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Projekt Medicase: Der Rechner im Apothekerschrank
Teil 1: Die Planungsphase

von Roland Haberer Uhr veröffentlicht

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Netzwelt baut den Mini-Rechner im Apothekerschrank: In einem selbstgebauten Gehäuse der etwas anderen Art soll später ein Dual-Core Atom-Prozessor werkeln. Im ersten Schritt geht es aber zunächst um die Planung am Reißbrett.

Netzwelt baut den Mini-Rechner im Apothekerschrank: In einem selbstgebauten Gehäuse der etwas anderen Art soll später ein Dual-Core Atom-Prozessor werkeln. Im ersten Schritt geht es aber zunächst um die Planung am Reißbrett.

Mit dem ersten Netbook in Form des Asus EeePCs und der Ankündigung von Intel, einen speziellen Stromspar-Prozessor zu entwickeln, wurde im Jahr 2008 der PC-Markt revolutioniert. Auf Basis des daraus resultierenden Intel Atoms wurden auch so genannte Nettops angekündigt. Die Idee eines Redaktionsrechners auf Intel Atom Basis war geboren. Auch die erste Verzögerung des Projekts wurde somit besiegelt, denn es sollten noch einige Monate ins Land ziehen, bis dieser verfügbar war.

Die Idee, die ersten Probleme

Ein großes Problem stellte die Suche nach dem richtigen Gehäuse dar, denn ein herkömmliches PC-Gehäuse von der Stange kam nicht in Frage. Von der Keksdose bis hin zum Medizinkasten wurden zahlreiche Vorschläge zusammengetragen. Nach einer Machbarkeitsprüfung wurde schlussendlich der Medizinkasten gewählt. Dieser wurde einige Tage später in einem Online-Shop bestellt. Für 20 Euro inklusive Inhalt darf man keine Verarbeitungswunder erwarten. Aber selbst die schlimmsten Befürchtungen wurden drei Tage später bei weitem übertroffen. Das Blech war zu dünn und eines der zwei Regale völlig schief eingeklebt.

Der erste Versuch scheiterte kläglich (Quelle: preisroboter)

Die Zwischenregale mussten weichen um Platz für die geplante Hardware zu schaffen. Vorsichtig wurden die Verbindungen vom Klebstoff befreit und leicht auseinander gebogen - Nieten oder Schrauben waren Fehlanzeige. Nach einer halbstündigen, sorgfältigen Demontage die Erkenntnis: Dieses Gehäuse taugt nicht für die höheren Weihen eines Rechners. Die beidseitig aufgetragene Lackschicht war zum Teil dicker als das Blech selbst. Zudem hielt oftmals nur der Lack das Blech zusammen.

Medicase: Erster Versuch

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Dieses Bild entstand nicht nach einem Wutanfall.

Die Idee vom Netzwelt-Nettop wurde erst einmal auf Eis gelegt und es vergingen einige Monate, ehe das Projekt wieder an Fahrt aufnahm. Die ersten Mainboards mit Intel Atom-Prozessoren lagerten mittlerweile bei den Händlern und es juckte wieder in den Fingern. Netzwelt wollte aber nicht noch einmal einen Fehlkauf begehen und entschied sich für ein "Casecon". Das selbstgebaute Gehäuse sollte die gleichen Abmaße wie der erste Medizinkasten besitzen (25 x 25 Zentimeter), denn die Glastüre sollte weiterverwendet werden.

Zielsetzung: Klein, leicht und günstig

Das noch nicht existierende Gehäuse wurde auf den Namen "Medicase" getauft. Die Kosten für Material und Hardware sollten unter denen des Shuttle X27 bleiben, welcher 600 Euro kostet. Auch das Gewicht sollte so gering wie möglich ausfallen. Die Stabilität des Gehäuses darf allerdings unter keinen Umständen darunter leiden. Der Rechner muss nahezu lautlos sein und die Hardware soll leicht ausgewechselt werden können. Mit diesen hohen Ansprüchen ging es an die Auswahl der Komponenten.

Hardwareauswahl: Von Mainboard bis Kühlung

Die Hardware wurde äußerst akribisch ausgewählt. Die Wahl des Mainboards fiel schlussendlich auf eine Mini-ITX Platine (17 x 17 Zentimeter) - das Intel Essential Series D945GCLF2. Der Aufpreis vom Single-Core zum Dual-Core Atom betrug lediglich zehn Euro und das Boardlayout war besser als bei Mainboards von anderen Herstellern. Mit der Wahl der Hauptplatine wurde gleichzeitig eine Verzögerung des Projekt in Kauf genommen. Am Bestelltag war das Mainboard bei keinem Internethändler verfügbar. Umso überraschender war es dann, dass das Mainboard nur drei Tage später in der Redaktion eintraf. Eine große Erleichterung machte sich breit und der Terminplan für das Projekt schien gerettet zu sein.

Medicase: Komponenten

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Von dem ersten Medizinkasten war lediglich das Glas brauchbar.

Beim Netzteil erhielt eine interne Pico-PSU mit einem externen Notebooknetzteil den Zuschlag. Die Wahl der Festplatte fiel auf ein Samsung-Modell mit einer Kapazität von 320 Gigabyte im 2,5-Zoll-Format. Ein altes Slim-DVD-Laufwerk aus einem ausgeschlachteten Notebook stand ebenfalls zur Verfügung. Ein Ram-Riegel mit einem Gigabyte Speicher war ebenfalls vorhanden. Zur lautlosen Kühlung sollte ein Northbridgekühler eines Asus P5W DH Deluxe Mainboards verwendet werden.

Medicase
Abmaße253 x 253 x 100 mm
MainboardIntel Essential Series D945GCLF2
ProzessorIntel Atom 330 2 x 1,6 GHz
ChipsatzIntel 945GC+ICH7
ArbeitsspeicherOCZ Platinum 1GB DDR2 800MHz
Notebooknetzteil60 Watt
PicoPSU90 Watt
FestplatteSamsung SpinPoint M6S 320GB, 5400rpm
DVD-Laufwerkausgeschlachtet von einem alten Maxdata Noteobok
Slim Adapter für das DVD-Laufwerk50pol Slim-CD-Laufwerk auf 40pin IDE
BetriebssystemWindows XP Professional

Planungsphase: Alle Eventualitäten

Mit Hilfe von mehreren Modellen, welche in Google Sketchup erstellt wurden, ging es an das Planen des Medicase. Neben der Hardware musste auch die "alte" Glasfront mit Maßen von 21,3 x 21,3 Zentimetern beachtet werden. Ebenfalls ein leichtes Ein- und Ausbauen der Hardware musste berücksichtigt werden. Bereits die ersten Skizzen offenbarten die extreme Raumknappheit im Inneren des Gehäuses.

Medicase: Skizzen

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Die Rückseite wurde mehrmals überarbeitet.

Da der gesamte Rechner später an die Wand gehängt werden sollte und um ein leichtes und stabiles Gehäuse zu gewährleisten, entschied sich netzwelt für Aluminium. Damit keine Schrauben von außen sichtbar sind, wurde eine Zwischenplatte eingeplant. Auf dieser sollten beinahe alle Komponenten Platz finden. Um die nötige Stabilität zu gewährleisten, wurden Aluschienen mit einer Dicke von 15 und 20 Millimetern an den Innenwänden eingeplant. Die Außenhaut sollten sechs Aluplatten mit einer Stärke von 1,5 Millimeter bilden. Mit Innenmaßen von 250 x 250 x 97 Millimetern wird das Medicase lediglich ein Volumen von knapp über sechs Liter aufweisen.

Hardwarekosten
Mainboard70 Euro
Laufwerkwar vorhanden (neu ca. 50 Euro)
Slim Adapter für das DVD-Laufwerk13 Euro
Festplatte60 Euro
Arbeitsspeicherwar vorhanden (neu ca. 20 Euro)
Notebooknetzteil30 Euro
PicoPSU47 Euro
Betriebssysemwar vorhanden (neu ca. 70 Euro)
Blechkasten20 Euro (Glas wird verwendet)

Im nächsten Artikel lesen Sie von den ersten Arbeitsschritten des Projekts und den Hindernissen, die beim Bau eines solch kleinen Gehäuses entstehen.

Netzwelt bedankt sich bei Tobias Scharinger, der bei diesem Projekt maßgeblich mitgewirkt hat.

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Projekt Medicase: Der Rechner im Apothekerschrank
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Netzwelt baut den Mini-Rechner im Apothekerschrank: In einem selbstgebauten Gehäuse der etwas anderen Art soll später ein Dual-Core Atom-Prozessor werkeln. Im ersten Schritt geht es aber zunächst um die Planung am Reißbrett.
http://www.netzwelt.de/news/79040-projekt-medicase-rechner-apothekerschrank.html
2008-12-22 11:00:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/image-1227922898.png
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