Lautheitswahn: Die Jagd nach dem Krach

Lautheitsrennen in den Klangmatsch

Anfang der 1980er Jahre lag der mittlere Lautstärkepegel der meisten Musikveröffentlichungen bei etwa -18 Dezibel RMS, also 18 Dezibel unter der maximal möglichen Aussteuerung, so wie es die Europäische Rundfunkunion (EBU) empfiehlt. Diese Aussteuerungsreserve - auch Headroom genannt - soll einerseits für eine angenehme Wiedergabe mit genügend Dynamik sorgen und andererseits auch Verzerrungen vorbeugen, die entstehen, wenn der Ton übersteuert wird. Auf Vinyl-Schallplatten "war es nicht unmöglich, die Lautstärke über einen bestimmten Punkt hinaus zu treiben", sagt Bob Ludwig, ein US-amerikanischer Tonmeister-Veteran, der schon für viele wichtige Künstler wie Jimmy Hendrix, Paul McCartney, Queen, Madonna oder die Rolling Stones gearbeitet hat.

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Als sich die CD auf dem Markt durchgesetzt hatte, begannen Bands und Produzenten jedoch von den Tonmeistern lautere Master zu verlangen, um die Alben der Konkurrenz zu übertreffen. Denn die neuen technischen Mittel ermöglichten nun, den Ton immer stärker zu komprimieren, ohne ihn in die Übersteuerung zu treiben. Andere Bands und Produzenten zogen mit und lösten damit eine Jagd nach Lautstärke aus (engl. "Loudness Race" oder "Loudness War"), die damit endete, dass die meisten Alben ab dem Jahrtausendwechsel nur noch durchschnittlich etwa acht Dezibel Headroom aufwiesen.

Einige besonders extreme Beispiele wie 1999 "Californication" von den Red Hot Chili Peppers verfügen sogar nur noch über 3 bis 4 Dezibel Dynamik, was bedeutet, dass die lautesten Signalspitzen gerade einmal anderthalb mal lauter sind als die Durchschnittslautstärke der Aufnahme. Die Jagd ist damit an ihrem Ende angelangt, da stärkere Kompression ohne extreme Verzerrungen physikalisch nicht mehr möglich sind.


Ein weiteres YouTube-Video erklärt anschaulich die Technik der Dynamikkompression und zeigt dessen Auswirkungen.
(Quelle: YouTube)

Die Opfer des Laustärke-Krieges

Diese extreme und immer gleich laute Musik hört sich auf einer guten Anlage nicht nur sehr flach an, sondern hat auch zu weiteren Problemen bei der Wiedergabe über Ohrhörern von MP3-Player beigetragen: nach einem aktuellen Gutachten der EU setzen sich zweieinhalb bis zehn Millionen EU-Bürger – die so genannte Generation iPod – einem erhöhten Risiko aus, ihr Hörvermögen dauerhaft zu verlieren. Der bisher gültige Grenzwert von 100 Dezibel reicht demnach nicht aus, um Hörschäden zu vermeiden. Die EU-Kommission erwägt deshalb neue Lärmschutzvorschriften für MP3-Player.

Forum

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 5 Beiträge

Ich habe mich aufgrund der Dynamikkompression letztens von LastFM verabschieden müssen. Es ist ja auch so: Gerade wenn man gewohnt ist sich den ganzen Tag am Arbeitsplatz mit Musik berieseln zu lassen macht...

Ich kenne dieses Problem wirklich! Aber bei mir kann ich den Unteschied vor allem zwischen älteren und neueren CDs feststellen. Letztens eine neu gekaufte CD in die Anlage. Und dann später eine viel ältere. Da sagt...

Natürlich. Ich bin auch für Qualität. Mein Beispiel mit der AudioDVD war dennoch ernst gemeint, wenn es lauter bzw dynamischer werden soll, dann wäre das die meiner Meinung nach nächstliegende Alternative.

Zitat: Wenn die lauter werden wollen unter Beibehaltung der Qualität, dann sollte endlich die Audio-DVD die CD ablösen, denn eine DVD hat mehr Dynamikumfang. So blieben noch genug...

Genau das isses! Da könnte ich ins Essen würgen! Compressor/Limiter und wie die alle heißen... Viele Internetradios nutzen Dynamikkompression. Das hört sich dan echt beschissen an, weil nach der...

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