparenz der Daten und die Frage, ob nicht zum Beispiel Werbung der Ölindustrie in Sachen Pipelines Einfluss nehmen könnte.
Googles grüner Daumen
Ob Google tatsächlich den grünen Daumen besitzt, bleibt abzuwarten. Google verfolgt schon lange das Ziel, eine komplett digitale Welt zu erschaffen. Das neue Projekt dürfte ein Schritt in diese Richtung sein. Glaubt man den Wissenschaftlern, ist mit der richtigen Information am richtigen Platz eine nützliche und informative Nutzung von Google Earth möglich.
Die eigentliche Vermessung der Meere ist durch den Kanadischen Hydrographischen Dienst (GEBCO) schon in den Achtzigerjahren öffentlich gemacht worden und liegt auch schon als Buchedition vor. Für viele Bereiche ist dies aber nicht aktuell und ausreichend genau, Google könnte hier ansetzen und ein interaktives Nachschlagewerk erzeugen. Doch muss man Google auch etwas Zeit geben: Zehn Prozent der Weltmeere sind gerade einmal erforscht und man weiß tatsächlich mehr über den Mond als über das kühle Nass.
