Kaum Zustimmung für den Einsatz neuer Überwachungstechnologie
Nacktscanner an Flughäfen: Empörung über EU-Pläne
Morgens in der Sicherheitskontrolle am Flughafen. Während sich ihr Vordermann schon wieder anzieht, werden Sie vom Sicherheitspersonal zum Striptease aufgefordert. In den USA ist diese Prozedur üblich, in Europa erproben sie erste Flughäfen und die EU will sie zum Standard machen. Real muss bei den so genannten Nacktscannern niemand nackte Haut zeigen, aber virtuell wird jeder bis auf die Haut ausgezogen.
Inhaltsverzeichnis
- 1EU-Kommission erlaubt Einsatz von Nacktscannern
- 2EU-Parlamentarier fühlen sich übergangen
- 3Politik, Kirche und Polizei: Ablehnung auf breiter Front
- 4EU-Parlament: Zustimmung unter Bedingungen
- 5Technik
EU-Kommission erlaubt Einsatz von Nacktscannern
Die EU-Kommission hat durch die Änderung einer Verwaltungsvorschrift den Einsatz von Nacktscannern auf Flughäfen in der EU erlaubt. Ab 2010 sollen die etwa 100.000 Euro teuren und telefonzellengroßen Geräte im großen Stil zum Einsatz kommen. Sie können dabei helfen, nichtmetallische Waffen wie Messer aus Keramik zu entdecken.
In einem der taz vorliegenden internen Schreiben vermutet der für Flughäfen zuständige EU-Kommissar Antonio Tajani, dass viele Bürger kein Problem mit den Nacktbildern hätten. Ohne eine Quelle zu nennen, schreibe er, dass Fluggäste, wenn sie vor die Wahl zwischen dem üblichen Abtasten und dem Scanner gestellt werden, "eine klare Vorliebe" für die Scanner gezeigt hätten. Der Scan solle nicht zur Pflicht für alle Passagiere werden.
EU-Parlamentarier fühlen sich übergangen
Die Welle der Empörung begann im Europäischen Parlament. Über Fraktionsgrenzen hinweg forderten die Parlamentarier die Kommission am Donnerstag auf zu erklären, ob Grundrechte der Bürger von den Durchleuchtungsgeräten verletzt werden. "Man fragt sich schon, ob man noch ein Reisender ist oder sich in einem Hochsicherheitstrakt befindet", sagte Alexander Alvaro, deutscher FDP-Politiker und innenpolitischer Sprecher der Liberalen im Europaparlament, der taz. Die europäischen Grünen üben ebenfalls Kritik: "Ob diesem Eingriff ein tatsächlicher Sicherheitsgewinn gegenübersteht, wurde offensichtlich nicht einmal untersucht."

Nichts zu verbergen? Bild eines Nacktscanners.(Quelle: Rapiscan, Klick vergrößert.)
Andere EU-Abgeordneten fühlen sich übergangen, weil die EU-Kommission das Vorhaben still und leise über eine Verwaltungsvorschrift realisieren will und sich dabei nur wenig Gedanken über Grundrechte und Gesundheitsrisiken mache. Der CSU-Abgeordnete Manfred Weber kritisierte, die Kommission könne das Vorhaben nicht einfach "durch die Hintertür" einführen.
Politik, Kirche und Polizei: Ablehnung auf breiter Front
In den Ruhr Nachrichten bezeichnete der SPD-Europaparlamentarier Martin Schulz den Einsatz von Nacktscannern als "unverhältnismäßig und nicht erforderlich". Sie würden die Sicherheit keinesfalls erhöhen. Es sei zwar richtig, dass sie auch Plastiksprengstoff oder Keramikmesser fänden, aber schon heute seien Leibesvisitationen im konkreten Verdachtsfall möglich.
Auch in Deutschland macht sich Empörung über den geplanten Einsatz der Nacktscanner breit. Neben Politikern aller Bundestagsfraktionen haben sich auch Geistliche und sogar Polizisten gegen den Einsatz der Nacktscanner ausgesprochen. "Diese Methode darf in Deutschland nicht eingeführt werden", fordert der FDP-Innenexperte Max Stadler in der taz. "Jeder ist für sinnvolle Kontrollen an Flughäfen, aber was zu weit geht, geht zu weit."
Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte der Berliner Morgenpost: "Man muss nicht alles machen, was technisch machbar ist." Er forderte vor der Einführung von solchen Scannern erst einen Beleg, dass sie einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bringen.

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 2 Beiträge
Ich fliege ja prinzipiell nicht aber dennoch bin ich dagegen. MIR persönlich wäre das zu intim. Das ist natürlich alles Ansichts- und Empfindungssache. Derjenige, der ständig zum FKK geht, den wird das nichts...
Warum soll mich diese Nachricht jetzt noch besonders aufregen? Gut, der Mann/Frau hinter dem Nacktscanner wird nun meine kleinen Problemzonen noch besser erkennen können, aber die sieht man auch mit bloßem Auge....